Xennials - Warum es großes Glück ist, zwischen 1977 und 1985 geboren zu sein

Nach einer analogen Kindheit brach für uns eine digitale Jugend an... Obwohl wir irgendwo zwischen der Generation X und der Generation Millenials liegen, haben wir einen eigenen Namen. Zu Recht. Denn wir sind weder Millennials, noch 70er-Kids und trotzdem irgendwie beides.

von Marie Stadler

Ich bin 1984 geboren, also in dem Jahr, in dem laut Orwell die Zukunft stattfand. Immer, wenn ich über "meine Generation" lese, ist das ein bisschen komisch. Erstens, weil sich die Experten ziemlich uneinig sind, ob ich denn nun zu der pessimistisch-melancholischen Generation X gehöre, oder ob man mich schon guten Gewissens zu den grenzwertig optimistischen Millennials zählen darf. Und zweitens: Weil ich weder das eine, noch das andere akzeptieren würde. Die Wahrheit ist: Beides ist nicht wahr. Oder beides ist wahr. Wer zwischen 1977 und 1985 geboren ist, den kann man nicht in eine Schublade stecken. Da braucht man schon zwei. Glücklicherweise hat das mittlerweile auch die Wissenschaft erkannt und uns einen eigenen Namen gegeben: Wir sind die XENNIALS. Die Dazwischen-Generation, die einen eigenen Namen verdient. 

Unsere analoge Kindheit

Als wir klein waren, da gab es bei den meisten von uns noch nicht mal einen Computer im Haus. Wir drehten mit Bleistiften die Bänder unserer Kassetten wieder auf, spielten den ganzen Tag draußen oder mit Playmobil und ließen uns abends maximal von der Sesamstraße berieseln. Auf Fotos sehen wir schon ähnlich geschmacksbefreit aus wie die 90er-Kids, aber technisch waren wir noch vom Autotelefon des reichen Nachbarn geflasht und hielten TETRIS für ein spannungsgeladenes Actionspiel.

Dann wurden wir größer und die Telefone immer kleiner

Ich erinnere mich noch an das Telefon meiner Kindheit. Es hatte eine Drehscheibe, war grün und seine lange gezwirbelte Schnur verhedderte sich immer in den Beinen, wenn man auf Mamas Schoß gekrackselt ist, während sie auf dem Telefonstuhl saß. Telefonstuhl... herrlich, oder? Irgendwann kam ein Tastentelefon ins Haus, dann gab es plötzlich keine Schnur mehr. Als ich 16 war, kaufte ich mir schließlich mein erstes monströses Handy: Ein Philips Savvy. Ein paar Jahre später dann ein Nokia 7210, auf dem man Snake spielen konnte. Was für meine Tochter heute die Höchststrafe wäre, war für mich damals das Allergrößte. Es war das erste Mal, dass ich das Gefühl hatte, meine eigenen Eltern digital abzuhängen. Ich war die Königin des SMS-Schreibens, konnte sogar blind unter dem Tisch texten. Ich fühlte mich sowas von am Nabel der Zeit. Und das war ich ja auch.

Warum Xennials eine verdammt abgefahrene Generation sind

Der Begriff "Xennials" wurde zum ersten Mal 2014 in einem Artikel der Autorin Sarah Stankorb im Magazins Good verwendet, um die Generation zwischen der Generation X und den Millennials noch einmal gesondert zu betrachten. Sie selbst sei "froh, ein Xennial zu sein", schreibt sie. Warum sie das ist? Mir fallen da eine Menge Gründe ein...

1. Ich möchte meine analoge Kindheit nicht missen. Schätzungsweise hat der Gameboy kein Kinderleben besser gemacht.

2. Ich bin froh, dass mich die digitale Welt trotzdem nicht erst im Erwachsenenalter verwirrte. Als Teenie verwirrt einen eh alles. Ich hab das nicht mal gemerkt, dass alles anders wurde.

3. Am 11. September 2001 war ich schon 17, den Kalten Krieg hab ich aber fast gar nicht mehr mitbekommen. Meine Kindheit war gefühlt also für alle eine sehr sorglose Zeit.

4. Vergiss die 80er und vergiss die 2000er. 90er-Partys sind aus guten Gründen noch immer die geilsten Partys. Aus sehr guten Gründen!!! Wir dürfen mit Stolz sagen: Der Soundtrack unserer Jugend ist der geilste von allen.

5. Wir waren immer Pioniere. Wir kennen noch Disketten, das Modem-Geräusch, ICQ, Studi-VZ und myspace. Wir sind es gewohnt, dass die Welt sich schnell dreht. Deshalb kommen wir auch heute noch mit, wenn unsere Kinder uns von ihrer Realität erzählen.

6. Nach der Schulzeit direkt in den Beruf wie die Generation X? Nicht mit uns! Wir hatten schon den Selbstverwirklichungsdrang der Millennials im Blut und haben was von der Welt gesehen.

7. Wir sind nachgewiesenerweise optimistischer als die Generation X, aber nicht so größenwahnsinnig und übereuphorisch wie unsere jüngeren Geschwister. 

Diese Liste ließe sich endlos erweitern. Aber um es auf den Punkt zu bringen: Wir haben das Beste aus beiden Welten bekommen. Oder wie Sarah Stankorb es sagt: "Wir sind im Morgengrauen geboren". Das klingt nicht nur schön. Das ist es auch. Wir sind wirklich Glückspilze, im Morgengrauen einer neuen Zeit geboren. Und das Beste ist: Wir wissen das auch.

Wer hier schreibt:

Marie Stadler

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Mitte der 80er geboren? Darum hat unsere Zwischen-Generation einen eigenen Namen
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