VG-Wort Pixel

Hilfe, ohne mein Handy fühl ich mich nackt!

Hilfe, ohne mein Handy fühl ich mich nackt!
© Getty Images
Ich bin Nomophobikerin. Jetzt ist es raus. Ich habe Angst, ohne mein Smartphone zu sein. Kennt ihr? Bestimmt.
von Nele Justus

Ich bin ein harter Fall. Ich zähle zu denen, die abends mit ihrem Smartphone ins Bett gehen. Ich schaue dann nur noch einmal „ganz kurz“, was in der Welt passiert ist, wie das Wetter morgen wird, shoppe meinen Kindern, was Kinder so brauchen, verabrede mich mit meinen Mädels für einen weinseeligen Abend – und tue alles, was ich tagsüber nicht geschafft habe. Aber wirklich nur ganz kurz. Ist klar. Nur manchmal dauert es ein bisschen länger. Aber das ist dann wirklich eine Ausnahme. So zwei, drei Tage die Woche. Aber mein Handy und ich, wir sind eben ziemlich gute Freunde. Deswegen ist es auch immer in meiner Nähe. Es erinnert mich an Geburtstage, macht meine Fotos, zeigt mir den Weg, spielt mir mein Lieblingslied – und ist auch sonst ein richtig guter Typ.

Neulich ist es dann passiert. Ich habe mein Handy im Büro vergessen. OHHHH NEIN! Aber das ist doch kein Drama, denkt ihr jetzt. Der Mensch kann drei Wochen ohne Essen auskommen. Da wird die es ja wohl mal ein paar Stunden ohne ihr Smartphone aushalten. Habe ich auch. Aber schön war das nicht!

Ich habe ständig dieses Phantom-Vibrieren in meiner Hosentasche gespürt. Und dachte, immer wieder, mein Handy würde klingeln. Ich habe mich dabei erwischt, wie ich meine Handtasche wiederholte Male durchwühlt habe, in der Hoffnung, es würde doch noch auftauchen. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, ich würde etwas verpassen. Was, wenn mich jetzt jemand in diesem Moment ganz dringend erreichen muss? Was, wenn ich eine Verabredung verpasst habe? ICH KRIEG DIE KRISE!

Als ich zu Hause war, habe ich mir direkt meinen Rechner geschnappt und bei Facebook gepostet „Heute ohne Handy. Ihr erreicht mich nur hier auf FB“. „Oh, du Arme“, kamen direkt ein paar Kommentare. Oder: „Halte durch!“

Damit wurde mir klar, ich bin nicht alleine. 70 Prozent der Frauen leiden nämlich laut einer britischen Studie wie ich unter Nomophobie. Das ist übrigens eine Abkürzung und steht für „No Mobile Phone Phobia“. Am meisten leidet die Altersgruppe der 18 bis 24-Jährigen. Sie fühlen sich schon unwohl, wenn sie nur wenige Minuten von ihrem Telefon getrennt sind.

Woran man merkt, dass man Nomophobiker ist?

Tja, das trifft wohl alles auf mich zu. Muss ich mich jetzt schlecht fühlen? Brauche ich digital Detox? Auf gar keinen Fall! Mit so einem Quatsch wollen wir jetzt gar nicht erst anfangen. Ich freue mich viel zu doll, dass ich mein geliebtes Handy wieder habe. Meinen Schatz.

Gestern Abend im Bett hatten wir wieder eine gute Zeit. Da sind wir gemeinsam schlauer geworden. Nachdem ich nämlich jetzt weiß, dass ich eine Nomophobikerin bin, habe ich mich durch eine Liste weiterer Phobien gelesen.

Nach der Lektüre glaube ich, dass ich unter Acarophobie leide. Das ist die Furcht vor Insektenstichen. Und unter Arachibutyrophobie, weil ich es hasse, wenn Erdnussbutter a meinem Gaumen klebenbleibt. Und mein Mann ist auf jeden Fall ein Phalacrophobist, denn er hat seit er 15 ist Angst vor Haarausfall.

Und ihr?

 


Mehr zum Thema


MEHR ZUM THEMA