Bitte schickt mir keine Sprachnachrichten!

Sie sind der Horror: Endlose, im schlimmsten Fall unverständliche Sprachnachrichten von Freunden. "Ruft mich an!" fleht unsere Autorin.

von Theresa König

Sprachnachrichten sind praktisch. Allerdings nur für die Leute, die sie verschicken. Ich habe zwei Freundinnen, die lieben sie. Über mehrere Minuten erklären sie mir darin, was ihr Chef heute zu ihnen gesagt hat, warum ihre Schwiegermutter ein Problem darstellt oder dass der kleine Tim Durchfall hat. Das ist natürlich ihr gutes Recht, aber es nervt mich trotzdem. Vor allem, weil ich nicht weiß, worauf die 3 Minuten 56 hinauslaufen. Wo ist der Kern der Nachricht? Worum geht es genau? Und kommt sie noch zu dem Teil, in dem sie sagt, wann und wo wir uns nachher treffen?

Wie Selfies auf Instagram, nur mit Gelaber

Dazu kommt, dass ich das Ganze natürlich abhören muss. Laut geht das schlecht, wenn andere Menschen anwesend sind. Wenn ich mir das Telefon – etwa in der U-Bahn – ans Ohr halte, verstehe ich oft ganze Strecken nicht. Außerdem finde ich die Art der Kommunikation bescheuert, weil ich nicht direkt reagieren kann. Mir hat mal ein Vater erzählt, dass die Teenager von heute sich nicht mehr so richtig am Telefon unterhalten können, weil sie nicht anrufen und miteinander reden, sondern sich gegenseitig Sprachnachrichten senden. Dabei muss man nicht direkt kommunizieren, sondern sondert einfach seinen Sermon ab. Ein bisschen wie Selfies auf Instagram, nur mit Gelaber. 

Was kommt als nächstes? Kleine Videos?

Ja, klar, Nachrichten zu schreiben, ist jetzt auch nicht gerade dienlich im Sinne der direkten Kommunikation, aber ist es meistens schön auf das Wesentliche reduziert. Wenn mir eine Freundin schreibt: "Lass uns Samstag, 18 Uhr in der Rosaroten Bar treffen", habe ich das schriftlich, ein Blick aufs Handy genügt. Sprachnachrichten muss ich abhören, das verleitet zum Langatmigwerden. Was kommt als nächstes? Kleine Videos, in denen man Szenen aus dem eigenen Leben darstellt? 

Wenn ich jemandem zuhören will, höre ich Bibi Blocksberg

Klar klingt das alles nicht sehr fortschrittlich, klar ist es manchmal leichter, eben was erzählen, klar macht das manchmal Sinn. Natürlich bin ich kleinkariert. Trotzdem hasse ich Sprachnachrichten! Wenn ich jemandem zuhören will, höre ich einen Podcast oder Bibi Blocksberg. Deswegen bitte ich euch, liebe Freunde, ruft mich an, wenn ihr etwas wollt! So viel Zeit wird ja wohl sein. Von mir aus könnt ihr mir auch oder E-mails Sms senden oder über Whatsapp schreiben. Selbst ein Fax fänd ich besser. Ansonsten muss ich mir irgendwas überlegen. Vielleicht schick ich selbst demnächst superlangweilige zehn Minuten dauernde Sprachnachrichten, auf denen ich Blockflöte spiele. Könnten die anderen nervig finden, aber vielleicht rufen sie dann endlich wieder an. 

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