Hilfe, mein Mann geht einkaufen

Unsere Autorin vertraut ihrem Mann hundertprozentig. Außer er geht einkaufen. Da passieren die merkwürdigsten Dinge.

von Marie Stadler

Mein Mann ist sehr klug, sehr nett und in vielen Dingen sehr talentiert. Das sei mal allem vorangestellt. Wenn ich nämlich über das allgemeine Einkaufsverhalten meines mir Angetrauten spreche, könnten an all diesen Attributen recht schnell Zweifel aufkommen.Und das will ich natürlich nicht. Aber wenn mein Mann vom Einkaufen kommt und seine Schätze auf dem Esstisch ausbreitet, dann ist das für manche amüsant, für andere ein Rätsel, für mich persönlich immer wieder ein Moment, in dem ich mich frage, wer dieser Mann in meinem Haus eigentlich ist und warum er um Gottes Willen einen Schlüssel zu meiner Wohnung hat.

Es gibt heute Smoothies mit Grünkohl und Lachs

Das schlimmste Szenario ist ein Einkauf ohne Einkaufsliste. Sobald mein Mann einen Supermarkt betritt, gibt er erst einmal sein logisches Denkvermögen, seine Erinnerung an alles je Gewesene und das Wissen um unseren Kontostand an der Information ab. Was ihm dann noch bleibt? Das Lustprinzip. Er rollert pfeifend durch die Regale und räumt wie ein Fünfjähriger alles in den Wagen, was ihn gerade anlächelt. Ein Konzept gibt es dabei selbstverständlich nicht und so kann es mitunter vorkommen, dass wir nach seinem Shoppingvergnügen zwar sieben verschieden Aufschnitte im Haus haben, aber leider keine einzige Scheibe Brot. Ist ja nicht seine Schuld! Das Brot hat nicht gelächelt und ich hätte ihm das ja mal sagen können, dass wir Brot brauchen. Kann man ja nicht wissen mit drei Kindern, die alle morgens zwei Scheiben Brot in ihre Pausenbox brauchen. Auch blendet mein Mann insgesamt den Geschmack unseres Nachwuchses und jegliche Essenkonvention einfach aus. Wozu braucht man Kartoffeln oder solchen Firlefanz, wenn man doch einfach Grünkohl mit Lachs und Smoothies essen kann? Wie, das mögen die Kinder nicht? Woher soll er das wissen? Da bin ich jetzt auch ratlos. 

Eigentlich noch schlimmer: Die Einkaufsliste

Sagte ich, dass das schlimmste Szenario ein Einkauf ohne Liste ist? Stimmt eigentlich gar nicht. Mit Liste wird es noch schlimmer. Das liegt daran, dass wenigstens Hoffnung auf einen einigermaßen normalen Kühlschrankinhalt besteht. Und Hoffnung ist – was dieses Thema betrifft – ein Garant für Enttäuschungen. Wobei auch mit Einkaufsliste eine gewissen Regelmäßigkeit in den Fauxpas zu erkennen ist.

Die Klassiker

1. Der Fettgehalt

"Wie, Vollmilch hat 3,8 Prozent Fett? Dass hier nur 0,1 Prozent drin sind, das schmeckt man doch gar nicht!"

2. Hups, das Fleisch hat 32 Euro gekostet

"Du hast doch geschrieben, ich soll Steak kaufen... und das No 1 Dry Aged aus Südostargentinien sah so gut aus."

3. Keine Ahnung, was das sein soll. Und was ich nicht kenne, kaufe ich nicht.

"Hä, was zum Teufel soll ein Bratenschlauch sein? Kannte ich nicht. Wusste nicht mal, wo das steht."

4. Ich wusste nicht, wozu wir das brauchen

"Ach so, ich dachte, das sei ein Fehler auf der Liste. Wozu brauchen wir zwei Päckchen Mozzarella? Ich hasse Mozzarella."

Die Lösung des Problems? Learning by burning

Ich bin nun dazu übergegangen, ihm mehr Verantwortung in Sachen Lebensmittel zu übertragen. Er ist nun für die Brotboxen der Kinder zuständig und bei jeglichem Genörgel über den Inhalt schicke ich die Kinder sofort zu ihrem Vater. Wenn er abends Grünkohl mit Lachs und Smoothies geplant hat, verbringe ich selbigen Abend im Fitnessstudio oder bei einem besonders wichtigen Treffen mit Freundinnen (der Sekt muss weg. Nicht, dass der schlecht wird). Dann darf er sich mit frustrierten hungrigen kleinen Menschen rumschlagen. Warum sollte ich? Auch darf er sich überlegen, wie er eine Pizza ohne Käse belegt und die Milch ohne Fett bekommt nur er in den Kaffee, während ich mir die gute Landliebe in den Latte Macchiato knalle. MMMMhhhhh! Ganz ehrlich, ein bisschen besser ist es mittlerweile geworden. So ganz perfekt wird es aber wohl nie sein. Das liegt daran, dass er einfach kein Talent zum Einkaufen hat, sage ich. Oder daran, dass er zu Höherem berufen ist und Mozzarella ohnehin keine Daseinsberechtigung haben sollte. Sagt er.


Themen in diesem Artikel