Da ist er: der innere Teenie!

Bei Liedern von Bob Marley oder The Smiths werdet ihr ganz sentimental? Dreht ihr euch auch mit 42 noch automatisch nach Jungs mit längeren Haaren um? Wann kommt er hervor: der innere Teenie? 

von Paula Becker

In einem Essay schrieb Schriftstellerin Zadie Smith neulich darüber, wie schön es ist, wenn man durch ein Lied, eine Situation oder einen Gegenstand auf einmal wieder in seine Jugend versetzt wird. So stelle man fest, das Alter relativ sei und sich auch über 40 noch der innere Teenie in einem befindet.

Ist das wirklich so? Wir haben mal nachgefragt: Wann spürt ihr euren inneren Teenie?

Paula: 

Ich nehme auf jede Reise mein Stoff-Schwein namens Knorrige mit. Ich tue so als benötige ich es nur als sehr praktisches Flugzeugkissen – in Wahrheit habe ich einfach immer gern ein Stück Zuhause dabei. Außerdem stehle ich dank meines Geruchsfetisch gut durch getragene T-Shirts meiner aktuellen Lover um sie olfaktorisch auch in Abwesenheit um mich zu haben. Ja, sowas machen wahrscheinlich nur Teenager oder Hundewelpen. Und eben: Ich. 

Yasmin: 

Sobald ich Michael Patrick Kelly im Radio höre, bekomme ich Herzklopfen. Einfach stellvertretend für mein 12-Jähriges Ich, das fest geplant hatte, heute mit Paddy verheiratet zu sein. Manchmal quäle ich im Auto meine ganze Familie mit Kelly-Liedern von früher und gröle lauthals „Fell in love with an Alien“ mit. Mein Mann erträgt das wirklich tapfer. Dafür sage ich nichts, wenn er (zum Glück echt nur selten) mit Kopfhörern auf den Ohren und Energy-Drink in der Hand wie vor 20 Jahren vor dem PC sitzt und irgendwelche Ballerspiele zockt. Den inneren Teenie heiratet man eben mit.

Sandra:

Ich lese noch immer lieber Jugendbücher als Frauenromane. Irgendwie kann ich mich noch immer mehr mit diesem Teenie-Kopf-und-Herz-Chaos identifizieren als mit Mittdreißigern, die ihr Leben völlig auf den Kopf stellen. Das will ich nämlich gar nicht. Aber nochmal in der Zeit zu schwelgen, in der Entscheidungen in Liebesdingen nicht gleich einen Scheidungsanwalt und geteiltes Sorgerecht nach sich ziehen, das finde ich super.

Suse:

Ich mag Männer auf Skateboards, weil ich das vermutlich schon mit 14 gut fand. Genauso hab ich ein bisschen ein Faible für lange Haare, weil das alle 1993 hatten und ich mich daran erinnert fühle. Ansonsten: Bei Liedern von den Lemonheads, Bob Marley oder den Smiths werde ich immer sehr wehmütig, weil meine melancholische Teenie-Seele sich sofort zurückversetzt fühlt in die Zeit, als ich noch hoffnungslos in X, Y oder Z aus der 7 b verliebt war –  und keiner von den dreien in mich. 

Diana: 

Sobald ich einen Roller um die Ecke knattern höre, dreh ich mich um. Passiert völlig automatisch, wie ein Reflex. Die coolsten Kids aus meiner Schule hatten alle einen Roller. Und ich durfte keinen haben. Natürlich wollte jeder mit ihnen befreundet sein. Anscheinend ist die Hoffnung geblieben, das einer von ihnen um die Ecke kommt und sich der Tag noch so aufregend gestaltet, wie man ihn sich nur als Teenager ausmalen konnte. 

Wer hier schreibt:

Paula Becker
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