Corona-Risikopatientin: "Ich bin gerührt von eurer Fürsorge!"

Sie ist über 65, leidet an Herzinsuffizienz und ist verheiratet mit einem Asthmatiker. Doch in diesen Tagen ist ihre Dankbarkeit noch viel größer als ihre Sorgen.

von Beatrix Körner

Ich bin Mama von vier erwachsenen Kindern und vier- bald fünffache Oma. Normalerweise bin also eher ich diejenige, die es gewohnt ist, sich um andere zu sorgen. Auch wenn mein Herz mich manchmal ganz schön aus der Puste kommen lässt, liebe ich es, mit meinen Enkelkindern zu toben, meinen Kindern mal im Haushalt unter die Arme zu greifen oder am Telefon mit ganz viel Optimismus Sorgen-Tränen zu trocknen. Ich fühl mich nicht krank oder schwach. Dass ich als über 60-jährige Herzpatientin jetzt trotzdem eines der Sorgenkinder der Nation bin, ist also ganz schön ungewohnt für mich. Und dass ich niemandem so richtig unter die Arme greifen kann in diesen Tagen, das finde ich fast unerträglich.

Familien haben es gerade wirklich schwer

Wenn meine Tochter mir vom derzeitigen Familienalltag berichtet, dann kann ich nur sagen: Hut ab. Sie selbst im Home Office, der Vater in einem systemrelevantem Beruf tätig und drei Kinder, die den ganzen Tag ohne Schule, Kita und Freunde klarkommen müssen. Wie sie das hinkriegen und welch kreative Ideen sie umsetzen, davon bin ich einfach nur begeistert. Sie strukturieren ihren Tag mit Schul- und Vorschularbeit, Bastelprogrammen, Sportstunden, Zeit draußen im Garten (das ist natürlich großer Luxus) und Hausarbeit, bei der alle mithelfen müssen. Es gibt keine Verabredungen, die sonst so selbstverständlich waren. Was das für die Nerven bedeutet, kann ich nur erahnen. Wie gerne würde ich meine Koffer packen und helfen... aber ich weiß, das wäre kontraproduktiv. Sie und all die anderen Familien nehmen diese Anstrengung auf sich, um Menschen wie mich zu schützen.

Das Leben fast aller steht auf dem Kopf

Als Rentnerin ist man schon irgendwie privilegiert in dieser Zeit. Uns brechen nicht so viele Säulen des Alltags weg. Dass alles langsamer läuft, dass man doch etwas mehr Zeit zuhause verbringt, das sind wir gewohnt. Auch als Paar haben die meisten von uns sich längst zusammengerauft, das Aufeinandersitzen ist bei uns kein Ausnahmezustand. Home Office ist für uns kein Thema und Kinder müssen wir auch nicht mehr bespaßen. Wir haben nicht die existenziellen Ängste eines Selbständigen und eine Osterreise ist einfach nachzuholen, irgendwann. Ganz ohne auf Ferienzeiten angewiesen zu sein. Umso dankbarer betrachte ich all die Menschen um uns herum, deren Alltag sich von heute auf morgen auf Links gekrempelt hat. Die allermeisten machen mit, obwohl es unendlich schwer sein muss, durchzuhalten. Ich weiß, ihr macht das eher nicht aus Angst um euch, sondern aus Liebe zu uns, den Risikopatienten (die im besten Fall nie Coronapatienten werden dank euch!).

Vielen Dank!

Deshalb noch einmal von ganzem Herzen: DANKE. Danke an meine Kinder und Schwiegerkinder, die als Eltern, als Pfleger, an der Kasse und als Polizisten so viel leisten in diesen Zeiten. Danke an alle, die zuhause bleiben, obwohl sie jung sind und da draußen der Frühling so schöne Abenteuer bereithalten könnte. Danke an die Menschen, die das System aufrecht erhalten und folgenschwere politische Entscheidungen treffen. Ich habe einen Heidenrespekt für euch alle und kann nur versprechen: Ganz bald sind WIR wieder für EUCH da. Weshalb ich mir da so sicher bin? Weil ich mich so gut beschützt fühle von eurer Solidarität!