"Was? Ich hab doch gar nichts gesagt!" Die besten Strategien gegen den guten alten Unterton

Es gibt Leute, die sich extrem gut eignen als Unterton-Opfer. Vor allem trifft es Tagträumer wie unsere Autorin. Zum Glück weiß sie sich mittlerweile ganz gut zu helfen.

2018 hat der Unterton eigentlich ausgedient. Spätestens seit dem Bayern-Wahlkampf ist es doch eigentlich mehr als offensichtlich: Man kann alles sagen. Wirklich alles alles, und das auch sehr direkt. Leider hat das jenseits Politik nur noch nicht jeder mitbekommen und so wird das antiquarische Zwischen-den-Zeilen-Tönchen munter weiter an den Mann oder die Frau gebracht, obwohl jeder Nutzer eigentlich längst wissen sollte, dass der Unterton als solcher entweder gänzlich wirkungslos ist oder sogar alles noch schlimmer macht. Denn er macht wirklich trotzig! Ich weiß das sehr sicher. Denn ich gehöre als bekennende Tagträumerin zu den Top-Adressaten des Untertons.

Die Top 3 Unterton-Arten und Strategien dagegen:

Man muss nicht musikalisch sein, um zu erkennen, dass es verschiedene Tonarten gibt. Untertöne sind ein sehr weites Feld. Die Top 3 Untertöne, die ich kenne:

1. Der Füllwort-Unterton

Der Unterton kann auch ein Wort sein. "Diemal", "endlich mal", "mal wieder"  und "ausnahmsweise mal" sind besonders beliebt.

Beispiel: "Wie schön, dass du diesmal an meinen Geburtstag gedacht hast!"

Strategie: Überhören! 

Bloß nicht: Rechtfertigen für die sieben vergessenen Geburtstage zuvor!

Beste Antwort: "Kein Ding, war nicht schwer! Diesmal hat man es einfach deutlich gesehen, dass du älter wirst!"


2. Das empörte Lachen

Vorwürfe, die mit einem Lachen getarnt werden, sind besonders fies. Dieses Lachen hört sich meist nach einem kleinen Erstickungsanfall an und wird mit einem etwas ratlos-opferigen Gesichtsausdruck kombiniert. Besonders beliebt bei Müttern erwachsener Kinder.

Beispiel: "Ach so, naja (keuch, kicher, Atemnot), das war zu meinen Zeiten noch etwas anders (keuch, kicher, Atemnot). Aber das musst du natürlich selbst entscheiden (Atemnot, Atemnot, Atemnot, Kicher)"

Jetzt bloß nicht: Das Ganze als Vorwurf verstehen und sauer werden. Denn dann hast du alles ganz falsch verstanden und bist "mal wieder" so empfindlich.

Strategie: Ein Glas Wasser reichen und um Wiederholung bitten. 

Beste Antwort: "Gehts dir gut? Ich hab dich ganz schlecht verstanden. Magst du das nochmal sagen, wenn du wieder besser atmen kannst?"


3. Das Ich-hab-doch-gar-nichts-gesagt-Stöhnen

Auch ne ganz linke Nummer, weil sehr leicht abstreitbar. Dieses kaum hörbare Stöhnen, das einem sehr genau zu verstehen gibt, was der andere wirklich denkt. Gerne kombiniert mit Aufopferung.

Beispiel: "Schon gut. Ich mach das schon." STÖÖÖÖHHHHN

Jetzt bloß nicht: darauf bestehen, es selbst zu machen. Denn dann musst du es ja wirklich selbst machen und irgendeinen Vorteil sollte man von der feigen Konfrontationsvermeidung des anderen ja haben. CHECK!

Strategie: Überschwenglich bedanken für die freundliche Hilfe.

Beste Antwort: "Ach, das ist ja nett! Danke! Es ist so schön, dass es noch solche Menschen wie dich gibt, die gerne helfen, ohne aufzurechnen. TOLL!"

Ergo

Wenn der Unterton von dir konsequent überhört wird, verliert er seinen Reiz. Wer Untertöne und Zwischenzeilen konsequent ignoriert, wird früher oder später mit Direktheit belohnt. Die ist zwar auch nicht immer schön, aber mit der kann man was anfangen. Man kann antworten, daraus lernen und sich mal gediegen zoffen mit seinem Gegenüber. Und das ist super, weil man sich danach wieder versöhnen kann! "Endlich mal!" Kicher. Stöhn. Atemnot.