"Die Sache mit der Selbstliebe fällt mir zur Zeit schwer." - Warum mir Bloggerin Anna Frost aus der Seele spricht!

Mehr Body Positivity, mehr Selbstliebe, mehr Achtsamkeit. Aber was ist, wenn man sich nach der Geburt eines Kindes einfach nicht mehr ausstehen kann? Darf man das noch sagen? Bloggerin Anna Frost macht es und spricht unserer Autorin aus der Seele.

Ich liebe meine Kinder. Das einmal vorweg. Dass sich mein Körper nach zwei Schwangerschaften und mit Mitte 30 nicht mehr an meinem 26-Jährigen Ich messen kann, liebe ich hingegen nicht. Vielmehr finde ich das zum Kotzen. Dabei bin ich eigentlich ganz zufrieden mit mir und stecke an den meisten Tagen gerne in meiner Haut. Aber es gibt sie eben auch, die Momente, in denen ich in den Spiegel schaue und es einfach nur furchtbar unfair finde, was von meinen vormals straffen Brüsten und dem festen Bauch noch übrig ist. Und dann dreht es sich überall um Body Positivity: Mal ehrlich, ich kann gerade kein Loblied auf meine Dellen und Rollen singen, geschweige denn meine eigene Unförmigkiet beweihräuchern. Und ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, nicht neidisch auf die Frauen mit perfektem Körper zu sein.

Der Anspruch, sich selbst mögen zu müssen

Und dann fühle ich mich deswegen noch schlechter. Sorry liebe Cellulite, ich versuche es wirklich, aber ich liebe dich einfach nicht. Und klar weiß ich, dass ich von Medien und Hochglanzbildern beeinflusst bin, ganz offenbar ein Selbstwertdefizit vorliegt und ich grundsätzlich stolz auf die Leistung meines Körpers sein kann. Reell fällt es mir nicht so leicht, zu akzeptieren, dass mein Körper wohl keine Metamorphose zum Schmetterling mehr durchlaufen und meine ehemals wohlgeformten Brüste wieder zum Vorschein kommen. Ganz ehrlich, plastische Chirurgie war für mich noch nie so attraktiv wie heute. 

Dabei geht es nicht mal darum, was andere denken könnten, sondern vielmehr darum, wieder ich zu sein. Und ich finde, das darf ich auch. Ob ich mich dafür tatsächlich unters Messer legen würde, steht auf einem ganz anderen Blatt. 

Heute finde ich mich richtig gut! Naja, halbwegs. 

Natürlich finde ich das toll, diese ganzen starken, wunderbaren Frauen zu sehen, die sich und ihre Körper in allen erdenklichen Formen feiern. Das soll genau so sein. Aber ich wette, auch die sind nicht morgens aufgewacht und haben beim Blick in den Spiegel gedacht: Boah, ab heute finde ich mich richtig geil! 

Dass das ein Prozess ist, an dessen Ende man sich hoffentlich genau so akzeptiert, wie man ist, wird schnell vergessen. Gerade nach einer Geburt ist alles aus den Fugen, alles neu und anders und ungewohnt. Und Sprüche wie: "So ist das eben nach einer Geburt, dafür hast du ein gesundes Baby" helfen auch nicht weiter. Im Gegenteil, dann fühlt man sich noch schlechter, weil man es gewagt hat an der Wundermaschinerie Körper etwas ätzend zu finden. Sorry, aber Body Positivity konnte mich im Wochenbett echt mal kreuzweise. 

Es gibt einfach Zeiten, da findet man sich doof und es gibt solche, in denen wir uns selbst ganz gut zu finden. Selbstliebe hin oder her. Und dann darf man  auch mal sagen: Nein, ich finde meinen Afterbaby-body gerade überhaupt nicht schön und behalten will ich den erst recht nicht. Hoffen wir einfach, dass die Zeit Wunder wirkt. 

