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Kolumne Offene Beziehung: Für Lockerungen?

Für Lockerungen? Pärchen auf Wiese
© bondart / Shutterstock
Unser Kolumnist weiß seit Kurzem, dass einer seiner besten Freunde eine offene Beziehung führt. Der erste gemeinsame Pärchen-Spieleabend war: etwas verkopft.

Worauf wir denn Lust hätten, will er wissen. Er, das ist mein Kumpel, der neben seiner Freundin auf der Couch sitzt. Beide lächeln. Seit Kurzem weiß ich: Er schläft mit anderen Frauen, sie mit fremden Männern. Und Frauen. Soll heißen: Die beiden swingen. Nicht auf dem Parkett, sondern auf Matratzen. Ah-Ah-Ah statt Cha-Cha-Cha. Lust? Ein Reizwort, das in meinem Kopf klingelt – und in seiner Hose vielleicht gerade vibriert. Rücke seine Frage plötzlich in ein anderes Licht, ein kräftiges Rot nämlich, das in Hinterhöfen flackert. Sind für einen Spieleabend zu viert verabredet, auch das klingt seltsam. Früher war "Scrabble" gemeint oder "Siedler". Jetzt fehlen mir Konsonanten und Vokale. Kurz: die Worte. An was denken die beiden heute? "Twister" vielleicht? Nackt und eingeölt?

Mann, werd erwachsen! Nur weil die beiden offen sind für andere, heißt das nicht, dass sie nun scharf auf uns wären. Außerdem gehören dazu immer noch vier. Oder fünf, sechs, sieben. Denke an Swingerklubs, diese Orte, wo du an Nippelklemmen auf ein speckiges Plüschsofa gezogen wirst, von irgendeiner Gerda, Trude, Marianne, die mit pelziger Zunge über eine Gerte leckt. Orte, an denen sich alle zur Begrüßung gegenseitig in den Schritt packen, in den Hintern kneifen, zu Hintergrundgeräuschen, die sich anhören wie Gummistiefel, die im Matsch feststecken. Stopp! Auch das ist bestimmt Quatsch.

Die können sich nicht lieben, war mein erster Gedanke. Und der zweite: Oder gerade doch. Beide sind ehrlich, haben den Mut, sich gegenseitig Bedürfnisse zu erfüllen. Hand aufs Höschen: Wer würde es nicht neu, aufregend, erregend finden, mal mit jemand anderem ins Bett zu gehen? Der Kopf weiß, wenn der Körper Abwechslung haben möchte. Aber Lieben bedeutet, keine Götter neben dem anderen zu haben, richtig? Oder ist Treue eine antiquierte Eigenschaft? Bin vielleicht zu spießig. Oder ängstlich.

Könnte mir Sex mit einer an­deren Frau vorstellen. Aber bei der Überlegung, meine Liebste würde mit einem anderen schlafen, verlässt mich meine Kreativität, tobt Rumpelstilzchen vor Eifersucht um das Feuer der Leidenschaft herum. Sie ist meins, meins, meins.

"Wie wäre es mit Tabu?", fragt die Gastgeberin und verteilt die Karten. "Wir gegen euch", sagt er. Warum nicht? Später können wir ja auch mal tauschen.

Björn Krause findet Carsharing toll und trinkt auch mal offene Weine. Das reicht fürs erste.

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BARBARA 09/2020

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