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Fasten – Der Corona-Trend

Teller mit Maßband und Besteck
© Getty Images
Das ein oder andere Kilo hat es sich mittlerweile schon auf unseren Rippen gemütlich gemacht. Warum wir das mit Intervallfasten easy in den Griff bekommen und was sich hinter Basenfasten verbirgt, verrät Experte Sebastian Wettcke. 

BARBARA.de: Sebastian, Fasten liegt gerade voll im Trend. Woran liegt das?

Sebastian Wettke: Die meisten sind gerade im Homeoffice und bewegen sich weniger. Dadurch verbrennen wir bis zu 400 Kcal weniger, essen aber nach wie vor ganz normal. Schnell schleicht sich dadurch das ein oder andere Pölsterchen auf die Rippen. Viele suchen daher einen alternativen Weg, sich bewusster zu ernähren und stoßen auf das Intervallfasten. Zudem erzielt man schnelle Erfolge: 8 Stunden essen und 16 Stunden fasten hält man schnell durch - ohne große Vorbereitung. Und das sich das offenbar viele denken, zeigt sich an den Downloads unserer App Fastic. Die wurde seit der Corona-Krise doppelt so häufig heruntergeladen wie vorher.

Warum eignet sich gerade die Corona-Phase besonders gut, um mit dem Intervallfasten zu beginnen?

Das kennt bestimmt jeder von sich: Wenn wir eine neue Gewohnheit in den Alltag integrieren wollen, klappt das am besten, wenn wir weniger abgelenkt sind und uns auf uns konzentrieren können. Wir haben momentan genügend Ruhe und Zeit, um auf unseren Körper zu hören. Das ist beim Intervallfasten besonders wichtig. Außerdem erliegen wir gerade nicht den Versuchungen, auf dem Weg ins Büro beispielsweise noch einen kleinen Snack zu kaufen und dadurch die Fastenzeit zu brechen.

Hilft es wirklich beim Abnehmen?

Ja! Denn beim Intervallfasten passiert nichts anderes, als dass wir uns in ein natürliches Kaloriendefizit begeben. Konkret gesagt: Uns fehlt die Zeit, soviel zu essen, wie zuvor. Außerdem stellt sich der Stoffwechsel in der Fastenphase auf Fettverbrennung um. Der Körper zieht sich die benötigte Energie aus den Fettreserven, weil er nicht auf die Nahrung im Magen zurückgreifen kann. Und außerdem werden während des Fastens Hormone freigesetzt, die unsere Fettverbrennung unterstützen. Im Schnitt nehmen die meisten durch das Fasten drei Kilo im Monat ab.

Neben dem Intervallfasten gibt es ja auch das Basenfasten. Was genau versteht man darunter?

Jedes Lebensmittel wird mit einem bestimmten ph-Wert verstoffwechselt. Da unser Körper selbst einen leicht basischen Wert aufweist, kann sich die Ernährung mit vorrangig basischen Lebensmitteln positiv auf den Körper auswirken. Wer sich basenreich ernährt, ist also darauf fokussiert, Lebensmittel zu sich zu nehmen, die unser Körper zu Basen umbauen kann. Beim Basenfasten verzichtet man also darauf, Lebensmittel zu sich nehmen, die sauer machen.

Warum ist eine solche Ernährungsweise so wichtig?

Der richtige Säure-Basenhaushalt ist für den Körper lebensnotwendig. Die Puffersysteme des Körpers sind zwar in der Lage, eine gewisse Menge an Säuren auszugleichen, dies hat jedoch seine Grenzen. Durch die Industrialisierung nehmen wir überwiegend verarbeitete & tierische Produkte zu uns, was dazu führt, dass unsere Puffersysteme auf kurz oder lang erschöpft sind. Wir sind zunehmend abgeschlagener und müde. Einen Blick auf unsere Ernährung kann dann schon Aufschlüsse geben, warum das so ist. Umso sinnvoller ist es, konkret zu notieren, was wir zu uns nehmen.

Es hört sich im ersten Moment kompliziert an, seine Ernährung so zu tracken: Gibt es einfache Regeln, die man nutzen kann, um die Lebensmittel in sauer, basisch oder neutral einzuteilen?

Ich würde empfehlen, sich an folgender Faustregel zu orientieren, sodass die Tagesbilanz am Ende in die richtige Richtung geht. 70% der täglichen Nahrung sollte aus basenbildenden Lebensmitteln bestehen. Die restlichen 30% aus Säurebildern. Basenbildner sind in erster Linie pflanzliche Lebensmittel. Dazu gehören die meisten Obst- und Gemüsesorten, Kartoffeln sowie Samen, Nüsse, Kräuter und Keimlinge. Zu den Säurebildern gehören verarbeitete- & zuckerhaltige Produkte oder auch stark verarbeitetes Weizen, wie zum Beispiel Gebäck. Weiterhin zählen tierische Produkte zu den Lebensmitteln, die sauer verstoffwechselt werden. Wenn man sich an diese einfachen Vorgaben hält, ist man schon auf einem guten Weg. Wem es in der ersten Zeit schwer fällt, findet in der unserer App die Möglichkeit, die verzehrte Nahrung festzuhalten und eine Tagesauswertung zu bekommen. Außerdem erfährt man, in welchem Verhältnis die Nahrungsmittel konsumiert werden sollten.

Kann man damit wirklich abnehmen oder seine Vitalität stärken?

Dass sich Gemüse- und Obst positiv auf unseren Gesundheitszustand auswirkt, ist unbestritten. Ebenfalls haben diese Lebensmittel eine geringe Kaloriendichte, weshalb man zwangsläufig in ein natürliches Kaloriendefizit kommt. Schon aus diesem Grund verliert man nachhaltig überflüssiges Körperfett. Zudem haben unsere Erfahrungen gezeigt, dass sich eine auf natürliche und unverarbeitete Lebensmittel basierende Ernährung, positiv auf die Gesundheit und das Wohlbefinden auswirkt. Viele berichten davon, dass sie wacher oder konzentrierter sind oder sich das Hautbild bei einigen verbessert hat.

Worauf muss man achten, wenn man diese neue Ernährungsform ausprobieren möchte?

Wichtig ist, sich überwiegend an die einfachen Vorgaben zu halten und seine Ernährung zum Großteil aus basischen Lebensmitteln zu gestalten. Ansonsten gibt es keine Einschränkungen und man kann von heute auf morgen damit beginnen.

Welche Tipps kannst du zu dieser Ernährungsform noch geben?

Ernährung sollte in keinem Fall eine Belastung sein, sondern vielmehr Freude bereiten. Für Neues offen zu sein und Experimentierfreude hilft dabei ungemein. Zudem sollte man sich regelmäßig bewegen. Das unterstützt den Stoffwechsel. Eine aerobe Bewegung, wie Joggen oder Fahrradfahren passt hier perfekt. Extremer Leistungssport, kann durch die Bildung von Milchsäure ebenfalls übersäuern.

Sebastian Wettcke (24) ist Fastenexperte und hat gemeinsam mit seinem Mitgründer Phillip Wayman die App Fastic ins Leben gerufen. Ihr Ziel: Die alte Tradition, das Wissen sowie die  positiven Auswirkungen des (Intervall-)Fastens online für jeden zugänglich und verständlich zu machen. Bereits in jungen Jahren war es für den heute 24-Jährigen selbstverständlich, über mehrere Tage nichts weiter als Fastensuppe zu sich zu nehmen, da seine  Eltern ein Fastenhotel im Schwarzwald führen und somit die Tradition des Fastens selbst verkörpern. 

sebastian wettke
© PR

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