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Giovanni Zarella im Gespräch mit Barbara "Für die Liebe zu meiner Frau brauche ich meine Luft."

Giovanni Zarella: Barbara und Giovanni umgeben von roten und pinken Luftballons
© Frank Schemmann / Barbara
Bitte keine Klischees: Aber wenn Amore auf dem Themenplan steht, lädt man wohl besser einen Italiener ein. Der zurzeit gefragteste hat Sì gesagt

Barbara: Giovanni! Was war das Letzte, das du aus Liebe getan hast?

Giovanni: Ich tue ja fast alles aus irgendeiner Art von Liebe, aber wenn du es so genau wissen willst: Autofahren, letzte Nacht.

Okay … Das hätte ich dann doch jetzt gern erklärt.

Meine Tochter ist acht, und die wickelt mich komplett um den Finger. Die sagte gestern zu mir: "Papa, du holst mich doch morgen von der Schule ab, oder?"

So weit, so normal.

Aber ich war gestern beruflich in München und sie hier zu Hause in Köln. Und statt heute Nachmittag ganz gemütlich mit dem Flieger in Köln einzuschweben, wie es geplant war, habe ich mir doch noch gestern Abend einen Mietwagen bestellt und bin gefahren. Um vier am Morgen war ich zu Hause.

Ooohhhh … Giovanni, ich verstehe das so gut. Man kann sie gar nicht genug lieben. Ich habe auch eine Achtjährige, die könnte ich den ganzen Tag nur küssen. Sie hat die Welt wirklich besser gemacht, seit sie da ist.

Deine Welt?

Die ganze Welt. Es gibt übrigens ein Zitat, die Liebe betreffend, über das ich in letzter Zeit ein bisschen nachdenken musste.

Raus damit!

Okay: "Die Liebe besteht nicht aus den Momenten, in denen wir atmen, sondern aus jenen, in denen sie uns den Atem raubt." Wer hat’s gesagt?

Puh. Keine Ahnung. Bob Dylan?

Guter Versuch. Nein, es war Will Smith. Oder vielmehr seine Rolle in "Hitch – Der Date Doktor".

Haha, nicht schlecht … Den Film habe ich gesehen, an das Zitat kann ich mich nicht erinnern. Vielleicht, weil ich mir spontan nicht sicher bin, ob es stimmt.

Wieso?

Weil du diese Momente nur am Anfang brauchst, da ist das Atemrauben der Treibstoff für das, was sich eventuell entwickelt. Aber für die Liebe zu meiner Frau brauche ich meine Luft.

Ich bin an diesem Satz nur so hängen geblieben, weil ich auch nach über zwölf Jahren Ehe solche Momente immer wieder erlebe. Wenn mein Mann die Treppe herunterkommt …

Mehr braucht es nicht?

Na, er kann wirklich sehr gut die Treppe heruntergehen. Oder aus dem Auto steigen, in den Raum kommen – ich freue mich jedes Mal.

Wie schön. Und andersherum?

Also, davon gehen wir mal lieber aus, oder? Wobei: Er will mir abgewöhnen, dass ich mich von ihm verabschiede, jedes Mal, wenn ich das Haus verlasse – er arbeitet momentan im Homeoffice und will nicht dauernd gestört werden. Aber ich sage ihm dann bloß, dass ich niemals damit aufhören werde.

Mach das auch nicht. Bei uns wäre das ohnehin nicht vorstellbar. Da ist es kitschig, romantisch, verliebt, und zwar die ganze Zeit. Wenn ich das Haus verlasse, fangen wir fast sofort an, uns zu schreiben, wie sehr wir uns vermissen.

Und das nach 16 Jahren Ehe im Showgeschäft. Ich sehe schon: Da ist wahre Liebe im Spiel.

Ja, und die wird auch deshalb nicht weniger, weil wir wirklich … na ja: lieb zueinander sind. Aber vielleicht noch wichtiger: Wir sind niemals respektlos.

Das heißt, ihr streitet euch nie?

Doch, klar. Meine Frau ist Brasilianerin, ich bin Italiener, wir sind klischeehaft intensiv, können beide temperamentvoll sein. Aber wir haben immer Respekt voreinander und sagen nie Dinge, die wir bereuen und nicht mehr zurücknehmen können. Was ist denn euer Erfolgsgeheimnis?

Es ist die tiefe innere Überzeugung, dass es in der ganzen weiten Welt keinen Menschen gibt, mit dem ich lieber Zeit verbringen würde. Und ich weiß einfach, dass kein Mann existiert, bei dem ich denken würde: Der wär eine ernsthaft denkbare Alternative.

