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Björn Krause Unangenehme Vorsorge

Björn Krause: eine Ärztin sitzt mit einer Patientin an einem Tisch mit einem Stift in der Hand und einem Formular
© ldutko / Shutterstock
Für Frauen ist der Gang zur Gynäkologin Routine. Männer tun sich beim Urologen immer noch schwer. Unser Kolumnist lässt trotzdem die Hosen runter.

Seine Hände. Das Erste, auf das ich schaue, als der Arzt in den Behandlungsraum kommt, sind seine Hände. Groß sind die wie Bratpfannen und seine Finger behaart auf dem jeweils ersten Glied (hihi). Kurzes Nicken, dann zieht er sich Latexhandschuhe über. Beim zweiten Schnalzen öffne ich meinen Gürtel und schließe die Augen.

Urologen wird nie langweilig

Ein Urologe ist ein Mann, der einem Teenager erklärt, dass der eigene Penis normal ist – und der dem das auch glaubt. Bis er seinen ersten Porno gesehen hat. Bin schon lange kein Teenager mehr, das nur am Rande. Urologen, das sind außerdem Ärzte, denen nie langweilig wird. Da kannst du noch so viel Fantasie haben, es gibt immer jemanden, der kreativer ist: Patienten mit Wunderkerzen in der Harnröhre zum Beispiel oder Rosen – samt Stiel mit Dornen. Ohne konkretes Problem gehen eben wenige Männer zum Arzt. Erst recht nicht zum Urologen. Orte, an denen es eine Theke gibt, aber nichts zu trinken, sind ihnen suspekt. Wenn du dann auch noch selbst den Becher vollmachen sollst und dir jemand im Hinterzimmer die Glocken läutet, ohne dass du dabei seinen Kopf streicheln möchtest … Schwierig.

Will keiner der Männer sein, die sich mehr um ihr Auto kümmern als um die eigene Gesundheit. Ist hier für mich so etwas wie die kleine Inspektion, also hoffentlich keine große Sache. Einmal die Ölwanne auf Rost abklopfen, Einspritzpumpe überprüfen, Kolbenfresser ausschließen und dann eine Plakette für die nächsten drei, vier Jahre kriegen.

Was muss, das muss

Stehe plötzlich da wie Cristiano Ronaldo vor einem Freistoß – breitbeinig und als hinge mein Hemd, das ich gerade trage, noch auf einem Kleiderbügel. Jetzt weiter stillhalten, nur nicht bewegen, sonst reißt was. Kopf nach oben. Unten geht es zu wie in der Obst- und Gemüseabteilung. Die fremde Hand wiegt meine Kiwi und drückt manche Stellen. Reif oder matschig? "Alles okay?", fragt der Doc. "Romantische Musik wäre schön", antworte ich. Humor hilft, die Schwellkörper zu entspannen. Die im Kopf, meine ich. Steif halte ich nur die Ohren.

Schon vorbei. "Beim nächsten Mal ist die Prostata dran", sagt er und streckt drohend einen Zeigefinger in die Luft. Schluck: Untersuchung in der Startblock-Position! Betonung auf "Po". Aber auch das werde ich wie ein echter Kerl erledigen. Vermutlich nur nicht mit meiner bisherigen Taktik, was unangenehme Arztbesuche angeht: Arschbacken zusammen und durch.

Barbara

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