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Chaos im Kopf Das passiert in deinem Gehirn nach einer Trennung

Filz-Herz mit Sicherheitsnadel
© Ana Maria Serrano / Getty Images
Liebeskummer ist wie kalter Entzug, erklärt der Psychologe Guy Winch in seinem TED-Talk 2017. Kein Wunder also, dass es sich so schlimm anfühlt, wie es sich eben anfühlt. Aber was genau passiert da eigentlich mit uns? Alles nur Chemie in unserem Kopf?

Trennungen sind nach dem Tod die traumatischsten Erfahrungen, die wir im Leben durchmachen müssen. Der Verlust eines Menschen, an den nicht nur Liebe und Erinnerungen geknüpft sind, sondern auch gemeinsame Träume und Zukunftspläne. Es fühlt sich an, wie ein riesiger schwarzer, trauriger Kloß im Bauch, der nie weggehen wird. Mit einem Mal wird alles auf Null gesetzt. Und es tut weh. Liebeskummer zerreißt uns, wie wir so schön sagen, weil es sich genauso anfühlt und tatsächlich auch so ist. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass innerhalb langjähriger Partnerschaften verbundene Erinnerungen entstehen, die ein gemeinsames System bilden und das nun auseinandergerissen wird.

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Liebeskummer und die Suche nach dem Methadon

Wenn der Psychologe Guy Winch sagt, dass sich das Ende einer Beziehung anfühle, als würde man uns von einer Sekunde auf die andere unsere Drogen wegnehmen, bedeutet das genau das: Es ist zum Kotzen und wir haben die Wahl zwischen kaltem Entzug oder einer Ersatzdroge wie Methadon, um die Entzugserscheinungen zu lindern – im übertragenen Sinn natürlich nur. Biochemisch laufen dabei tatsächlich ähnliche Prozesse ab, als müssten wir auf Heroin verzichten. Das wiederum liegt daran, dass das sich Verlieben ein emotionaler Prozess ist, der ebenso wie das Entlieben, für Chaos im chemischen Gleichgewicht unseres Kopfes sorgt. Sich in jemanden zu verlieben ist ein emotionaler Prozess, der Hirnareale für Verbundenheit und das Verlangen, mit dieser Person zusammen zu sein, aktiviert. Gleiches geschieht bei einer Trennung. Hierbei handelt es sich interessanterweise sogar um die gleichen Bereiche, die auch mit körperlichem Schmerz in Verbindung stehen – "Es tut so weh" ist daher nicht nur metaphorisch gemeint.

Geboren, um Bindungen einzugehen

Wir sind darauf programmiert, Bindungen einzugehen, sobald wir das Licht der Welt erblicken. Andernfalls sterben wir als Babys. Aber auch in den folgenden Jahren geht es immer wieder um Nähe, Distanz und Bindung. Werden die Verbindungen dann jedoch zerstört, fühlen wir uns einsam, allein und im Stich gelassen. Unser Körper reagiert auf diesen Schmerz, indem er Stresshormone ausschüttet, die uns auf den Magen schlagen, Apetitlosigkeit und  innere Unruhe auslösen, also im Grunde die gleichen Symptome, als wenn wir uns verlieben nur umgekehrt. Die neuronalen Reaktionen auf romantische Leidenschaft sind in beiden Fällen gleich. Stress pur. 

Wie uns unser Gehirn ein Schnippchen schlägt

Das Kuriose: Während der Beziehung neigen wir eher nicht dazu, unsere*n Partner*in zu idealisieren. Doch nach der Trennung heben wir sie oder ihn sehr gern auf einen Sockel, auf dem man sich makellos präsentieren kann. Dabei liegt das einzig und allein am Belohnungssystem unseres Hirns, das auf seine Drogen wartet. Unsere Ersatzdrogen sind die vielen tollen Erinnerungen an vergangene gemeinsame Tage. Deshalb fangen die meisten auch automatisch an, online zu stalken, idiotische Abschiedsnachrichten zu schreiben oder den/ die Ex verzweifelt anzuflehen, man möge es doch nochmal mit uns versuchen. Und rückblickend ist es das, wofür wir uns dann wirklich schämen, dabei ist nur das chemische Chaos in unserem Kopf Schuld daran, dass wir uns wahlweise noch Schmerz zufügen oder uns zum Affen machen. Ertappt? You are not alone.

Das Gute kommt zum Schluss!

Ist man gerade mitten drin, tut es so sehr weh, dass man denkt, es geht niemals vorbei. Vielleicht dauert es sogar ein paar Monate. ABER: Dieser Schmerz ist Teil des Heilungsprozesses! Verschiedene Hirnscans von Menschen mit Liebeskummer zeigen, dass dieser mit einem aktiven präfrontalen Kortex einhergeht, dem Hirn-Areal also, das mit Persönlichkeit, Entscheidungen und dem Planen von komplexem, kognitiven Verhalten in Zusammenhang steht. Und das wiederum bedeutet, dass wir durch Liebeskummer wachsen und sich unsere Persönlichkeit weiterentwickelt. Ohne das wir es merken, arbeiten die Chemikalien im Kopf schon daran, unser Verhalten zu ändern und all die überbordenden Emotionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Also: Weine und trauere so lange du es brauchst, aber vertrau darauf, dass am Ende alles wieder gut wird!


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