Kein einziger?

Keiner, bei dem ich die Konsequenzen bis zum Ende durchdeklinieren würde. Also: Scheidung, den Mann verlieren, aber auch die ganze Familie und das Leben, das da mit dranhängt – das finde ich derart unvorstellbar. So einen kann es nicht geben. Da machen die Nähte an der Hose den Unterschied.

Wofür steht das jetzt?

Ich glaube: für Perfektion. Ich finde ihn perfekt bis an die Hosennaht, und das wiederum steht dafür, dass ich diesen Mann in seinem tiefsten inneren Kern liebe. Alles an ihm. Wie der geht, wie der sitzt, wie der guckt, wie der die Beine übereinanderschlägt … Und dann ist da noch etwas.

Noch mehr? Wirklich?

Ja. Ich denke immer: Der würde alle plattmachen, wenn es drauf ankommt. Er ist der schlaueste Mensch, den ich kenne, und er würde mich aus jedem brennenden Haus retten … Ja, ich gebe es zu: Ich bin auch empfänglich für körperliche Stärke.

Mein Bruder und ich haben uns gerade darüber unterhalten. Er fragte mich: Fra, was ist das Wichtigste, das man einer Frau geben kann?

Fra?

Italienische Kurzform für Bruder. Jedenfalls habe ich ihm gesagt: Sicherheit. Für sich, für die Familie.

Bevor wir jetzt in ein schiefes Fahrwasser kommen: Du meinst hoffentlich nicht die materielle Absicherung, für die Männer sorgen sollen?

Nein, das bekommt Janaína selbst hin, sie war immer und ist noch erfolgreich in dem, was sie tut. Ich meine die Sicherheit, das auch sein zu können mit zwei Kindern und den Erwartungen und Bedürfnissen einer Familie. Und ich hatte am Anfang echte Zweifel, dass ich ihr geben kann, was sie braucht.

Wie das?

Im Jahr nach unserer Hochzeit 2005 trennte sich meine Band Bro’Sis, und darauf folgten zwei, drei schwere Jahre für mich, weil ich überhaupt nicht wusste, wie es für mich weitergehen soll. Bei Janaína dagegen lief es richtig gut. Da habe ich mich gefragt: Was, wenn sie jetzt Kinder will – kann ich für Stabilität sorgen? Ich habe mir viele Gedanken gemacht, das Thema hat mich sehr beschäftigt.

Obwohl es doch eigentlich noch gar kein Thema war?

Ja, aber es war in meinem Kopf. Ich wollte in jeder Form der Mann sein, auf den sie sich verlassen kann, so wie mein Papa der Mann war, auf den sich meine Mama ein Leben lang verlassen konnte. Heute bin ich dieser Mann, zu 100 Prozent. Und Janaína weiß, dass ich meine Familie beschützen würde wie ein Löwe, wenn es darauf ankäme. Und ich finde es wunderbar, dass du so ähnlich über deinen Mann sprichst.

Mit einem Unterschied: Ich würde niemals denken, dass ich Sicherheit gesucht habe. Die habe ich aus mir selbst gezogen. Aber vielleicht ist da ja doch was dran, auf eine unbewusste, eine ideelle Art.

Ich meine auch nicht nur das Gefühl: Mir wird hier nichts passieren. Sondern: Das hier geht nicht kaputt. Das kann bleiben, für immer.

Dann meinen wir doch dasselbe. Denn emotional verspüre ich in meiner Beziehung genau diese Sicherheit. Und über die bin ich echt froh, denn die hatte ich lange in meinem Leben nicht.

Wie meinst du das?

Na ja, ich habe vieles in der Liebe ausprobiert. Und festgestellt: Das eine will ich nicht, das andere auch nicht, dieses hier sowieso nicht … Ich habe früher immer die Andersartigkeit gesucht, ich fand Männer aufregend, die das totale Gegenteil von mir waren. Aber das hat mich nach drei Monaten wahnsinnig gemacht.

Und dann?

Habe ich gemerkt, wie schön es ist, wenn man dieselben Prioritäten setzt. Wenn man den Tag auf eine ähnliche Art gestalten will. Sich nicht ständig darüber auseinandersetzen muss, ob es im Urlaub ans Meer oder in die Berge geht.

Das ist auch immer eine Frage des Timings. Ich habe Janaína bereits 2001 kennengelernt. Aber da wollte ich es krachen lassen, und sie war wahrscheinlich auch noch anders drauf als heute. Wären wir damals schon zusammengekommen – das hätte im Leben nicht gehalten.

