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Erst die anderen? Mach doch, was DICH glücklich macht

Glücklich sei: Frau streckt beide Arme in die Luft
© Marian Weyo / Shutterstock
Unsere Autorin will es immer allen Recht machen. Ihre höchste Priorität? Alle sollen glücklich sein. Bis sie merkt, dass diese Mission zum Scheitern verurteilt ist. 
Von Hannah Fiebig

Wenn andere fragen, ob ich heute lieber Eis essen möchte oder im Park spazieren gehen will, ist es mir in erster Hinsicht am wichtigsten, das zu machen, worauf der andere am meisten Lust hat. Ich passe mich da gerne an. Wenn du glücklich bist, bin ich es auch. Erst die anderen, dann ich. Eigentlich eine ganz schöne Charaktereigenschaft, alle glücklich zu machen – bis man merkt, dass das gar nicht möglich ist.

Mission Impossible! 

Noch ein Beispiel: Meine beste Freundin hat mich ausgewählt, ihren Junggesellinnenabschied zu planen. Kurze Zeit später befand ich mich in einer Whatsapp-Gruppe mit 17 anderen Mädels und 12567 verschiedenen Vorschlägen, den JGA zu gestalten. Meine Mission: Plane den perfekten Tag, gehe auf alle Ideen ein und sei flexibel für Anregungen. Kurz: Mache alle glücklich! Dass das Ganze in Tränen, Schweißausbrüchen und schlaflosen Nächten endete, muss ich euch nicht erzählen, denn jeder normale Mensch hätte mir das auch schon davor prophezeien können. 

Von der Last, gefallen zu wollen 

Das Problem solcher Zu-allem-Ja-und-Amen-Sager (mich mit eingeschlossen) ist es, gemocht werden zu wollen – am liebsten von allen. Man möchte nicht das Biest sein, dass immer den Ton angibt und dabei anderen womöglich noch auf den Schlips tritt. Es gibt einfach Menschen, die freuen sich mehr darüber, wenn sie nachgeben und den anderen damit glücklich machen. Andere wiederum macht es glücklich, ihre Vorhaben zu verfolgen und freuen sich, wenn die anderen sich anpassen. Ich zähle zu Ersteren. Ich passe mich an. Mein Bedürfnis nach Harmonie ist unglaublich groß. Im Grunde habe ich schlichtweg Angst, Fehler zu machen und dadurch womöglich der Auslöser für Auseinandersetzungen zu sein. 

You can't be everybody's Darling

Lasst mich euch eins sagen: Dieser Trieb ist furchtbar anstrengend. Dann am Ende kann man es wirklich nicht allen recht machen. Ich möchte auch mal lockerer sein, meine Meinung kund tun und sagen, wenn mir etwas mega gegen den Strich geht. Ich möchte versuchen, ab und an die eigene Zufriedenheit über die der anderen zu stellen, auch, wenn es nicht immer leicht ist. Aber das nennt sich dann gesunder Egoismus. Einfach mal frei machen von dem Glauben, immer zu "müssen". Nein, dann gibt es eben keine bunten Konfetti-Kanonen und passende Unterhosen am Junggesellinnenabschied. Und es ist okay, wenn mich Person X, Y und Z deswegen nicht leiden können. Dafür habe ich dann die Personen A-W, die mich toll finden. Und der Gedanken, dass es immer Leute gab und geben wird, die einen nicht mögen – und einem letztendlich nie wirklich etwas Schlimmes deswegen widerfahren ist, ist unglaublich befreiend.


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