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Ein Kaiserschnitt sei "faul", sagt Kate Hudson... und alle drehen durch!

Ein Kaiserschnitt sei "faul", sagt Kate Hudson... und alle drehen durch!
© Getty Images
Was war das Faulste, was Sie jemals getan haben? Ganz normale Interview-Frage. Komische Antwort: Mein Kaiserschnitt. Wer sowas Verrücktes sagt? US-Schauspielerin Kate Hudson. Wen es interessiert? Die ganze Welt. "Beruhigt Euch mal!", sagt unsere Autorin (die übrigens selbst zwei Kaiserschnitte hatte) und findet (Achtung, Aufreger!), dass Kate Hudson sogar ein bisschen Recht hat. In diesem einen speziellen Fall zumindest.
von Miriam Kühnel

Es war ein belangloser Fragebogen, mit dem Schauspielerin Kate Hudson sich letzte Woche einen ordentlichen Shitstorm einhandelte. Auf die Frage, was das Faulste war, was sie jemals getan hat, antwortete die zweifache Mutter: Mein Kaiserschnitt. Weltweit sorgte das für große Empörung. Ein Kaiserschnitt soll Faulheit sein? Auf Twitter, Facebook und Co. hagelte es Kritik. Mütter, für die der Eingriff lebensrettend war, fühlten sich angegriffen von der lapidaren Aussage der Schauspielerin. Und tatsächlich wirkt ihre Antwort... nun ja... formulieren wir es freundlich: unpassend.

Ein Kaiserschnitt ist hochemotional

Wenn Kinder durch einen Kaiserschnitt zur Welt kommen, ist das eine hochemotionale Angelegenheit. Oder anders gesagt: Jede Geburt ist hochemotional, aber bei Kaiserschnitten kommt bei vielen Frauen ein weiterer Aspekt hinzu. So auch bei mir. Meine Tochter wurde nach acht Tagen erfolgloser Einleitung und insgesamt 128 Stunden Wehen per Kaiserschnitt geholt. Nein, Faulheit würde ich mir nicht im Traum vorwerfen lassen – und doch blieb danach die quälende Frage: Habe ICH meinem Kind das Leben geschenkt, oder war es doch der Oberarzt? Dass diese Frage grober Bullshit ist, war mir einige Wochen und Gedanken später auch klar. Aber an diesem Morgen, an dem ich meiner kleinen Tochter zum ersten Mal in ihre kleinen Augen sah, hormonüberflutet und völlig erschöpft, da fühlte es sich einfach falsch an, dass sie aus mir herausgeschnitten worden war. Medizinische Sinnhaftigkeit hin oder her. Er fehlte mir, der Moment glückstaumelnder Seligkeit, in dem einem das Kind auf die Brust gelegt wird. Knallende Sektkorken, eine schöne Dusche und alles ist gut. So hatte ich mir das vorgestellt. Bei Kaiserschnitten fängt der richtige Schmerz ja erst an, wenn das Kind da ist. Sich einer OP zu stellen, ausgerechnet am Tag der Geburt des eigenen Kindes, nein, das kann man nun wirklich nicht faul nennen. Man tut es, um Leben zu retten. Das eigene oder das des Kindes.

Bei Kate Hudson war es ein bisschen anders

Für Kate Hudsons Kaiserschnitt hingegen gab es keine medizinische Indikation, auch keinen Grund wie Angst vor einer natürlichen Geburt. In einem Interview erzählte die zweifache Mutter, dass sie schlicht und ergreifend keine Lust hatte, nochmal nach Hause zu gehen und den von Paparazzi gesäumten Weg zum Krankenhaus ein weiteres Mal auf sich zu nehmen. Wenn man diese Geschichte kennt, erscheint ihre scheinbar lapidare Aussage in einem etwas anderen Licht. Jeder, der schon einmal eine Bauch-OP hatte, kann sich vorstellen, wie sehr Kate Hudson ihre Entscheidung im Nachhinein wahrscheinlich bereute. Jahre später hat Kate Hudson übrigens ein weiteres Kind zur Welt gebracht – auf natürlichem Weg. Ihre Antwort auf dem Formular war – aus dem Zusammenhang gerissen gesehen – sicher nicht besonders feinfühlig, aber wahrscheinlich nicht im Ansatz so unbedacht wie unterstellt.

Jede Geburt sollte uns stolz machen. Punkt.

Ich kann nicht sagen, wie es sich anfühlt, unter Wehen ein Kind zu gebären. Ich weiß auch nicht, ob dieser eine Moment wirklich so glückselig gewesen wäre wie in meiner Phantasie (ich habe da sehr unterschiedliche Erfahrungen zu gehört), aber ich weiß mittlerweile, dass ich stolz auf mich sein darf. Auch mein zweites Kind wurde per Kaiserschnitt geboren. Es wog fünf Kilo und um ehrlich zu sein: Im Nachhinein bin ich sehr dankbar für den Rat der Ärzte, es nicht zu versuchen. Ich habe großen Respekt vor jeder Frau, die sich auf das Abenteuer Geburt einlässt. Ob mit oder ohne Anästhesie, mit oder ohne Chirurgen, mit oder ohne Angst vor dem, was auf einen zukommt. Und ja, ich habe auch Respekt vor einer Kate Hudson, die selbstkritisch mit ihrer eigenen Entscheidung (bzw. den Motiven) umgeht. Dass man nicht immer alle Schicksale bedenkt, wenn man über Persönliches spricht, kenne auch ich. Nur dass ich dann im schlimmsten Fall ein paar Freunde oder meinen Mann vor den Kopf stoße und nicht gleich die Mütter aller Nationen. Ein Glück!


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