Firedooring: Warum manche Menschen immer wieder abgewiesen werden

In Beziehungen oder bei Flirts willst du immer ein bisschen mehr als der andere? Du hast Freundschaften, in denen meist du diejenige bist, die sich meldet oder hilft?  Beziehungsexperte Eric Hegmann weiß, warum "Firedooring" immer wieder dieselben Menschen trifft.

Marie Stadler

Firedoor bedeutet Notausgang. Das Besondere an diesen Ausgängen: Sie lassen sich nur von der einen Seite öffnen. Bei besonders einseitigen Beziehungen sprechen Fachleute deshalb von "Firedooring". Ja, wir finden auch: Da haben sich  die Experten mit der Namensgebung mal wieder selbst übertroffen! Das Phänomen (sorry, wir müssen das Wort einfach nochmal schreiben, weils so schön bescheuert ist) "Firedooring" gibt es in Liebesbeziehungen, bei Flirts, aber auch in Freundschaften. Wie so eine tendenziell einseitige Beziehung dann aussieht, ist unterschiedlich. Aber immer folgt sie einem bestimmten Muster. Der eine gibt. Der andere nimmt. Falls er gerade da ist.

Firedooring in der Freundschaft

In Freundschaften haben es wahrscheinlich die meisten schon erlebt. Es gibt diese Freunde, die sehr selten an einen denken. Wenn sie es dann doch mal tun, dann vor allem deshalb, weil man ihnen in diesem Moment von Nutzen ist. Und klar, man hilft dann ja auch gerne. Wenn sich XY schon mal netterweise meldet, möchte man ihn / sie ja auch nicht gleich wieder enttäuschen. Wehe dem allerdings, der das Ganze mal andersrum versucht. Denn wenn XY überhaupt mal ans Telefon geht, dann nur, um zu sagen, dass es ihm oder ihr gerade gar nicht passt, dir unter die Arme zu greifen. Sonst natürlich immer gerne. Ist ja klar.

Firedooring beim Flirten

Auch beim Flirten immer wieder das Gleiche: Der eine ist schon total Feuer und Flamme und freut sich wie Bolle auf das nächste Date, der andere ist extrem unentschlossen,  nicht erreichbar oder unzuverlässig. "Ach, waren wir heute verabredet? Das muss ich leider schieben..." Und schon ist der Jagdinstinkt des Zurückgewiesenen erneut geweckt. Das Gefühl, dem anderen hinterherzurennen, ist völlig richtig. Das tut man ja auch. Manchmal mit Erfolg. Oft auch ohne.

Firedooring in der Liebe

Ob es schon am Anfang so war oder sich erst entwickelt hat, auch wenn sich beide zu einer Beziehung entschließen, will oft einer mehr. "Was dann passiert, ist die klassische Forderungs-Rückzugs-Dynamik", erklärt Paartherapeut Eric Hegmann. Der eine trommelt gegen die "Firedoor", der andere öffnet nicht. "Wem das in Beziehungen immer wieder passiert, der ist vermutlich ein ängstlicher Bindungstyp. Und für ängstliche Bindungstypen passt der vermeidende Bindungstyp hervorragend ins Beuteschema." Schade, dass das oft ziemlich unglücklich macht. Zumindest dann, wenn die Bindungsneigung sehr extrem ist.

Der ängstliche und der vermeidende Bindungstyp

"Etwa 25 % aller Menschen sind ängstliche Bindungstypen. Sie haben meist ein eher geringes Selbstwertgefühl. In ihnen ist die Annahme, dass man sich Liebe verdienen muss, fest verankert. Menschen des ängstlichen Bindungstyps kennen Verlustängste, Eifersucht und machen ihren Wert oft an Anerkennung von außen fest", sagt Eric Hegmann. Bei dieser Zahl bezieht er sich auf die Forschungen des US-amerikanischen Psychiaters und Neurowissenschaftlers Amir Levine, der John Bowlbys Bindungstheorie auf die Dynamik von Erwachsenen in Paarbeziehungen übertragen hat. (Levine, Heller, 2010, Attached)

Grundverschieden und doch aus demselben Holz geschnitzt sind Menschen des vermeidenden Bindungstyps. Solche Menschen halten in Beziehungen immer eine gewisse Distanz, um nicht verletzt zu werden. Auch diesem Bindungsverhalten liegt mangelndes Selbstwertgefühl zugrunde. Wie passend, dass wiederum etwa 25 % der Menschheit diesem Typus angehört, denn – Überraschung – ängstliche Typen finden vermeidende Typen super. Mit ihrer abweisenden Art bestätigen sie die inneren Glaubenssätze des Ängstlichen perfekt. Und auch der vermeidende Typ hat etwas von der Liaison mit einem ängstlichen Typen. Sie wären ja nunmal sehr einsam, wenn ihnen niemand hinterherrennen würde. 

Was kann ich tun?

"Wer sich immer wieder in der Rolle des Zurückgewiesenen findet, der sollte erst einmal überlegen, ob es das Ganze wert ist", rät Eric Hegmann. "Oft ist die vermeintliche Stärke, von der man sich so angezogen fühlt, gar nicht so echt." Wirkliche Stärke ist auf den ersten Blick nicht so leicht erkennbar. "Etwa die Hälfte der Menschen haben ein sicheres Bindungsverhalten. Auf Anhieb sind die allerdings gar nicht so spannend, weil sie wenig Drama und Aufregung bieten" 

Also muss man einen Menschen mit sicherem Bindungsverhalten finden, um glücklich zu sein? "Muss man nicht", beruhigt Eric Hegmann. "Das Spiel zwischen ängstlichem Bindungstyp und vermeidendem Bindungstyp kann sehr gut funktionieren, wenn die Dynamik nicht zu extrem wird." Was ihm aber wichtig ist: "Leiden sollte keiner in einer Beziehung oder Freundschaft. Wenn das der Fall ist, sollte man sich Hilfe holen", sagt der Therapeut. "Es gibt immer Möglichkeiten, gemeinsam glücklich zu werden. Zumindest, wenn beide das wirklich wollen."