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Wie die Jungfrau zum Kinde Geburtsvorbereitung für Papa

Alexander Kusinski: Babyfüße
© uaurora / Adobe Stock
Während eine Frau sich monatelang darauf einstellen kann, Mutter zu werden, kommen Männer recht plötzlich zum Kind. Alexander Kusinski bietet daher werdenden Vätern Geburtsvorbereitungskurse an.

Ihre Kinder sind bereits erwachsen, gab es Vorbereitungskurse für Männer, als Sie Vater wurden?

Nein. Ich habe einen Kurs für Paare gemacht und mich dabei wie ein Zaungast gefühlt. Es ist etwas anderes, ob man mit seiner Partnerin zu einer Geburtsvorbereitung geht – wo sich fast alles um Mutter und Kind dreht – oder sich als Mann gezielt der Herausforderung stellt, Vater zu werden.

Wie schön, dass sich werdende Väter heute vorbereiten wollen …

Ehrlich gesagt, werden einige von ihren Frauen geschickt. Mütter sind in der Regel richtig gut informiert. Sie checken alle Möglichkeiten, um sich vorzubereiten. Dabei finden sie den Kurs für Väter und sagen zu ihrem Partner: Hey, das ist doch eine super Sache, geh mal hin.

Zumindest lassen die Männer sich dann darauf ein. Ihr Angebot heißt "Crashkurs", ein Thema ist "Wochenbett-Management". Muss man mit werdenden Vätern anders reden als mit Schwangeren und Paaren?

Männer wollen Fakten und in kürzester Zeit maximale Informationen. Ein Kurs muss also knapp, prägnant und informativ sein.

Der Crashkurs geht gerade einmal drei Stunden …

Das ist für die meisten Männer noch im Rahmen. Dauerte er länger, wäre das für viele ein Grund zu sagen: So viel Zeit habe ich dafür nicht.

Was kann man in der Kürze überhaupt vermitteln?

Ich arbeite unter anderem mit Puppen und zeige den werdenden Vätern daran, wie man mit einem Baby umgeht. Männer wollen etwas Praktisches machen. Mein Anliegen ist es aber, die Männer darüber ins Gespräch zu bringen. Also weg von den Fakten, hin zu ihren Erwartungen. Über Babys und Familie zu reden ist immer noch Domäne der Frauen. Aber auch Männer sollten untereinander über das Vatersein, ihre Sorgen und Ängste sprechen.

Das klingt wie ein Appell.

Ja! Seid vorbereitet! Mischt mit! Findet Verbündete an eurer Seite, bildet ein Väter-Netzwerk. Geht zu Krabbel- und Babyschwimmkursen. Überlasst das nicht alles der Frau.

Im Kreißsaal sind Männer ja längst schon dabei.

Das ist eine heikle Angelegenheit. Es kann für Paare ein Booster fürs Elternwerden sein. Aber manche Männer fühlen sich überfordert und gezwungen, mitzugehen, weil ihre Frau das Wegbleiben als Affront gegen die gemeinsame Elternschaft versteht. Männer sollten dann den Mut haben, zu sagen: Schatz, das ist mir echt zu viel. Nimm lieber deine Mutter oder eine Freundin mit.

Wie bereiten Sie Männer auf die Geburt vor?

Ich erkläre ihnen, dass sie gar nicht viel tun müssen. Sie stehen lediglich als Vertrauter an der Seite ihrer Partnerin. Hebammen gucken sich die Männer vorher an: Ist der eine Hilfe oder wird er vielleicht zum Problem? Dementsprechend geben sie ihnen die Möglichkeit, sich rauszuhalten oder einzubringen.

So eine Geburt ist ja nicht ohne …

Für mich war das damals krass. Meine Frau hatte Megaschmerzen – über Stunden. Das muss man als mitfühlendes Wesen erst mal aushalten. Ich spreche mit den Männern deshalb über den Sinn dieser Geburtsschmerzen.

Sie geben die Kurse bereits seit2010. Wie haben die werdendenVäter sich verändert?

Die Gruppe der Teilnehmer ist vielfältiger geworden. Inzwischen sind allen Schichten vertreten. Das Gros ist aber nach wie vor gut ausgebildet und bildungsorientiert. Und es kommen mehr Männer mit Migrationshintergrund in die Kurse.

Womit tun die Männer sich schwer?

Da es keine festen Rollenmodelle mehr gibt, müssen sie sich individuell definieren: Welche Vorstellungen habe ich von mir als Vater? Und wie sieht meine Frau ihre Rolle als Mutter? Sie müssen über die gemeinsame Elternschaft reden – und das nicht erst nach der Geburt.

Was sollen die Männer aus Ihrem Kurs mitnehmen?

Ich möchte ihnen vor allem das Gefühl geben, einen Beitrag dafür geleistet zu haben, dass es mit ihrer zukünftigen Familie klappt.

Wenn Sie sich die Männer von heute anschauen …

… muss ich mich langsam darauf einstellen, dass meine Kursteilnehmer nicht mehr nur davon reden, die Rollen zwischen Mann und Frau aufzulösen. Sie tun es. Eine tolle Entwicklung. Aber auch die Mütter müssen mitspielen.

Wieso sollten sie nicht?

Vielen Müttern fällt es schwer, die Verantwortung abzugeben – obwohl sie eine gleichberechtigte Beziehung möchten. Da klafft eine Lücke zwischen Theorie und Praxis. Die Frauen müssen den Männern mehr vertrauen. Und die Männer müssen zeigen, dass sie sich selbst zutrauen, dann den Bedürfnissen eines Säuglings gerecht zu werden.

"Weg von den Fakten, hin zu ihren Erwartungen. Männer sollten untereinander über das Vatersein sprechen"

Alexander Kusinski ist Sozialarbeiter und lebt in Berlin. Infos zu den Väterkursen: beratung-im-kontext.de

Barbara

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