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Björn Krause Der bekennende Naturpinkler

Björn Krause: Eine Person in Jeans und braunen Stiefeln geht durch den Wald
© Djavan Rodriguez / Shutterstock
Müssen Sie sich auch immer so empören über Typen, die im Freien pinkeln? Hat unser Kolumnist auch schon mitbekommen. Total aufregend – wie er das sieht.

Was tun, wenn der Druck zu groß ist?

Es ist was im Busch. Genauer: jemand. Ich bin das. Mit mächtig Druck auf einer verkrampften Blase, die voller ist als die Hälfte der Kerle in der Kneipe, neben denen ich vor einer Viertelstunde noch stand. Hicks.

Jetzt stehe ich vor einer Eiche. Wenn das dritte, vierte, fünfte Bier in einem wühlt, kann der Anstand nämlich einpacken. Packe also aus. Rascheln. Plätschern. Seufzen … Bis mir eine Frauenstimme den Hahn abdreht. "Ekelhaft!", sagt sie. Das "K" kracht durchs Geäst wie ein schnaubender Gorilla. Lautlos muss sie sich genähert haben. Kontrollierter Schulterblick. Angepisst ist sie, nicht wortwörtlich natürlich, denn sie steht ja hinter mir, mit geballten Händen in Fäustlingen.

Ruhig bleiben! Zweimal schütteln, einmal in die Knie, zeitgleich den Hosenbund hochziehen, kurz wippen, Reißverschluss hoch und laaangsam umdrehen. Stehen da auf einmal zwei Frauen. Haben sich vermehrt, sind wie Gremlins, diese niedlichen Filmmonster, deren Population bei Nässe explodiert. Noch ein Tropfen – und ich wäre von Millionen umzingelt.

Jede Blase hat ihr Limit

Diktatur der zitternden Unterlippen. "Das ist verboten!", sagt die zweite in einem Ton, der meint: Die Sitten sind verwildert, die Gerechtigkeit ist obdachlos. Aber, aber: Lassen wir das Dixiklo doch bitte mal in Wacken. Habe hier schließlich nicht an eine U-Bahn-Station gepinkelt oder in einen Hauseingang. Bin in einem Gebüsch. Was ist das Problem? Das echte, meine ich.

Stehe auf dem Schlauch. Geht’s um den? Scheint wohl zum Problem zu gehören. Also zum Mann. Freipinkelnde Kerle sind tendenziell unbeliebt bei Menschen ohne Penis. Wer oft in einer Schlange vor öffentlichen Toiletten steht, hat viel Zeit, sich über den Zwang der Selbstkontrolle zu ärgern, was den eigenen Blasendruck betrifft. Oder gar Verschwörungstheorien zu entwickeln. Stelle hiermit klar: Es geht nicht um eine öffentliche Machtdemonstration, nicht darum, mit Pipi mein Revier zu markieren. Was ich in Notfällen verdeckt in die kalte Abendluft halte, ist kein Zepter, sondern ein aus Bindegewebe, Schwellkörpern und Haut bestehendes Organ, das es mir erlaubt, mich einfacher zu erleichtern, als es ohne und in der Hocke der Fall wäre.

Die eigentliche Frage lautet für mich also nicht, wieso Männer manchmal in die Natur pinkeln. Sondern wieso es Frauen nicht auch tun sollten? Kriege keine Antwort, weil ich stumm und schnell das Weite suche. Mache mir nämlich fast in die Hosen.

Björn Krause bevorzugt öffentliche Toiletten und ist zu Hause übrigens ein bekennender Sitzpinkler

Barbara

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