Den kriegst du nie! Unglücklich verliebt und was man tun kann

Hoffnungslos verliebt? Lisa A. Phillips ist Expertin für unerwiderte Liebe. Im Interview verrät sie, wann Schluss sein sollte mit der Schwärmerrei und was am besten dagegen hilft.  

Barbara.de: Es gibt Frauen, die verlieben sich bei Tinder in das Porträt eines Mannes. Bekloppt?

Lisa A. Phillips : Nein, es steckt ja immer mehr dahinter. Aber eine Frau, die ernsthaft für jemanden schwärmt, den sie vermutlich nie haben kann, wirkt auf viele Menschen eben irgendwie abschreckend.

Weil man Posterschwärmerei sonst nur von Teenagern kennt?

Genau. Aber wenn junge Mädchen für Stars schwärmen, dann ist das ja ein Herantasten an die großen Gefühle, die später als erwachsene Frau auf sie zukommen. Eine Idee von Romantik und damit etwas sehr Schönes. Übrigens wissen diese Mädchen meist sehr genau, dass sie ihren Schwarm niemals haben können. Da sind erwachsene Frauen manchmal weniger realistisch.

Wie meinen Sie das?

Während Teenies für ferne Stars schwärmen, verknallen Erwachsene sich ja in reale Personen aus ihrem Umfeld, deshalb haben sie auch das Gefühl, dass wirklich was draus werden könnte, dass die Chancen auf eine echte Beziehung real sind.

Das ist doch ein sehr romantischer Gedanke!

Anfangs ja. Eine Schwärmerei ist voller Hoffnung, sie ist der Traum von der perfekten Liebe. Wir projizieren ganz viel in diese Person hinein, verspüren Sehnsucht nach Nähe und schmieden oft große Pläne mit dem anderen.

Und wie geht es weiter?

Man kann abgelehnt werden. Das kann fies wehtun. Und manchmal liebt man diese Person dann umso mehr. Die Anthropologin Helen Fisher beschreibt das als „Frustrationsattraktion“. Dem Unerreichbaren hinterherzujagen ist für manche eine nette Herausforderung.

Ja, für Masochisten ...

Wenn unerwiderte Liebe zu schmerzhaft wird, hat das schon etwas Masochistisches. Es gibt zwar ein paar Theorien, nach denen Menschen, die in ihrer Kindheit vernachlässigt wurden, sich auch später häufiger nach Beziehungen sehnen, die nicht realistisch sind. Aber so eine Liebe bringt auch etwas mit sich. Man kann dadurch viel über sich selbst lernen und darüber, was man vom Leben wirklich will.

Sie haben da ja auch eigene Erfahrungen.

Das stimmt, und die waren auch der Grund für mein Buch über das Thema. Vor etwa 20 Jahren lernte ich einen Mann kennen, der mir das Gefühl gab, dass aus uns ein Paar werden könnte. Dann trennte er sich doch nicht von seiner Freundin. Ich war aber emotional schon so tief drin, dass ich nicht loslassen konnte. Was ich nicht bekam, wollte ich nur umso mehr. Ich war frustriert und wurde regelrecht besessen von ihm.

Und was hat dagegen geholfen?

Bei mir hat gut funktioniert, dass er mir irgendwann ganz deutlich gesagt hat: „Hau ab!“ Das ist tatsächlich das einzige Mittel, das gegen eine aussichtslose Schwärmerei hilft: radikaler Kontaktabbruch.

Ziemlich schwierig in Zeiten von Facebook und Instagram ...

Richtig: Jedes Bild, das man von dem Angebeteten sieht, verstärkt die Schwärmerei. Da hilft nur löschen.

Würden Sie dazu raten, sich in der Liebe eher zurückzuhalten, damit man nicht enttäuscht werden kann?

Auf keinen Fall! Eine Frau, die offen sagt: „Ich will den jetzt, und ich tue auch was dafür!“, die kämpft eben auch gegen veraltete Rollenbilder von der braven passiv wartenden Frau. Natürlich muss man etwas wagen in der Liebe – man sollte nur wissen, wann Schluss ist. Wann der Kampf sich nicht mehr lohnt.


Lisa A. Phillips („Unrequited: Women and Romantic Obsession“, 2015) ist heute verheiratet und hat eine Tochter

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Den kriegst du nie! Unglücklich verliebt und was man tun kann

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