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Guilty Pleasures im Haushalt Nicht ohne meine Kramschublade

Guilty Pleasures im Haushalt: Krams-Schublade
© Kathleen Finlay / Getty Images
Irgendwann ist es für jeden von uns so weit: Wir müssen erwachsen werden. Und dazu gehört auch ein ordentliches Leben, oder? Wir haben mal bei unseren Kollegen nachgefragt. Und herausgefunden, dass jeder von uns das ein oder andere Guilty Pleasure im Haushalt hat...

Eine Tafel Schokolade am Abend, die neueste Reality-TV-Show durchbingen oder stundenlanges Lesen von Testberichten im Internet – wir haben alle Angewohnheiten, auf die wir nicht stolz sind, die uns aber trotzdem auf eine schrullige Weise glücklich machen. Guilty Pleasures sind Laster, die wir lieber für uns behalten – aber ohne wollen wir dann doch oft nicht. 

Nicht ohne meine Kramschublade

Die Idee war eigentlich, einen Artikel über Dinge zu schreiben, die man als erwachsene Person nicht mehr im eigenen Haushalt braucht. Abgeschweift sind wir dann in beinahe nostalgischer Offenheit zu den Dingen in unserem Haushalt, die meist chaotisch und rumpelig sind, auf keinen Fall aber ordentlich oder aufgeräumt. Und die wir trotz Marie Kondo nicht missen wollen: 

1. Halb-und-halb-Geschirrsets 

Ommas alte Lieblingstasse, der 0,5-Liter-Bierbecher vom Konzert von 1995, eine Müslischale mit hässlichem Smiley, die wir aber von unserer Lieblingstante geschenkt bekommen haben: Wohl nur die wenigstens von uns haben passende Tee-Services zum Tischgeschirr nebst top poliertem Tafelsilber. Meist erinnert der Inhalt heimischer Küchenschränke eher an ein Wimmelbild als an eine ordentliche Aneinanderreihung passender Porzellanteile – dafür ist unser kunterbuntes Geschirr mit Liebe und Erinnerungen kuratiert. 

2. Der Stuhl, irgendwo unter'm Klamottenhaufen

Müssen wir eigentlich noch mehr sagen? Wohl kaum. Wahrscheinlich ist es ein unumstößliches Naturgesetz, dass in jedem Schlaf- oder Ankleidezimmer dieser Welt mindestens ein Gegenstand stehen muss, der die zu-gut-für-die-Wäsche-aber-nicht-gut-genug-für-den-Schrank-Klamotten tragen muss. Ganz egal, ob klassisch (der Stuhl), sportlich (der unbenutzte Heimtrainer) oder gemütlich (der Sessel – oder für die ganz Waghalsigen gleich ein ganzes Sofa) – wir möchten ihn nicht missen, unseren starken Lebensretter, Klamotten-Aufbewahrer, der Fels in der Brandung für unsere Kleidungsstücke. 

3. Es rumpelt in der Kammer

Glücklich die Glücklichen, die den Luxus einer eigenen Abstellkammer in der Wohnung genießen dürfen! Denn wo wir uns als Studenten halbwegs kreative Aufbewahrungsmöglichkeiten für Wäscheständer, Bierkisten und diverse ungenutzte Küchengeräte (Denn wer benutzt seinen Sandwich-Maker schon mehr als ein Mal im Jahr?) überlegen mussten, steht heute der glorreiche Abstellraum. Der – egal, wie groß oder klein er sein mag – alles fasst, was wir mal eben aus dem Weg räumen müssen, zur Not auch mit einem ordentlichen Tritt gegen die Tür, damit die auch zu bleibt. Und der die Hälfte der damals ungeliebten Gegenstände unwiederbringlich verschwinden lässt, gerade dann, wenn man sie mal braucht. Ob das an unserem Ordnungssystem liegt? Wohl kaum, das gibt's nämlich nicht. Dafür aber die ein oder andere Überraschung beim Ausmisten.

4. Die Schlüssel-Post-Haargummi-Ramsch-Ablage

Wo ist der Haustürschlüssel noch gleich? Im kleinen Korb in der Küche, direkt neben Kaugummi, Haarspange und anderen Kuriositäten, nach denen wir im Alltag spontan verlangen könnten. Denn egal ob Schüssel, Korb oder Schälchen – hier findet alles seinen Platz, was uns sonst zu schnell verloren geht. Und so findet die scheinbare Unordnung Ordnung. Von wegen, wir hätten kein System! 

5. Die etwas zu trockenen Mitbewohner

Pflanzen machen das traute Heim viieel wohnlicher, sind gut für die Luft und sehen einfach hübsch aus. Blöd nur, dass die alle was anderes wollen: Bitte viel Wasser, nein, das war zu viel, hier ist mir zu wenig Sonne, hier ist es zu warm, spinnst du?! Zum Glück können sie nicht reden. Leider vergessen wir sie dann im Eifer des Gefechts und können am Ende nur noch traurig über die braunen Blätter streicheln. Aber hey, das sind trotzdem Lebewesen! Die entsorgt man nicht einfach, schließlich haben sie auch Gefühle. Die vertrockneten Pflanzen: Ein Mahnmal des Vergessens – und des letzten Hoffnungsschimmers. 

6. Krimi, Kitsch und Kokolores

Da waren die Augen mal wieder größer als der sprichwörtliche Magen: Der altbekannte Die-lese-ich-noch-Bücherstapel neben dem Bett, dem Sofa oder im Regal wächst und wächst und wächst – und das, obwohl wir uns doch fest vorgenommen haben, mehr zu lesen! Wenn es doch nur so einfach wäre... Dabei lassen uns richtig gute Bücher in fremde Welten entfliehen, wir können Abenteuer erleben, uns neu verlieben oder mit jeder Seite etwas Neues dazulernen. Und woher die Zeit dafür nehmen? Tja, die müssen wir uns wohl oder übel im Alltag freischaufeln. Um direkt fünf neue Schätze zu sammeln, wenn wir ein Buch ausgelesen haben! 


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