Ihr brauchtet noch ein paar Runden zum Rumtollen auf der Hundewiese.

Genau. Und das finde ich das Verrückte: Kann sein, dass es genau diesen einen Menschen für dich da draußen gibt – aber du musst ihn auch zu einem Zeitpunkt treffen, an dem es für beide passt.

Und sich das, was man vom Leben will, einigermaßen deckt.

Ja, dieselben Werte teilen, sonst wird die Luft dünn.

Was wäre das bei dir?

Familie. Als Beispiel: Würde ich mich mit Janaínas Mutter nicht verstehen, würde das unsere Beziehung sicherlich sehr belasten. Andersrum genauso, wenn sie sich mit meinen Eltern nicht verstehen würde – unvorstellbar.

Aber sie liebt deine Eltern.

Ja! Und das ist Teil des Wurzelwerks, das mich darauf hoffen lässt, dass ich mit dieser Frau zusammen bin, bis ich für immer meine Augen zumache. Die Kinder, gemeinsame Erlebnisse, unser Wertesystem: alles Wurzeln, die du nicht so einfach entfernen kannst. Im besten Fall: gar nicht. Ich freue mich aufs Älterwerden mit ihr. Ich sehe sie so wie du deinen Mann.

Du meinst die Sache mit der Hosennaht?

Genau. Ich liebe, wie Janaína sich anzieht, wie sie Brote schmiert, wie sie aussieht …

Netter Versuch, Giovanni. Jeder liebt, wie deine Frau aussieht. Sie ist auch nach objektiven Maßstäben nichts anderes als perfekt.

Okay, stimmt … Das zählt dann vielleicht nicht.

Doch, tut es. Aber wo du gerade schon Mama und Papa Zarrella erwähnt hast: Auch das ist ja eine große Liebe.

Das stimmt. Die sind beide als Kinder von Italien nach Hechingen gezogen, tiefstes Schwabenland. Als Teenager sind sie zusammengekommen und sind es immer noch. Aber auch für die beiden steht die Familie über allem. Weißt du, was die vor ein paar Jahren gemacht haben?

Was denn?

Sie haben fast ihr ganzes Leben in Hechingen verbracht, sich dort kennengelernt, verliebt, geheiratet, Kinder bekommen, ein Restaurant betrieben. Die waren da tief verwurzelt. Haben aber 2011 entschieden: Die Familie muss am selben Ort leben, basta. Und sagten dann: Giovanni, wir ziehen zu dir nach Köln. Sogar mein Bruder und meine Schwester kamen mit.

Wow.

Genau. Für mich war das ein Traum, aber ich hatte auch total Schiss: Die geben alles auf, kommen her, aber ich bin ständig unterwegs, und dann sitzen sie allein hier und fragen sich irgendwann, ob es das wert war, dafür ihr bisheriges Leben, ihr Restaurant aufzugeben. Das war meine Angst.

Und dann?

Ist das Gegenteil passiert. Sie haben hier einen neuen Laden aufgemacht, immer nur von Mittag bis 17 Uhr. Das Ding ist aus allen Nähten geplatzt, meine Mutter war die Königin. La Mamma hier, la Mamma da! Als sie nach fünf Jahren zugemacht haben, weil der Vermieter etwas anderes vorhatte mit dem Lokal, sind die beiden mit Blumen und Geschenken überschüttet worden. Meine Mutter hat hinterher zu mir gesagt: Diese Liebe, diese Zuneigung, diese Aufmerksamkeit – das haben wir in Hechingen in 40 Jahren nie gehabt.

Wie toll!

Ja. Sie lieben es, in Köln zu sein, bei all ihren Enkelkindern, bei uns.

Ich hätte meine Eltern auch gern bei mir. Und meine Schwiegereltern auch. Hach, Giovanni, wir haben so viel gemeinsam, das war schön mit dir! Eine letzte Frage hätte ich aber noch an dich als Sänger.

Okay. Welche?

Welches ist das beste Liebeslied aller Zeiten?

Oha. Das ist hart. Du zuerst, bitte.

Alles klar. Für mich ist es "One" von U2.

Schon sehr schön. Aber bei mir muss es natürlich etwas Italienisches sein.

Ich wäre enttäuscht, wenn es anders wäre. Also?

"Se Bastasse Una Canzone" von Eros Ramazzotti. Wenn es einen Song gibt, der Liebe regnen lassen könnte: Das wäre er.

Stephan Bartels, immer Begleiter und Protokollant dieser Gespräche, findet gerade, dass "Balu" von Kettcar das beste Liebeslied der Welt ist.

Barbara

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