Die Wahrheit ist: Netflix ruiniert mein Sexleben

Und dann gibt es ja noch Amazon Prime. Neben den ganzen Serien bleibt einfach nicht genug Zeit für Erotik, findet unsere Autorin. 

von Viola Kaiser

Das Wall Street Journal stellte sinngemäß jüngst die Frage: "Ist Streaming verantwortlich für Amerikas sinkende Geburtenrate?" Ich finde das sehr berechtigt. Laut aktuellen Studien gaben 36 Prozent der Befragten zwischen 18 und 38 zu, im letzten halben Jahr anstatt selber in den Laken rumzuturnen lieber anderen auf dem Bildschirm dabei zugeguckt zu haben.

Aber mal ganz unabhängig von schnödem Zahlenwerk: Ich selbst habe glücklicherweise schon Kinder. Keine Ahnung, ob sie jemals entstanden wären, wenn ich vor ihrer Zeugung bereits ein Netflix-Abo besessen hätte. Jedes Mal, wenn ich mir mal wieder fest vorgenommen haben, dass es jetzt echt Zeit ist für die nächste Sexeinheit, kommt mir zumindest etwas Streamingmäßiges dazwischen. In den letzten Wochen war das nicht mal Netflix oder Amazon Prime: sondern einfach bloß eine Person. Sie heißt Jon Snow. Ich Junkie hatte mir für Game of Thrones extra noch ein Sky Ticket besorgt.

Ich bin ein Opfer

Ich klinge tatsächlich süchtig? Das bin ich auch. Ich liebe Binge-Watching, ich liebe sie alle, die Serien, bei denen man nicht aufhören kann. Von "Russian Doll" über "Lucifer" bis zu "Brooklyn Nine-Nine", "Modern Family" und "Sex Education". Fange ich einmal an, kann ich nicht mehr stoppen, muss auch die nächste Folge sehen, bis die Staffel vorbei ist. "Eine schaffen wir noch, so spät ist es ja noch nicht" ist wohl der Satz, den ich in den letzten Jahren am meisten gesagt habe. Dabei weiß ich genau, was ich tue. Ich kenne Studien dazu, was Binge Viewing mit meinem Gehirn macht (nichts Gutes!). Ich habe sogar schon vor Jahrzehnten eine Arbeit an der Uni zum Thema "Cliffhanger" geschrieben. Ich bin Experte, wenn es darum geht, Leute vor dem Bildschirm zu halten. Gleichzeitig bin ich das beste Opfer.

Was das alles mit meinem Sexleben zu tun hat? Sehr viel. Schließlich ist es einfacher die Fernbedienung zur Hand zu nehmen als sein bestes Stück. Nicht, weil ich das eine wahnsinnig viel lieber täte, sondern weil ich beim Glotzen viel passiver sein kann als ich es beim Sex sein möchte. Und, nein, mein Mann ist nicht total übergewichtig und eklig, sondern wirklich attraktiv, und ich mag ihn und Sex grundsätzlich auch sehr. Kein Sorge! Aber dann ist da diese ganze Müdigkeit. Immer bin ich müde. Fernsehen geht gerade noch. Das schaffe ich. 

Knistern? Gibt es auch auf Netflix!

Sagen wir so: Selbst an den Tagen, an denen ich völlig hinüber bin von der ganzen Arbeit, der Hausarbeit, der Kinderbetreuung und der längst fälligen Steuererklärung, schaffe ich immer noch 30 Minuten Serie. 

Sex während des Serienguckens ist übrigens keine Option: dann verpasse ich ja die ganze Handlung. Wobei: Man könnte ja zurückspulen?!

Allerdings gucke ich nicht immer nur Fernsehen,  dieser Eindruck wäre jetzt auch ein bisschen falsch. Ich lese gerne. Zum Beispiel diesen oben genannten Zeitungsartikel, aus dem ich einiges gelernt habe. Etwa, dass es eine Netflix-Serie mit dem Titel "Kaminfeuer für Ihr Zuhause" gibt. Darunter eine Folge, die unser Sexleben nicht nur weiterbringen würde, weil ich kein bisschen dafür aufpassen muss. Sondern auch, weil es das hat, was vielleicht aufgrund des überbordenden Serienkonsums in unserem Haushalt fehlt: Ein Knistern.

Ich probiere das gleich heute Abend mal aus. Fortsetzung folgt...


Themen in diesem Artikel