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F*** you, Morgenroutine! Warum man auch einfach aufstehen kann – ganz ohne Plan

F*** you, Morgenroutine! Warum man auch einfach aufstehen kann – ganz ohne Plan
© Getty Images
Neuerdings kann man nicht einfach morgens erst einen und dann den anderen Fuß aufstellen und einfach aufstehen. Es muss ein System haben. Warum bloß?
von Viola Kaiser

Natürlich mache ich mir mit diesem Text viele Feinde. Alle, die sagen, ein guter Start in den Tag entscheidet über die nächsten 24 Stunden. Oder die, die morgens um 5 aufstehen und deswegen so viel mehr schaffen als solche Leute wie ich. Leute, die einfach bloß wach werden und aufstehen. Meistens, nachdem sie etwa sieben mal auf den Schlummer-Knopf gedrückt haben. Auch alle, die schon gegen 7 Uhr mindestens zwei Liter warmes Wasser und genauso viele Stunden meditiert haben, verstehen wahrscheinlich nicht, wie ich es ganz ohne all diese Dinge durch den Tag schaffe. Manchmal frage ich mich selbst, ob ich eine bessere Version von mir selbst wäre, wenn ich disziplinierter aufstehen würde. Ich muss sagen: Ich sehne mich nach den Zeiten zurück, in denen man einfach seine Füße morgens vor das Bett gestellt hat, dann aufs Klo ging und sich anschließend einen Kaffee kochte.

Jaja, ich weiß, jeder hat seine eigene Art glücklich zu werden. Nur gilt es 2019 irgendwie fast als unnormal, wenn man morgens nicht wenigstens eine Sache macht, um "perfekt in den Tag zu starten". Es gibt etliche Artikel und sogar Bücher, die mir erklären, was sehr erfolgreiche Menschen schon Stunden vor dem Frühstück morgens getan haben, um so erfolgreich zu sein wie sie eben sind. Darunter sind nicht nur Yoga, Meditation und 10 Kilometer um den Block. Sehr gut ist es auch, wertvolle Zeit mit den Liebsten zu verbringen, beim Kaffee direkt Jobtalk zu machen und mindestens drei Dinge aufzuschreiben, für die man dankbar ist. Unter anderem. 

Wenn ich soetwas lese, erzeugt das bei mir vor allem Druck. Druck ist übrigens das Gegenteil von einem guten Start in den Tag. Allerdings ist das natürlich mein Problem. Außerdem glaube ich nicht daran, dass Erfolg und Glück in meinem Leben proportional zu der Menge Ingwerwasser, die ich regelmäßig gegen 6 Uhr morgens getrunken habe. Eventuell liegt es auch nur am sogenannten Wording. Denn: Wer sagt denn, dass meine Art aufzustehen keine anerkannte Morgenroutine ist? Ich habe ja Routine. Mit meinem Snooze, meinem Toilettengang und meinem Kaffee mache ich schließlich jeden Tag dasselbe. Vielleicht schreibe ich demnächst mal ein Buch drüber. Das wird dann allerdings ziemlich kurz. 


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