Blind Date: "Ich habe mehr als 100 Frauen getroffen"

Dieser Mann gibt nicht auf: Jörg ter Veer hat über seine sehr turbulente Partnersuche ein Buch geschrieben. Wir haben ihn nicht nur zum Thema "Blind Date" interviewt.

von Tina Epking (Interview)

Jörg ter Veer suchte nach seiner Scheidung mit Mitte 40 eine neue Partnerin. Er hat dafür einiges ausprobiert und mehr als 100 Blind Dates gehabt. Wir haben im Interview mit ihm über die besten Dating-Tipps, Ü-30-Partys und Dildos gesprochen.

Barbara.de: Wie kam es zu deinem Buch?

Jörg ter Veer: Nach meiner Scheidung sollte mein Leben wieder schön werden, auch was die Liebe angeht. Ich habe dann in einer hohen Schlagzahl Online-Dating betrieben – und das entwickelte sich ziemlich turbulent. Irgendwann dachte ich dann, ich schreibe das mal auf. 

Du hast aber nicht direkt online gedatet?

Nein, ich habe verschiedene Sachen ausprobiert. Mein erster Versuch fand auf einer Ü30-Party statt. Ich hatte mir das locker und entspannt vorgestellt, aber es fühlte sich fremd und fürchterlich an. Zumal mir direkt am Eingang eine Nachbarin mit ihrer paarungswilligen Schwester über den Weg lief. Es war wirklich das Gegenteil von einem entspannten Samstagabend. Ich bin dann relativ früh wieder nach Hause gefahren.

"Der Sprung ins kalte Wasser gehört beim Blind Date dazu"

Glaubst du, dass es schwieriger ist ab einem gewissen Alter einen neuen Partner zu finden?

Nein, das würde ich so pauschal nicht sagen. Man hat einerseits natürlich mehr Erfahrung und weiß eher, was man will und was man nicht will. Andererseits muss man natürlich Mut aufbringen, sich mit neuen Situationen auseinanderzusetzen, da gehört auch der Sprung ins kalte Wasser dazu. Man muss lernen, auch mal Rückschläge einzustecken, Resilienz aufbauen.

Du bist oft ins kalte Wasser gesprungen. Wie viele Dates hattest du insgesamt?

Ich habe sie nicht genau gezählt, weil das Ganze ja viel kurzfristiger angelegt sein sollte, aber ich hatte insgesamt bestimmt mehr als 100 Blind Dates.

Was hast du dabei gelernt?

Am besten vor dem ersten Date einmal telefonieren und nicht ewig E-Mails schreiben. Ich glaube, man muss das Online-Dating möglichst schnell ins richtige Leben transferieren. Sonst geht das Kopfkino los und man stellt sich Sachen vor, die Quatsch sind. Das erste Date sollte ein kurzes Treffen sein, kein langes opulentes Abendessen – sonst kommt man nachher nicht mehr weg. Ich konnte immer sehr schnell aus dem Bauch heraus sagen, ob die Frau für mich infrage kommt. Über 90 Prozent der Damen waren wirklich nette Menschen, viele Kontakte waren vielversprechend, berührend, manche erzählten mir auch erschütternde Geschichten. Ich mochte einige von ihnen, aber um sich zu verlieben, gehört eben noch mehr dazu. 

"Ich habe 40 Dates gebraucht, um meine erste Freundin zu treffen"

Aber du hast dich nicht entmutigen lassen. 

Nach den ersten drei Monaten war ich schon etwas ausgelaugt, nachdem meine Wunschkandidatin nicht wollte. Da musste ich mal durchatmen. Ich habe allein etwa 40 Dates gebraucht, um meine erste Freundin zu finden.

Du hast jetzt die dritte Beziehung nach deinem Dating-Marathon, die seit vier Jahren hält...

Ja, das kam zustande, weil wir uns zweimal getroffen haben. Wir haben uns schon mal ein paar Jahre vorher im Rahmen der Partnersuche verabredet, aber damals war es wohl der falsche Zeitpunkt. Sie wollte nicht, ich war nicht sicher. Jahre später hat sie mich noch mal in einem anderen Portal entdeckt und mir noch mal geschrieben, ohne zu wissen, dass sie mich eigentlich schon kennt. Und dann haben wir festgestellt, dass wir die Richtigen füreinander sind.

"Das erste Blind Date war schlimm"

Bis du die Richtige gefunden hast, hat es ein bisschen gedauert. Was war das schlimmste Date, das du hattest?

Mein erstes Blind Date. Das war ganz schlimm, ich nenne die Frau mittlerweile die "Dildo-Bikerin". Sie fuhr auch Rad – wie ich – das fand ich toll. Sie hat mir allerdings in der dritten Mail schon geschrieben, dass sie auf einer Dildo-Party war. Ich fand es erstmal nur skurril, dass sie mir soetwas schreibt, obwohl sie mich gar nicht kennt, aber ich wollte das nicht bewerten. Allerdings hätte ich schon vorher wissen können, dass sie nichts für mich ist, wenn wir einmal telefoniert hätten. Ihre sehr heisere Raucherstimme verfiel nach jeder zweiten Bemerkung in übertriebenes Gelächter und mündete dann in einem rasselndem Raucherhusten. Das war fürchterlich. Und ihr Foto hatte Jugendlichkeit und Esprit vermuten lassen, aber sie war in Wirklichkeit bieder und hat mir langatmig ihren ganzen Lebenslauf erzählt. Danach hatte ich noch ein paar Blind Dates, bei denen ich den Kopf geschüttelt habe, aber das erste Date war mit Abstand das Schlimmste. Eigentlich hätte ich danach aufhören müssen, habe ich aber nicht.

Wärst du plötzlich Single: Würdest du wieder so exzessiv Online-Dating machen?

Ja, ich würde mich wieder bei einer Singlebörse anmelden. Ich finde man sollte für ein Happy End in der Liebe wirklich alles in die Waagschale werfen. 

Jörg ter Veer ist 1963 in Düsseldorf geboren und lebt in Heidelberg. Die Partnersuche war für den zweifachen Vater am Anfang zwischen Job, Haushalt und Kind ziemlich kompliziert, mittlerweile ist er Profi – und lebt seit vier Jahren in einer Beziehung. Seine Freundin lernte er beim Online-Dating kennen. 2017 erschien sein Buch "How to survive Scheidung".

"Wir sollten uns kennenlernen! Eine zu 99% wahre Geschichte über meine atemberaubende Partnersuche nach der Scheidung" kostet 12,99 Euro und ist 2018 im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag erschienen. 




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