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Elternabend Nicht nur Papas Albtraum

Elternabend: Elternabend
© gremlin / Getty Images
Einmal nicht nachgedacht, schon hockt der Mann auf einem Elternabend und muss gegen Ende ganz doll aufpassen – damit das kein Dauerzustand wird. 

Auf einer Rangliste schmerzhafter Angelegenheiten liegt der Elternabend für viele Erwachsene irgendwo zwischen einem Übernachtungsbesuch der Schwiegereltern und Familiendiarrhö. Apropos Fäkalhumor: Mein Stuhl ist klein und hart. Soll heißen: Orthopädisch werden die nächsten zwei Stunden eine Herausforderung.

Männer und der gefürchtete Elternabend

Warum sind mir keine Ausreden eingefallen? Muss noch die Hamster melken, eine Wasserbombe im Garten entschärfen, bin zum Abendessen mit Jim Knopf, Lukas, Sursulapitschi, Uschaurischuum und Pi Pa Po eingeladen – Herr Schu Fu Lu Pi Plu hat nämlich gekocht.

Muss ich wirklich hier sein? Ich will es irgendwie, denn die elterliche Beteiligung ist wichtig und Teil einer demokratischen Kita- und Schulkultur. Vor allem ist die Teilnahme eine Wertschätzung der Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher, denen ich immerhin das Wertvollste überhaupt anvertraue. Außerdem sind Männer in der Unterzahl.

Was machen Väter anders? Zunächst: Die meisten bleiben zu Hause. Und jene, die da sind, halten sich meist zurück, schauen auf ihren Handys nach den Halbzeitergebnissen der Champions League. Nicht alle natürlich. Einige wenige wurden assimiliert und schreiben tüchtig mit, obwohl die Protokollantin eine Enzyklopädie des Abends an alle Eltern verschicken wird.

"Wer zuckt, verliert" – Die Wahl des Elternvertreters

Mir muss niemand schreiben oder erzählen, wie die Kinder vorankommen mit dem Webrahmen, dass nächste Woche gemeinsam Gemüsesuppe gemacht wird und bald die Holzarbeiten für die Großen anstehen. Habe ich alles bereits von meiner sechsjährigen Tochter erfahren. In dem Alter behalten Kinder nicht mal Flöhe für sich.

Am Ende des Abends kommen die unangenehmen Themen auf den Tisch. Wenn die Beine nicht mal mehr kribbeln, sondern nahezu taub sind. Die Wahl der Elternvertreter steht an. Schweigen. Eine Minute, zwei, drei. Wer zuckt, verliert. Schließe meine Augen, in der Hoffnung, nicht gesehen zu werden. Östrogen wabert durch den Raum. Manche Mütter wollen diesen Job unbedingt, möchten das aber nicht gleich zeigen. Es gilt, den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Die erste Meldung wird alle Stimmen kriegen.

"Ein Bier auf die Mutter von Zoe", flüstert der Vater neben mir. Wir kennen uns nicht, aber das wird sich im Anschluss ändern. "Die Mutter von Boris", antworte ich. Es macht keinen Unterschied. Der Abend wird ein gutes Ende nehmen.

BJÖRN KRAUSE befindet sich noch im Training. Nächstes Jahr wird seine Tochter eingeschult. 

BARBARA 52/2020

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