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Zu hoch gestapelt? Wann erkenne ich, dass ich gut genug bin?

Zu hoch gestapelt?: Wann erkenne ich, dass ich gut genug bin?
© GeorgePeters / Getty Images
Kennst du das Gefühl, Fertigkeiten und Kenntnisse nur vorzuspielen, obwohl du diese in Wahrheit sehr wohl besitzt und auch umsetzen kannst? Psychologin und Mindset-Expertin Dr. Yana Fehse hat uns erläutert, wie wir unangemessene Selbstzweifel endlich loswerden.
von Dr. Yana Fehse
Das Jahr neigt sich dem Ende zu und für viele Menschen ist dies die optimale Zeit, um in sich zu gehen und zu reflektieren, ob die gesetzten Ziele erreicht werden konnten und zu überlegen, was es noch zu verbessern gilt. Dabei gibt es zahlreiche Menschen unter uns, die zu übertriebener Selbstkritik neigen und ständig das Gefühl haben, nie etwas gut genug zu machen. Aus diesem Grund arbeiten sie noch härter, bis sie teilweise an ihre körperliche und mentale Erschöpfungsgrenze gelangen. Wenn das auch bei dir der Fall ist, kann es sein, dass du unter dem sogenannten Impostor-Syndrom, auch Hochstapler Syndrom genannt, leidest.

Was ist das „Impostor-Syndrom“ und welche Auswirkungen hat es auf uns?

Lebst du mit der ständigen Angst, sowohl im Privatleben als auch im beruflichen Alltag nie genug zu sein, zu viele Fehler zu machen und ständig unter deinen eigenen Erwartungen zurückzubleiben? Dann sollte dir zunächst eines bewusst sein: Sehr vielen anderen Menschen geht es ganz genauso. Die gute Nachricht: Wir können uns aus dieser Negativspirale der eigenen Gedanken befreien, wenn wir nur bereit dazu sind.
Erledigst du die Aufgaben im Job also bereits seit Jahren gewissenhaft und gut, fällt es dir aber schwer Lob anzunehmen und hast du sogar das Gefühl, dass dieses gar nicht gerechtfertigt ist, wird es Zeit endlich etwas zu ändern, statt dein Licht weiter unter den Scheffel zu stellen. 

Doch woher kommen diese destruktiven Gedanken?

Wie bei vielen anderen erlernten Denkmustern ist der Ursprung des Impostor-Syndroms sehr wahrscheinlich in Erfahrungen zu finden, die wir als Kinder und Jugendliche gemacht haben.  Bereits im Kleinkindalter werden wir gelobt, wenn wir Leistung erbringen, uns wie gewünscht verhalten und der Norm entsprechen. Das führt dazu, dass wir uns nur dann geliebt fühlen, wenn wir perfekte Ergebnisse erzielen und Selbstzweifel bringen uns dazu, uns unentwegt zu hinterfragen. Im Unterbewusstsein der Betroffenen laufen sogenannte selbst-sabotierende Programme ab, wie zum Beispiel „Ich bin wertlos und inkompetent“, oder „Meine Meinung ist nichts wert“. Diese inneren Programme können den Verstand dermaßen dominieren, dass positive Anerkennung von anderen nicht mal im Geringsten von den Betroffenen angenommen werden kann. Im Gegenteil können sich die Ängste verstärken, dass sie ihre Umwelt in Bezug auf ihre Leistungen betrügen. Nicht selten äußert sich dies geschlechtsspezifisch unterschiedlich – Frauen tendieren zum Perfektionismus und Männer zur Aufgabe. Krankhaft wird es dann, wenn man sich in ständiger Angst sieht, entlarvt zu werden. Letzendlich kann dieser ständige Selbstdruck zu psychischen Störungen wie Depressionen und Angst führen, aber auch unser Körper kann mit Magenbeschwerden, zu hohem Blutdruck oder Schlafstörung reagieren.

Unser Selbstwertgefühl is the key!

Selbstverständlich ist es nicht leicht, Erfahrungen, die sich bereits in der Kindheit eingeprägt haben und somit ein Teil unserer Persönlichkeit sind, hinter uns zu lassen, doch es ist möglich. Alles, was du tun musst, ist, dein Selbstwertgefühl zu steigern. Damit das gelingt, kannst du damit beginnen:
  • dich selbst zu loben und stolz darauf zu sein, was du tagtäglich leistest. Schaue auf die kleinen Erfolge des Alltags, feiere diese und erzähle deinen Liebsten davon.
  • Schreibe jeden Tag drei Dinge auf, die du besonders an dir selbst schätzt. Dabei kann es sich um eine persönliche Erfahrung handeln, eine Charaktereigenschaft oder selbstverständlich auch etwas, das du an deinem Körper schön findest.
  • Sage dir selbst: „Ich bin ein wertvoller, toller, inspirierender Mensch“,  und blicke dabei in den Spiegel.
  • Erstelle eine Erfolgsliste der letzten 5 Jahren. So reflektierst du, was du alles bereits erreicht hast. Du wirst feststellen, wie du nach und nach an Selbstsicherheit gewinnst, kleine Misserfolge dich nicht mehr so schnell aus der Bahn werfen und du insgesamt glücklicher wirst.
Das ist jedoch lange noch nicht alles, denn auch deine Umwelt wird deine positive Entwicklung bemerken und dich ganz anders wahrnehmen. Wundere dich also nicht, wenn plötzlich völlig neue Menschen deine Nähe suchen, da du eine viel positivere Ausstrahlung hast und du die Anerkennung und den Respekt erhältst, der dir in Wirklichkeit schon lange Zeit zusteht.
Dr. Yana Fehse
© PR
Dr. Yana Fehse ist Psychologin, Mindset-Coach und Expertin für ein souveränes und überzeugendes Auftreten. Seit 2015 ist sie selbstständig als Coach und Trainerin u.a. für eine Unternehmensberatung und viele renommierte Unternehmen tätig, u.a. AIRBUS, OTTO. Heute hat sie sich auf die Persönlichkeitsentwicklung und Unterstützung von Unternehmer:innen und Führungskräften spezialisiert. Ihre Vision ist es, dass möglichst viele Menschen wissen, wie sie die nächsten Schritte auf ihrer Karriere-Leiter erfolgreich und mit viel mehr Überzeugungskraft, Freude und Zuversicht gehen können.
Barbara

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