Daten über 35: Flirten mit dem Panik-P

Stephanie ist Single und hat gemerkt, dass es ab einem bestimmten Alter gar nicht mehr so einfach ist zu flirten. Das hat vor allem mit Vorurteilen zu tun.  

von Tina Epking (Protokoll)

Sie ist 36 und Single. Eigentlich gibt es keinen Grund zur Panik. Trotzdem machen manche ein echtes Problem aus ihrer Situation. Hier erzählt Stephanie, warum es ab Mitte 30 tatsächlich schwieriger wird mit dem Flirten – und warum sie sich deswegen nicht mehr verrückt lassen machen möchte. 

"Nach der Trennung von meinem Ex nach zehn Jahren Beziehung dachte ich sofort: Da kommt nichts mehr, ich werde nie Kinder haben. Das habe ich ihm auch genauso vorgeworfen, als wir uns getrennt hatten. Ich war schon panisch, ich dachte, ich habe meine Chance vertan. 

Deswegen wollte ich natürlich unbedingt sofort wieder jemanden kennenlernen, weil ich mich daran gewöhnt hatte, immer zu zweit zu sein, Entscheidungen zu zweit zu treffen und nicht allein das Leben meistern zu müssen. Deswegen habe ich mich bei einer Online-Dating-Plattform angemeldet. Meine Mama meinte aber zu mir, als ich mal wieder heulend über mein Schicksal philosophierte: "Du strahlst überhaupt nicht aus, dass du mit dir im Reinen bist. Männer riechen das. Die wissen, dass sie sich auf dich gerade nicht einlassen sollen."

"Alle denken, ich will sofort ein Kind"

Ich habe trotzdem  viel geflirtet und mit Anfang 30 war das auch für die Männer okay. Ich hab meistens sogar jüngere Männer kennengelernt, was mich sehr wunderte, weil die ja noch eher kapieren müssten, dass meine Uhr tickt. Dabei war ihnen das egal, die wollten ja nichts Ernstes – und ich erst mal auch nicht.  

Ich denke aber, dass man nach einer Trennung nach so langer Zeit erst mal nicht die richtigen Antennen hat beziehungsweise Männer genau die Antennen haben, dass sie sich mit mir besser nicht einlassen sollten. Schwieriger geworden ist es aber erst seitdem ich Mitte 30 bin. Weil alle denken, ich will sofort ein Kind. 

"Besonders hart wird es, wenn ich mit meiner Familie zusammen bin"

Ich liebe Kinder, freue mich immer, wenn ich meine Freundinnen besuche, die Kinder haben und mit ihnen spielen kann. Mittlerweile bin ich auch Tante eines kleinen Jungen und sehr verliebt in ihn. Besonders hart wird es, wenn ich mit meiner Familie zusammen bin. Dann wird mir wieder bewusst, dass ich selbst keine Kinder habe, obwohl ich 36 bin. Die anderen lassen einen das auch spüren. Das stört mich schon und macht mich auch traurig.

Es ist leider gesellschaftlich nicht akzeptiert, dass man als Frau ab einem gewissen Alter keine Kinder hat. Männer sind die karriereorientierten Alpha-Tiere, Frauen sind nur bemitleidenswert. Beim Flirten wird es leider auch nicht leichter. Männer denken automatisch, dass ich eine Familie gründen möchte, weil ich eben in einem bestimmten Alter bin. Das spürt man schon. Grundsätzlich kann ich das sogar verstehen, aber es hat auch dazu geführt, dass ich bei Dates immer unsicherer wurde. Ich wusste ja, dass kein Typ eine Frau will, die total krampfhaft sucht. Das änderte sich erst, als ich meine Einstellung zum Single-Dasein änderte.

"Immer geht es nur darum, wie man einen neuen Typen kennenlernt"

 Weil mich das alles so sehr genervt hat, habe ich mich immer mehr mit dem Thema #singeleshaming beschäftigt: Die fehlende Akzeptanz, dass Single-Frauen glücklich sein können. Und für mich nach all meinen Erfahrungen als Singlefrau beschlossen, dass ich glücklich bin und dafür echt keinen Mann brauche. So bin ich dann auch auf meinen Podcast gekommen. Mich hat es genervt, dass Single-Podcasts immer nur davon handelten, wie man einen neuen Typen kennenlernt. Ich wollte einen Podcast machen für alle Frauen, die gerne Single sind, weil sie ihr Leben feiern und tun können, was sie wollen. 

Trotzdem hätte ich gerne einen Partner, das muss ja kein Widerspruch sein. Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, vielleicht doch irgendwann eine Familie zu haben und Kinder zu bekommen, aber ich bin dabei überhaupt nicht panisch. Etwas, das ich bei manchen anderen Single-Frauen doch spüren kann. Das hat meines Erachtens  aber nur etwas mit fehlender Selbstliebe zu tun. Sie können nicht annehmen, dass sie selbst genügen für diese Welt. Was sehr traurig ist. Was sollen denn Frauen machen, die keine Kinder bekommen können? Die vielleicht eine schwere Krankheit hinter sich haben?  

"Ich trommle meine Singlefreundinnen regelmäßig zusammen"

Die Singlefrau ist in der Gesellschaft das bemitleidenswerte Wesen. Damit muss Schluss sein und das können wir nur schaffen, wenn wir Singlefrauen – und überhaupt Frauen – zusammenhalten. Wie ich das mache? Ich habe sehr viele Singlefrauen in meinem Freundeskreis und trommle oftmals alle zusammen, um gemeinsam zu picknicken, baden zu gehen oder was auch immer. Das ist dann auch ohne Mann lustig – und Panik muss dabei auch keine haben. Nicht wir – und auch keine Männer, die wir eventuell dabei kennenlernen könnten." 


 Stephanies Podcast heißt "Single Female Happy Go". Man kann ihn auf Spotify und iTunes finden. Er dreht sich vor allem darum, was als Singlefrau Spaß macht – und nicht, wie man am besten den nächsten Mann kennenlernt. 





Wer hier schreibt:

Tina Epking
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Stephanie ist Single und hat gemerkt, dass es ab einem bestimmten Alter gar nicht mehr so einfach ist zu flirten. Das hat vor allem mit Vorurteilen zu tun.  

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