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Bridezillas Ein Hochzeitsplaner packt aus

Bridezillas: Ein Brautpaar wird vor einer Kirche mit Reis beworfen
© IVASHstudio / Shutterstock
Viele Bräute haben eine klare Vorstellung von ihrem großen Tag, manche mutieren dabei zu Bridezillas. Hier packt ein Hochzeitsplaner aus – unter dem Schleier der Anonymität.

Eins plus eins gleich eins

"Schlicht, figurbetont, hoher Schlitz, tiefer Ausschnitt – so die Wunschvorstellung. Das Problem der Braut: Ihr Traumkleid sollte unbedingt von einer ganz speziellen Designerin sein, deren Preise zwischen 6000 und 30 000 Euro liegen. Aber von der gab es so einen Schnitt nicht. In 17 Brautmodenläden trieb meine Kundin die Verkäuferinnen in den Wahnsinn, was sie auch anschleppten, alles fand sie scheiße. Nach drei Terminen klinkte ich mich aus, versuchte ihr klarzumachen, dass es stressfreier wäre, sich das Traumkleid anfertigen zu lassen. Aber sie hatte eine andere Lösung: Sie kaufte ein Kleid von der Luxusdesignerin und ein Kleid von einer anderen Marke, das vom Schnitt her mehr ihren Vorstellungen entsprach. Daraus ließ sie sich dann ein Kleid schneidern – in dem auch das Etikett der Designerin landete."

Donnerwetter!

"Bei Gartenhochzeiten braucht man immer einen Plan B, denn aufs Wetter ist kein Verlass. Eine Kundin wollte jedoch unter allen Umständen im Freien heiraten. Die Wetterprognose: Regen plus Orkanwarnung. War ihr egal – ich möge halt ein Festzelt organisieren. Die Zeltbauer fragten mich, ob ich verrückt sei, von keinem bekam ich eine Zusage. Es gab vor Ort sogar ein Gebäude mit einem zauberhaften Saal – keine Option für die Braut. An ihrem großen Tag schüttete es dann wie aus Eimern, der Wind peitschte durch den Garten. Die Braut saß im Obergeschoss der Location und wollte nur runterkommen, wenn sie im Garten heiraten könne. Wir zogen alle Register, stellten ein Kerzenmeer auf, rollten einen Teppich aus, über den sie schreiten könnte. Ich machte Handyfotos von der Szenerie, ging zu ihr, schenkte ihr einen Sekt ein und stimmte sie um. Mit einer Stunde Verspätung gab sie ihrem Partner das Jawort. Durch riesige Glasfronten sah die Hochzeitsgesellschaft dabei hinaus ins Unwetter."

Die Freundin macht das …

"Eine Braut sagte kurz vor ihrer Hochzeit dem gebuchten Make-up Artist ab, weil sie sich doch lieber von ihrer Freundin schminken lassen wollte, obwohl diese null Erfahrung in dem Bereich hatte. Davon rate ich grundsätzlich ab. An so einem wichtigen Tag sollten Profis ans Werk, die die Persönlichkeit der Frau unterstreichen und sie nicht zukleistern. Bei ihr redete ich gegen eine Wand. Und das Resultat machte aus großer Entfernung Eindruck: Als sie aus dem Auto ausstieg, sah ich hellblau glitzernden Lidschatten, knallig-pinkfarbenen Lippenstift, dicke Rougebalken. Olivia Jones hätte blass neben ihr ausgesehen. Und es passte überhaupt nicht zu ihrer Persönlichkeit."

Sattes Konzept

"Sieben Gänge sind für ein Hochzeitsmenü zu viel, dann sind die Gäste den ganzen Abend nur mit Essen beschäftigt. Doch eine Braut wollte genau das, es sollte richtig dick aufgetischt werden. Ich konnte sie auf fünf Gänge runterhandeln. Meinetwegen hätten es noch ein, zwei weniger sein können, es sollte ja auch gefeiert werden. Meist bin ich bis Mitternacht gebucht. Als ich um kurz nach zwölf Feierabend machte, war diese Gesellschaft noch lange nicht beim Dessert angekommen."

So eine Pleite

"Für eine Hochzeit hatte ich 25 000 Euro zur Verfügung. Kein Problem für mich, trotz extravaganter Dekovorstellungen der Braut: tropische Pflanzen, die vom anderen Ende der Welt eingeflogen werden sollten. Dann der Hammer: Nach einem Termin beim Dekorateur gestand sie mir, dass sie gar nicht so viel Geld habe. Dafür aber einen Plan, den sie mir voller Stolz präsentierte: Ich solle alles so buchen wie besprochen – sie würde sich im Anschluss bei allen Dienstleistern über deren schlechte Leistung beschweren, um das Ganze gratis oder mit einem saftigen Rabatt zu bekommen. Das ist Betrug! Ich stoppte die Zusammenarbeit, da wurde sie richtig wütend und behauptete, ich würde sie im Stich lassen. Horrorbraut."

Seit vielen jahren unterstützt er schon Brautpaare. Die meisten sind – auch seinetwegen – total entspannt.

Barbara

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