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Frauen arbeiten weltweit über zwölf Milliarden Stunden unentgeltlich – jeden Tag!

Haushakt, Kinder, Ehrenamt
© Getty Images
Ja, wir machen es ja gerne... und es ist irgendwie ehrenhaft von uns. Aber es ist auch ein Problem, dass wir Frauen durchschnittlich vier Stunden und 29 Minuten täglich unentgeltlich arbeiten, während Männer nicht mal auf zwei Stunden kommen.
von Miriam Kühnel

Ja, uns war klar, dass wir irgendwie mehr unbezahlten Kram machen als Männer... fängt ja schon beim Teilzeitjob und den dazugehörigen Nachmittagen an. Aber die Zahlen, die Oxfam kürzlich vorstellte, lassen einem echt die Ohren schlackern. Um es auf den Punkt zu bringen:

"Männer arbeiten im weltweiten Durchschnitt 6 Stunden und 44 Minuten pro Tag und werden für 5 Stunden und 21 Minuten bezahlt – also für mehr als 80 Prozent ihrer Arbeitszeit. Frauen arbeiten hingegen durchschnittlich 7 Stunden und 28 Minuten am Tag, erhalten aber nur für 3 Stunden und 3 Minuten Lohn – also für rund 41 Prozent ihrer Arbeitszeit."

Außerdem verdienen Frauen (selbst wenn sie bezahlte Arbeit leisten) etwa 23 % weniger Gehalt, Männer besitzen 50 % mehr Vermögen und 65 % der Menschen, die keine Rente beziehen sind weiblich. 

Und wie sieht es in Deutschland aus?

Diese Feststellung gilt für Frauen und Männer weltweit. Und natürlich könnte man jetzt meinen, uns im modernen Deutschland ginge es viel besser... aber so richtig wollen die Ergebnisse auch da nicht beruhigen. Die Einkommenskluft, also den Pay Gap nennen die Studienleiter von Oxfam in Deutschland "erschütternd hoch", verglichen mit anderen europäischen Ländern. De facto verdienen Frauen über ihr Arbeitsleben allen Ernstes halb so viel wie Männer. Was die Rentenlücke angeht, belegen wir in Europa laut OECD den letzten Platz.

ABER... wir arbeiten laut einer Studie von 2019 sogar mehr als Männer,  insgesamt mit Job und Co kommen wir auf 55 Stunden wöchentlich, davon täglich 269 Minuten ohne Gehalt. Männer arbeiten wöchentlich insgesamt 49 Stunden, davon sind 164 Minuten täglich unentgeltlich. Ungerecht? Das meinen wir aber auch!

Warum die unentgeltliche Arbeit ein großes Problem ist

Wir arbeiten also mehr, verdienen weniger, haben weniger Vermögen und eine erschreckend hohe Rentenlücke. So weit, so gut. Doch ein weiteres großes Problem ist der psychologische Aspekt: Wer so viel "für Umme" arbeitet, verknüpft das Geleistete auch gar nicht so sehr mit Geld. Frauen sehen ihre Leistungen deshalb auch im Job eher als "Selbstverständlichkeit" an als Männer. Und so halten sie mit ihren Erfolgen hinter dem Berg, verlangen nicht so häufig Gehaltserhöhungen und verhandeln weit bescheidener als ihre männlichen Kollegen. Ein Teufelskreis... der zu weniger weiblichen Führungskräften und einem durchschnittlich geringeren Gehalt führt. 

Was jeder Einzelne gegen den Pay Gap tun kann

Wer nun meint, die Welt sei nun einmal ungerecht und wir könnten nichts tun, der irrt sich. Jeder von uns kann etwas tun... Wer eine Führungsposition hat, kann Gehaltsverhandlungen so steuern, dass weibliche Bewerber nicht in die Bescheidenheitsfalle tappen. Eltern können ihren Jungs genauso viel Hausarbeit auftragen wie ihren Mädchen. Und jede von uns kann sich wie eine Löwin für das eigene Gehalt und eine gerechtere Aufteilung im eigenen Haushalt einsetzen. Ein bisschen mehr Ego täte den meisten von uns ganz gut. Denn jede Frau, die für sich eintritt, tritt für alle Frauen ein. Also her mit dem kollektiven Ego, das man vielleicht lieber Gerechtigkeitssinn nennt. Der Kampf um Gerechtigkeit ist nämlich noch lange nicht zu Ende!


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