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Cinderella-Komplex Darum solltest du deine Tochter nicht zur Prinzessin machen

Krone mit Schmetterlingen
© Image Source / Getty Images
Wir lieben Märchen. Dass die für uns und unsere Töchter aber auch ein böses Ende nehmen können, beschreibt der Cinderella-Komplex. 

Uns allen hat man jahrelang Märchen erzählt. Märchen, in denen der einzige Existenzgrund der Prinzessin der ist, auf den Prinzen zu warten, der sie aus ihrer misslichen Lage errettet und in ein schönes, glückliches Leben führt. Nur leider kann es passieren, dass wir uns solche Geschichten zu sehr zu Herzen nehmen und den sogenannten Cinderella-Komplex entwickeln oder es bereits haben.

Cinderella Komplex: Das verbirgt sich dahinter

Der Cinderella-Komplex entsteht in der Kindheit und kann, wie alles, was uns in den frühen Jahren geprägt hat, unsere späteren Beziehungen und sozialen Bindungen beeinflussen. Bereits 1981 hatte Colette Dowling den Cinderella-Komplex erforscht und die Ergebnisse in ihrem Buch Der Cinderella-Komplex: Die heimliche Angst der Frauen vor der Unabhängigkeit zusammengetragen. Sie beschreibt darin den unbewussten Wunsch von Frauen, sich zu jeder Zeit beschützt und geborgen fühlen zu wollen. Damit dieses Bedürfnis erfüllt wird, stellt sie alle anderen Wünsche und Bedürfnisse hinten an. Die Wurzel dieses Verhaltens sieht Dowling in der Erziehung sowie durch sozialen bzw. religiösen Druck. Hinter diesem Syndrom verberge sich die Angst vor Unabhängigkeit. Und genau auf dieses Konto zahlen natürlich Prinzessinnen als Rolemodels ein, denn sie vermitteln ein Frauenbild, dass unseren Töchtern schaden kann, nämlich, dass wir Frauen nur auf den Prinzen in glänzender Rüstung warten sollten, der die Rosenhecke niederreißt, uns aus dem ewigen Schlaf (im übertragenen Sinn) küsst und die Welt zu Füßen legt. Nur läuft das ja bekanntermaßen im echten Leben nicht nach diesen Spielregeln.

Liebreizend – so will heute doch niemand mehr sein!

Dem Märchen nach soll eine Frau unschuldig, schön und unterwürfig, gleichzeitig natürlich auch abhängig von ihrem Ehemann oder ihrem “Prinzen” sein. Was uns Dowling zufolge durch Märchen vermittelt wird, ist, dass eine Frau ihren Lebensweg nur ändern kann, wenn sie eine Beziehung mit einem Mann eingeht. Andernfalls wird sie auf ewig eine Sklavin oder Dienerin bleiben. Das hat sich natürlich geändert und wir Frauen sind schon viel weiter, als noch vor 200 oder selbst vor 20 Jahren. Wir haben Jobs, führen Beziehungen auf Augenhöhe, sind unabhängiger, stehen auf eigenen Beinen und eine Ehe bedeutet lange nicht mehr die Aufgabe jeglicher Persönlichkeitsrechte und den Übergang der Frau in den Besitz des Mannes. Dennoch gibt es noch ganz viel Luft nach oben wenn es darum geht, wirklich gleichwertig zu sein, Rollenbilder ad acta zu legen und alte Muster aufzubrechen.

Doch Abhängigkeiten gibt es viele

Doch unser Heute ist leider noch lange kein Schutz davor, wie Rapunzel im Turm zu sitzen. Abhängigkeiten in Partnerschaften sind keine Seltenheit. Nicht nur in vielen Kulturen und religiösen Gemeinschaften, auch hier bei uns im aufgeklärten Deutschland. Und manches tragen Partnerschaften auch einfach natürlicherweise in sich. Doch sobald es existentiell wird, kann es für beide erstickend sein und eine wahre Belastungsprobe für jede Beziehung werden. Natürlich wünscht sich jede von uns ab und an eine Umarmung, das Gefühl von Geborgenheit, aufmunternde Worte. Wenn man aber das Gefühl hat, der andere muss einen retten und das dauerhaft, sollte man dringend einmal einen Blick auf die eigenen Muster werfen und an sich arbeiten. Und das wird hart, ist aber sehr wichtig.

Niemand sollte ein unterwürfiges Mäuschen sein

Unglücklich, unterwürfig, frustriert, einsam und ängstlich – niemand möchte so leben. Der Weg heraus aus einer Abhängigkeit, vor allem aus emotionaler Abhängigkeit, ist langwierig, schwer und schmerzhaft. Nicht ohne Grund stürzen sich viele Menschen nach dem Ende einer Beziehung direkt in eine neue, weil sie die Verlassenheitsgefühle nicht ertragen können oder wollen. Nur beginnt da leider der Teufelskreis. Umso wichtiger ist es deshalb schon von Kindesbeinen an vorzubeugen und unsere Kinder an sich wachsen zu lassen, ihnen Selbstvertrauen zu schenken und ihren Selbstwert zu stärken.

Kinder schützen und die Prinzessin vom Thron schubsen

All das heißt natürlich nicht, dass deine Tochter nicht mehr im Elsa-Kostüm herumspringen darf oder ihr keine gemütlichen Filmabende mit Schneewittchen und Co verbringen sollt – ganz im Gegenteil: Guckt und sprecht darüber, warum das so wichtig ist, dass auch Prinzessinnen auf eigenen Beinen stehen können sollten. Dass ein gesundes Selbstbewusstsein und Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten der Schlüssel zum ganz persönlichen Glück sind. Umso schöner, dass es inzwischen sehr viele Märchen gibt, an deren Ende nicht der Prinz steht und seine Holde auf das weiße Pferd hebt, sondern junge Frauen, die zu sich selbst gefunden haben. Und die Moral von der Geschichte: Sei dein eigener Prinz und bau dir dein eigenes Schloss. Dorthinein kannst du dir dann jemanden einladen, der dir ebenbürtig ist.

Falls du noch Inspiration suchst, was ihr statt Märchen noch lesen könnt, haben wir parat.


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