VG-Wort Pixel

Haustierliebe Ich muss nicht alle eure Hunde lieben

Haustierliebe: Hund hält sich Pfote vors Auge
© SeventyFour / Shutterstock
Ja, auch unsere Autorin findet Vierbeiner toll. Aber nicht, dass die meisten ihrer Freunde sich in Vollzeit-Haustierhalter verwandelt haben.

Na, was bist du denn für einer? Nein, nicht der Labrador, sondern der Typ am anderen Ende der Leine, der ignoriert, dass sein Tier auf den Grünstreifen geschissen hat. Ich belle: "Hey! Ja, SIE! Sie wollen das doch nicht da liegen lassen?", und hasse mich dafür. Doch noch mehr hasse ich Hundekacke am Schuh – und die vielen neu erweckten "Dog Mums" und "Dog Dads", die ihrem Familienzuwachs Autositze, Betten, Schlafanzüge und Fahrradanhänger kaufen, sich aber fernhalten, wenn der Liebling was fallen lässt. Sie sind eben neu im großen Geschäft. Manche waren mal meine Freunde.

So wie die Welt einst zerriss in Menschen mit und ohne Kinder, stehe ich tierfrei plötzlich alleine da. Fast alle haben sich erstmalig Hunde ins Haus geholt. Etliche sogar Zweithunde, als sie merkten, dass ein Welpe sich nicht von alleine erzieht und beschäftigt. Die beiden sollen sich als Minirudel gegenseitig bespaßen und sozialisieren. Eltern, die ein zweites Kind bekommen haben, damit das erste "immer wen zum Spielen hat", wissen es besser.

Zu den gut zehn Millionen Hunden in Deutschland kamen letztes Jahr 1,6 Millionen dazu – und ein paar Katzen: um beim "Stay at home" treu Gesellschaft zu leisten, den Nachwuchs zu beschäftigen, mit dem Kuscheltier die eigenen Nerven zu streicheln. Und als Grund, Tag und Nacht legal draußen herumzulaufen. Hundebesitzer sind ja eine Welt für sich. Leider nicht für mich: Ich bin die ausgeschlossene Gesellschaft, da ich strikt ablehne, mir von dem schlabbernden Tier "Küsschen geben zu lassen". Mit Zunge. Auf den Mund. Ich finde das ekelig – die neuen Hundebesitzer finden mich doof und wollen mich belehren, das würde mein Immunsystem stärken. Da lachen ja die Würmer! Ich mag Hunde. Aber ich bin knurrig, dass sie mir meine Menschen entfremdet und entfreundet haben: Weil ich nicht als Ansprechpartnerin für Themen wie das richtige Futter, die falsche Erziehung, den besten Tierarzt oder Hundefriseur tauge. Das Wort "Leckerli" ertrage ich nicht, den Gestank getrockneter Putenhälse, Rinderkopfhaut oder Schweineohren als "Naturkausnacks" in den Jackentaschen überzeugter Veganerinnen noch weniger. Ironischerweise vermehren sich Hunde ausgerechnet da, wo viele Menschen bewusst fleischlos leben, Autos und Plastik vermeiden, um Massentierhaltung und CO2-Ausstoß zu minimieren. Mit wem oder was werden die Tiere wohl gefüttert?

Was hatte ich mich darauf gefreut, all meine Freundinnen wiederzutreffen! Aber ihre "Fur Babies" halten sie an der kurzen Leine. In Wirklichkeit werden, nein, sind Hundebesitzer von ihren Hunden besessen. Ohne die gehen sie nicht vor die Tür – und erst recht nicht für ein ganzes Wochenende auf Tour.

Doch jetzt weiß ich, wie ich euch kriegen kann: Da das Office wieder zunehmend außerhalb des Homes liegt, suchen Hundehalter so verzweifelt nach Betreuern wie junge Eltern einen Kitaplatz. Vielleicht sollte ich einen Trainerschein machen. Dann werdet ihr rudelweise zu mir zurückkommen.

Barbara

Mehr zum Thema