Das Spargel-Erdbeer-Prinzip – Warum es sich leichter lebt, wenn man sich selten macht

Was macht Spargel und Erdbeeren so besonders? Ganz einfach: Dass es sie nur selten gibt. Dass sie für etwas stehen. Und dass sie es einem nicht immer einfach machen. 

von Miriam Kühnel

Da denkt man jahrelang, der Mensch sei besonders klug, denkt dann mal genauer über Spargel und Erbeeren nach und merkt: Die sind viel klüger! Die werden heißgeliebt, monatelang ersehnt und führen die Toplisten der Lieblingsspeisen an... und all das, obwohl (oder weil?) sie es einem echt nicht immer leicht machen... Grund genug für uns, unser Lebenskonzept zu überdenken. Unser Tip: Vergiss die Spargel-Diät und den Erdbeer-Protein-Shake. Wirklich voran bringt uns ein ganzes Leben nach dem Erdbeer-Spargel-Prinzip. Und das geht so:

1. Einfach mal nicht zur Verfügung stehen

Würde die Welt sich so für Spargel interessieren, wenn er immer verfügbar wäre? Ganz sicher nicht. Frischen Spargel und süße Erdbeeren gibt es einfach nicht im Überfluss. Das gleiche klappt auch mit Menschen. Wenn du nicht immer für alle zur Verfügung stehst, hat das sogar einen doppelt guten Effekt: Erstens freut man sich umso mehr, wenn du da bist und zweitens bist du viel weniger gestresst, wenn du dich nicht verpflichtet fühlst, auf jeder Hochzeit zu tanzen und zu jeder Bitte ja zu sagen. Das macht dich wiederum zu einer viel liebenswerteren Begleitung. Wenn bloß alles so einfach wäre...

2. Du kannst nicht jeden happy machen. Du bist nicht Nutella

Gut, Erdbeeren sind schon irgendwie Everybodys Darling, aber Spargel ist da schon ganz anders drauf. Weil er so besonders schmeckt, ist er auch nicht jedermanns Fall. Tut seinem Ruhm keinen Abbruch. Im Gegenteil. Was wir daraus lernen können? Wer besonders sein will, muss eben einfach damit leben, dass nicht alle glücklich darüber sind wie man sich gibt, kleidet, verhält und wie man die Welt sieht. Das ist dann eben einfach der Preis , den man dafür zahlt, nicht immer nur Durchschnitt zu sein und ein Fähnchen im Wind.

3. Keine Eitelkeiten. Du bist dir für nichts zu schade

Spargel und Erdbeeren könnten durchaus Allüren haben und sich für zu gut halten für Marmelade, Auflauf und Co. Ist aber nicht so. Sie machen jeden Mist mit. Und genau das macht sie so sympathisch! Könnten sich manche Diven mal ein Scheibchen von abschneiden. Diva sein ist nämlich gar nicht schlimm, wenn man sich nicht für besser hält als der gemeine Pöbel.

4. Einfach mal überraschend doof sein

Holziger Spargel und saure Erdbeeren? Kennen wir alle. Und siehe da: Wir lieben sie trotzdem. Also ruhig mal ne Runde holzig oder sauer sein. Das ist authentischer als es aalglatte Sunny-Menschen mit immer guter Laune und perfektem Umgangston es jemals sein könnten. Und die Welt wird es verzeihen, wenn wir danach einfach wieder so wunderbar sind wie sonst immer.

5. Unbequem sein? Aber sicher!

Muss man für die Welt immer besonders einfach sein? Offensichtlich nicht. Spargel zum Beispiel, den hätte jeder Marketingmanager sofort von der Agenda genommen. Teuer und dann auch noch mit Arbeit verbunden. Ürx. Oder die Erdbeere. Wer einmal selbst gepflückt hat, weiß, was ich meine, wenn ich sage, dass das Ernten des rotsüßen Golds ne ganz schöne Tortur sein kann. Nichtsdestotrotz bleiben Spargel und Erdbeere die kulinarischen Heroes des Frühlings. Weil Beliebtheit nichts mit Bequemlichkeit zu tun hat. Also ruhig mal querschießen, anstatt sich wie Fallobst anzubiedern.