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Neuer alter Trend Warum sind superdünne Models wieder angesagt?

Neuer alter Trend: Warum sind superdünne Models wieder angesagt?
© IMG Stock Studio / Shutterstock
Kaum haben wir es uns in unserem Corona-Kokon gemütlich gemacht, poppen auf unseren Bildschirmen wieder superdünne Models auf. Was soll das? 

Jetzt hatten wir es uns gerade endgültig gemütlich gemacht im Homeoffice - in tröstlicher Kühlschranknähe mit sich gutmütig dehnenden Jogginghosen, leise rieselndem Nagellack und rapide schwindendem Selbstoptimierungswillen. Und stellten fest, dass das Leben echt bequem sein kann, wenn man die Geißeln der Frauen mal weglässt: BHs und Absätze, Klunker und Kontaktlinsen, figurbetonende Blusen, „Skinny Jeans“ ... . Schon seit Monaten fühlen wir uns frei wie die Männer, die sich unter keinen Umständen in irgendwas Unbequemes reinzwängen würden, nur um ansprechend auszusehen. Herr, lass fahren!

Doch neuerdings schleicht sich altes Ungemach in unseren heimischen Corona-Kokon: In den Werbeanzeigen auf Instagram und Co. poppen urplötzlich wieder Models auf, deren Beine wenn überhaupt nur halb so dünn sind wie die der Durchschnittsfrau. Hatte man nicht mehr gesehen seit die „Body Positivity“ ausgebrochen ist: „Frauen, liebt euren Körper, wie er ist!“, lautete jahrelang die Ansage, und wir rieben uns die Augen vor Plakaten, auf denen normale Frauen großräumige Unterwäsche präsentierten. Selbst Barbie hat mitgemacht bei der Selbstakzeptanz und ein paar Gramm zugelegt.

Versteht mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen dünne Frauen, jede soll essen, so viel oder so wenig sie will - aber warum fällt uns ausgerechnet in der Pandemie, wo auch wir Frauen endlich in den Genuss leiblichen Komforts kommen, der Backlash mit seinen ungesunden Schönheitsidealen ins Haus? Der Anblick der superdünnen Models lässt unseren Blick gleich doppelt kritisch über den eigenen wabbeligen Lockdown-Körper wandern und vermasselt uns unsere neu gewonnene Happy-Hippo-Seligkeit. 

Was soll das!?

Will man uns netterweise darauf hinweisen, dass wir uns beim Kühlschrankleeren langsam mal am Riemen reißen sollten, weil bald wieder ein "Bikini-Sommer" vor der Tür steht? Oder kommen die teilweise gefährlich dünnen Frauen im Namen von "Diversity" zu uns reingeschneit, dem Trend zur Vielfalt, der migrantischen, queeren, alten und gehandicappten Menschen die lange verwehrte Sichtbarkeit verschaffen will – und nun auch magersüchtigen Frauen?

Ich glaube eher: Man will uns daran erinnern, wo unser Platz ist. Gerne in der Küche, aber bitte nicht am Esstisch, da werden wir bloß dick und unansehnlich. Oder gar am Kopf eines Konferenztisches, da stören wir nur. Hungrig sollen wir wieder sein, denn wer Kalorien zählt, hat keinen Kopf für Karriere. Und die ist ja schon für die Männer reserviert. Ich spiele da nicht mehr mit. Weil ich gerade am eigenen Leib erfahre, wie gut ein Mann es hat: Jogginghose und so. Kapuzenpulli in XL, bisschen Bauch. Und immer ein Stapel TK-Pizzen im Gefrierfach.


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