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Corona-Déjà-vu 5 Dinge, die wir aus der ersten Welle nicht gelernt haben

Corona-déjà-vu: Eine Frau schiebt einen Einkaufswagen voller Klopapier
© Marharyta Gangalo / Shutterstock
Vor drei Monaten hat man sie uns noch angekündigt, nun ist sie da: Die zweite Welle der Coronapandemie und mit ihr Lockdown Nummer zwei. Lägen nicht überall Blätter auf den Wegen – man könnte meinen, es wäre wieder März ...
Hanna Schürmann

Es ist fast schon ein bisschen beängstigend, wie gut manche Experten die Zukunft vorhersagen können: Im Sommer würde sich das Virus zurückziehen, im Herbst wird es allerdings eine zweite Welle an Infektionen geben – sofern wir nicht clever genug sind, sie zu verhindern. Das bekamen wir monatelang zu hören, wieder und wieder und aus allen möglichen Richtungen.

Offenbar waren wir nicht clever genug, denn nun ist die zweite Welle da und mit ihr der zweite Lockdown. Das allein wäre schon fast Grund genug, ab sofort nicht mehr an das Gute oder das Schlechte im Menschen zu glauben, sondern nur noch an das Dumme (und das kann ja sowohl gut als auch schlecht sein). Wir sind offensichtlich nicht dazu in der Lage, eine Katastrophe abzuwenden, selbst wenn uns gesagt wird, dass sie eintreten wird, sofern wir uns so und so verhalten. Wir verhalten uns trotzdem so und so (liebe Grüße an unser Klima und unsere Umwelt, übrigens). Wow!

Natürlich haben sich die meisten Menschen bemüht und seit Beginn der Pandemie umsichtig und rücksichtsvoll benommen. Und es ist mit Sicherheit alles andere als leicht, Familienmitglieder im Pflegeheim allein zu lassen oder Kindern das Spielen mit anderen zu verwehren, wenn die Lage nicht bedrohlich erscheint und es keine entsprechenden Verbote gibt. Aber einige haben es dann doch etwas übertrieben mit der Sorglosigkeit – deshalb konnten wir die zweite Welle nicht abwenden.

Das ist aber noch nicht alles. Wie es aussieht, haben wir aus Welle und Lockdown Nummer eins nicht einmal besonders viel gelernt. Von den Diskussionen, die man mit Freund*innen und Family führt, bis zu dem Verhalten, das man auf der Straße und in den Geschäften beobachtet: Es scheint fast so, als hätte jemand die Zeit zurückgedreht. Wenn da nicht die Schoko-Weihnachtsmänner in den Supermarktregalen wären ...

5 Dinge, die wir aus Corona nicht gelernt haben

1. Es ist genug Klopapier für alle da

Im Frühjahr war es ja fast noch witzig und psychologisch interessant, Tag für Tag vor leeren Klopapierregalen zu stehen. Dass aber zu Beginn der zweiten Welle nur ein paar Monate später gleich wieder das große Hamstern losgeht, hat schon etwas Unglaubliches und lässt doch den einen oder anderen Zweifel an der Definition des Menschen als "vernunftbegabtes Wesen" aufkommen. Sind die März-Vorräte tatsächlich schon aufgebraucht ...? 

2. Gemeinsam können wir den Schaden begrenzen

Wenn alle mitmachen würden, hätte man das Infektionsgeschehen schnell wieder im Griff, lange bevor die Lage bedrohlich wird. Da das aber offensichtlich nicht alle so sehen und ihre sozialen Kontakte nicht von sich aus auf ein Minimum beschränken mögen, sind Restaurants, Fitnessstudios, Kinos und Co. nun wieder dicht. Immerhin: Jetzt jammern wir alle gemeinsam.

3. Unsere Regierung beschränkt unsere Freiheit nicht aus Spaß oder Böswilligkeit

Nach dem ersten Lockdown haben wir gesehen: Die Maßnahmen unserer Regierung haben geholfen. Bei uns gab es keine Zustände wie in den USA, Italien oder Spanien. Und wir durften im Gegensatz zu Menschen in Italien oder Spanien immer vor die Tür und uns draußen – mit Abstand und möglichst allein – so frei bewegen, wie wir wollten. Unsere Regierung kann die Lage also nicht ganz schlecht gemanaget haben. Trotzdem wird nun wieder demonstriert, gepöbelt und überlegt, wie man die Regeln biegen oder unbemerkt brechen kann. Wobei das Erstaunlichste ist: Die Menschen, die am meisten unter dem erneuten Lockdown leiden (Gastro-Leute, Reise-Branche, Tätowierer ...) sind dabei schon wieder tendenziell die leisesten und gesittetsten.

4. Vorsicht ist besser als Nachsicht

So sehr den Restaurants, Bistros und Co. jeder Umsatz zu wünschen ist: Zuzuschauen, wie viele Leute das letzte Wochenende vor dem zweiten Lockdown noch mal "ausgenutzt" haben, war etwas überraschend. Theoretisch müssten wir alle wissen, dass wir mit derartigem Verhalten und dieser "machen, was geht"-Mentalität eine Besserung und einen Rückgang der Zahlen nur noch mehr hinauszögern. Unter Umständen wäre den Restaurants besser geholfen, wenn schon vor zwei Wochen mehr Leute häufiger Außer-Haus-Verkauf genutzt hätten. Wobei zugegebenermaßen Restaurantbesuche sicherlich nicht die zweite Welle ausgelöst haben – sondern die "machen, was geht"-Mentalität.

5. Mitmachen ist der einzige Weg

Letztendlich ist es egal, wie Einzelne zur Pandemie und den Corona-Regeln stehen – solange sie sich an letztere halten. Leute haben demonstriert und die Existenz des Virus geleugnet. Einen Versuch war es wert, aber leider ist es dadurch nicht verschwunden. Tatsächlich sind auch Corona-Leugner an der Krankheit gestorben (zum Beispiel der 33-jährige Fitness-Influencer Dmitriy Stuzhuk). Egal ob wir den Lockdown für sinnvoll halten oder nicht: Indem wir uns gegen die Regeln auflehnen, wird die Situation nicht besser. Dass dieser Tage trotzdem wieder Feiern mit bis zu 100 Gästen von der Polizei aufgelöst werden, ist Anlass zu vermuten, dass das auch jetzt noch nicht alle verstanden haben.

Da wir nun bereits in unseren zweiten Lockdown gehen, hätte man eigentlich vermuten wollen, dass er weniger schlimm wird als der erste und vielleicht auch nicht so lange dauert. Doch wenn sich wirklich – wie es zurzeit den Anschein hat – das weniger Vernünftige im Menschen durchsetzen wird, könnte die zweite Welle weitaus schlimmer werden als die erste. Denn dieses Mal hat kaum noch jemand Angst ...


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