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Selbstliebe. Die Sache mit der Selbstliebe fällt mir zur Zeit schwer. Ich bin da knallhart ehrlich. Vielleicht zu knallhart und sollte es eigentlich nicht sein, so mit mir selbst. Mir Zeit geben. Zur Zeit jedoch fällt es mir sehr schwer, mich so gut zu finden, wie ich aktuell bin. Also meinen Körper, mein Spiegelbild und die Körperform, die ich zur Zeit habe. „Zur Zeit“, damit ist jetzt gemeint. Jetzt nach der Schwangerschaft. Ich weiß, dass ich ok bin. Irgendwie weiß ich das. Aber ich fühle es nicht. Ich stehe vor dem Spiegel, sehe mich an und erkenne mich nicht. Ich habe andere Erwartungen. Ein anderes Bild von mir im Kopf. Da ist die Stimme ganz hinten in meinem Kopf. Die Stimme, die rational denkt, die logisch ist und die weiß, dass ich Zeit brauche. Mich nicht stressen soll... Klar. Diese Stimme hat recht und ich sollte auf sie hören. Mache ich auch oft. Aber aktuell findet diese Stimme kaum Gehör. Das Bild hier war so nicht geplant, zeigt mich aber in dem Moment in dem mir erneut klar wird, dass das Spiegelbild echt ist. Ich wollte nur mal eben ein Foto für das aktuelle Blogposting. Und als Jakob mir das Foto zur Kontrolle des Bildausschnittes auf dem Display der Kamera zeigt, fließen plötzlich die Tränen. Unaufhaltsam. Der Körper, der zwei wunderbare Kinder geschaffen hat, ist nicht mehr mein Körper. Das ist irgendwer anders. Irgendwer hat diesen Körper kaputt gemacht und ich muss nun zusehen, wie Wunden innen und außen heilen; ich weiß nur noch nicht wie … #Selflove #beingamom

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Body Positivity - I don't feel you!

In Zeiten, wo sich Frauen  im Netz groß für ein neues Körperbewusstsein stark machen und ganz viel Selbstliebe propagieren, meldet sich Bloggerin Anna Frost zu Wort. Nach der Geburt ihres Sohnes, fällt auch ihr die Sache mit der Selbstliebe nicht ganz leicht. 

Ich weiß, dass ich ok bin. Irgendwie weiß ich das. Aber ich fühle es nicht. Ich stehe vor dem Spiegel, sehe mich an und erkenne mich nicht.

Zur Zeit fällt es ihr sehr schwer, sich so gut zu finden, wie sie aktuell ist. Also ihren Körper, ihr Spiegelbild und die Körperform, die sie zur Zeit habe, schreibt sie auf Instagram und trifft damit offenbar einen Nerv bei vielen Mütterm, die in den Kommentaren ähnliche Erfahrungen teilen. 

Das ist eigentlich die beschissenste Situation: Du weißt, dass alles ok ist. Aber du hast dennoch andere Erwartungen an dich selbst, denen du einfach nicht gerecht werden kannst.

Es ist auch eine komplizierte Geschichte mit der Liebe für uns selbst. Warum? Weil wir an uns viel höhere Maßstäbe anlegen, als an andere. Die unterstützen wir gerne mit lieben Worten, stärken sie und versuchen Selbstzweifel zu zerstreuen. Selbstliebe muss aber nun mal aus uns selbst heraus entstehen, sie muss wachsen können und ist womöglich nicht von heute auf morgen da.

Selbstliebe. Liebe für sich selbst. Ja, das ist es, wonach ich mich derzeit am meisten sehne und mir, je mehr ich darüber nachdenke, immer alberner vorkomme… Ja, sogar scheinheilig, denn sage ich eben noch meiner Tochter, dass sie wundervoll und schön ist, ganz genau so wie sie ist, kann ich das zu mir nicht sagen. Warum nicht? Ich weiss es nicht. Noch nicht.

Wer mehr von Anna lesen möchte, der schaut am besten einmal auf ihrem Blog fafine.de vorbei 

Wer hier schreibt:

Linda Berger
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