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Dreiecksdilemma: Wenn die BFF plötzlich eine +1 hat

Dreiecksdilemma: Wenn die BFF einen neuen Freund hat
© T2 Images / Getty Images
Liebe ist zwar grundsätzlich süß, doch wenn sie Freundschaften zerstört, hat sie einen bitteren Beigeschmack – so jedenfalls empfindet es unsere Autorin.
Hanna Schürmann

Dinge ändern sich am laufenden Band. Serien, die in den 90ern noch witzig waren, sind heute sexistisch. Wo man vor 15 Jahren nach dem Ausweis gefragt wurde, wird man heute gesiezt. Und auch unsere Beziehungen wandeln sich, werden enger, lösen sich auf, werden distanzierter ...

All das ist völlig okay und gehört zum Leben dazu. Manchmal tut es allerdings weh und ist verdammt frustrierend. Zum Beispiel, wenn man die beste Freundin an einen A...nderen verliert. 

Unsere Freundschaft hat schon so viel überstanden

Ich benutze Fachbegriffe wie BFF nicht leichtfertig, aber Isette* möchte ich so bezeichnen. Seit der siebten Klasse sind wir befreundet und unsere Beziehung hat schon viele Veränderungen überstanden. Schulwechsel, Umzüge, Studium in unterschiedlichen Städten, Krankheiten und Partnerschaften, immer waren wir füreinander da und haben Zeit gefunden, uns zu sehen, auszutauschen, am Leben der jeweils anderen teilzuhaben. Jetzt wohnen wir sogar in derselben Stadt, doch seit Isette mit ihrem aktuellen Freund Andreas zusammen ist, sind wir auseinander gedriftet und ich kam lange Zeit einfach nicht mehr richtig an sie heran.

Die Beziehung der beiden besteht mittlerweile seit gut drei Jahren. Andreas ist der erste Mann, mit dem sich Isette eine Wohnung teilt. Ich habe ihn zwei Mal getroffen, beide Male im Rahmen einer Feier mit Freunden und Familie. Ganz ehrlich: Ich hätte eigentlich kein Problem mit ihm. Er wirkt ein bisschen arrogant und hyperpräsent, aber Isette hatte schon unsympathischere Partner. Trotzdem kann ich nicht anders, als Andreas doof zu finden, denn seinetwegen hat sich Isette in den letzten Jahren sehr zurückgezogen – nicht nur von mir, sondern von allen Menschen, die ihr einmal wichtig waren.

Es wirkt nicht wie Liebe

Im ersten Jahr ihrer Beziehung hat sich Isette bei mir ausschließlich gemeldet, um mir mitzuteilen, sie habe keine Zeit, wenn ich sie fragte, ob wir uns sehen wollen. Finde ich zwar krass für eine so enge Freundin, aber wer verliebt ist, befindet sich nun mal in einem Ausnahmezustand. Zu Beginn des zweiten Jahres haben wir uns dann mal wieder gesehen und es war wie früher: Wir haben uns so gut verstanden, als teilten wir einen Denk- und Fühlapparat, und hatten eine super Zeit. Was sie allerdings über Andreas erzählte, konnte ich schwer einordnen.

Um es vorsichtig auszudrücken: Sie sprach nicht gerade liebevoll über ihn. Es klang eher so, als stünden sie kurz vor einer Trennung. Während wir zusammensaßen, schrieb sie aber mit ihm und ging seinetwegen früher, als sie offenbar wollte. Danach war für einige Zeit wieder kein Rankommen mehr an Isette, dabei hatte ich ihr meine aufrichtige (!) Bereitschaft signalisiert, sie auch mal zusammen mit Andreas zu sehen, weil ich dachte, das erhöht vielleicht meine Chancen. Falsch gedacht! Auch in Jahren zwei und drei ihrer Beziehung war es, als lägen Kontinente und 12 Stunden Zeitunterschied zwischen Isette und mir. Aber ...

Silberstreif am Horizont

Seit einigen Wochen sehen Isette und ich uns tatsächlich wieder öfter und haben generell mehr Kontakt. Noch immer ist sie mit Andreas zusammen und noch immer nimmt er viel Raum in ihrem Leben ein – doch plötzlich ist da irgendwie auch wieder Platz für mich und ich habe Hoffnung, dass unsere Freundschaft Tief Andreas übersteht.

Ich weiß nicht genau, was ich getan habe, um diese Wendung herbeizuführen, ich glaube, nichts. Dennoch wage ich anzunehmen, dass ich mich in meinem Dreiecksdilemma nicht komplett falsch verhalten habe – deshalb möchte ich die meines Erachtens wichtigsten Punkte meiner Strategie an dieser Stelle einmal teilen. Beziehungen sind zwar unterschiedlich, aber man weiß ja nie ...

4 Dinge, die in meinem Dreiecksdilemma geholfen haben

1. Vertrauen

Ich vertraue Isette und in unsere Freundschaft. Ich glaube, vor allem das hat mich davor bewahrt, eifersüchtig zu werden, (langfristig und übermäßig) beleidigt zu sein und Isette Druck und Stress zu machen. Wenn unsere Freundschaft echt ist und halten soll (wovon ich ausgehe), finden wir wieder zusammen.

2. Hand reichen

Auch wenn sich Isette bei mir nicht gemeldet hat, habe ich ihr zwischendurch immer mal wieder signalisiert, dass ich an sie denke – ohne Forderungen zu stellen. 

3. Aufgeschlossen sein

Unter uns: So wie Isette über Andreas redet, glaube ich nicht, dass er ihre große Liebe ist und die beiden für immer zusammenbleiben. Aber ich weiß es nicht, schließlich kenne ich ihn kaum und habe die beiden erst zwei Mal zu zweit erlebt. Insofern halte ich mich mit meinen Urteilen zurück, auch und gerade gegenüber Isette. Wenn sie über ihn redet, höre ich zu, versuche aber, eine neutrale Position einzunehmen oder mich auch mal in Andreas Lage zu versetzen. Isette ist erwachsen und weiß, was sie tut. Ich respektiere ihre Entscheidungen.

4. Geduld

Aufgeben wollte ich Isette nicht, doch Druck zu machen, hätte sicherlich nichts gebracht. Sie konnte ofensichtlich nicht mehr Präsenz zeigen, sonst hätte sie es getan. Also habe ich gewartet, am Rand, als ihre Freundin statt mitten auf ihrem Schirm als Stressfaktor. 

*Namen in diesem Artikel verfremdet


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