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Hunger, Pipi, kalt – Warum es dieses Frauenphänomen wirklich gibt

Hunger, Pipi, kalt  – Warum es dieses Frauenphänomen wirklich gibt
© Getty Images
Ihr müsst dauernd zur Toilette, habt Hunger oder euch ist kalt? Keiner versteht das besser als unsere Autorin, die sehr gern unkompliziert wäre, aber immer irgendein Bedürfnis hat, das das verhindert. 
von Viola Kaiser

Neulich war ich in einer Bar mit drei Männern. Es war ein sehr lustiger Abend. Leider habe ich die Hälfte davon verpasst, weil ich dauernd auf die Toilette musste. Dort standen etwa zehn Frauen in einer Schlange vor mir, die ein ähnliches Problem hatten und meins noch schlimmer machten, weil ich mich hinter ihnen anstellen musste. Als ich gegen Abend nachzählte, fiel mir auf, dass zwei der Männer, die mit mir Bier tranken, gar nicht auf der Toilette waren, einer war in etwa drei Stunden einmal aufs Klo gegangen. Ich dagegen musste fünfmal ins Bad. Eigentlich hätte ich das Bier gleich dort trinken sollen. Es gab schließlich genug potenzielle Gesprächspartnerinnen.

Später las ich nach, warum das eigentlich so ist. Die weibliche Blase fasst etwa 400 Milliliter, die männliche 500 Milliliter. Außerdem haben  70 Prozent aller Frauen empfindliche Blasensensoren, die wahnsinnig schnell reagieren und ihnen sagen, dass sie schon bei einer Füllmenge von 200 Millilitern in Richtung Bad rennen sollten.  Offensichtlich gehöre ich dazu. Man kann dagegen Medikamente nehmen. Hilfreich wäre auch Alkohol zu meiden, weil der harntreibend wirkt. Beides ist für mich keine Option.

Es ist aber nicht nur meine Blase, die es mir schwer macht, diese coole, total entspannte Frau zu sein, die ich gern wäre. Es gibt da noch das ein oder andere Bedürfnis, das das verhindert. Manchmal kann ich es nicht orten, demzufolge auch nicht lösen. An besagtem Barabend wusste ich, warum ich so leicht reizbar war: Ich hatte Hunger. Glücklicherweise befand sich ein türkischer Imbiss um die Ecke der Bar, der mir in kürzester Zeit eine Falafel im Brot servieren konnte. Mein Mann atmete auf. Für den ist das oft nicht leicht.

Auch ein anders zentrales meiner Luxusprobleme war glücklicherweise schnell geklärt, denn einer der drei Männer sagte gegen 23 Uhr: "Mir ist kalt, lasst uns reingehen". Ich war diesem sehr sensiblen Zeitgenossen extrem dankbar, denn ich zitterte schon seit einer Weile, wollte aber nicht schon wieder die Zimperliese am Tisch sein. Außerdem war es jetzt näher zur Toilette.

Das Ganze klingt ein bisschen, als wäre ich drei Jahre alt

Meine Kollegin nennt mein Problem "Hunger, Pipi, kalt". Ich könnte noch ein Wort hinzufügen: Müde. Denn das ist das Schlimmste. Wenn ich müde bin, hat mein Umfeld nichts zu lachen, dann bin ich wirklich, wirklich anstrengend, aggressiv, nervtötend.

Ich weiß, das Ganze klingt ein bisschen, als wäre ich drei Jahre alt. Wenn meine Töchter anwesend sind, übernehmen sie meine Rolle, dann stelle ich alles zurück. Neulich sagte eine von ihnen trotzdem, als wir das Haus verlassen wollten. "Mama muss bestimmt noch mal". Sie hatte Recht.

Ich bewundere und beneide Menschen, die nie zur Toilette gehen, die nur vier Stunden Schlaf brauchen und zwölf Stunden ohne Essen auskommen. Leider gehöre ich nicht zu dieser Gruppe. Aber wenigstens kenne ich mein Problem und habe eine Lösung für alle, die auch das "Pipi-Hunger-kalt-müde"-Syndrom haben. Ich habe immer etwas zu essen in der Tasche, ich gehe einigermaßen früh ins Bett oder trinke ausreichend Kaffee oder Cola (natürlich in der Nähe von entsprechenden Waschräumen). Außerdem besitze ich die dickste auf dem deutschen Markt verfügbare Winterjacke und habe sogar im Sommer immer eine Strickjacke dabei. Nur so habe ich es geschafft, meinen Freundeskreis zu behalten und noch nicht geschieden zu sein.

Das Ganze hat aber auch Vorteile: Ich weiß einfach immer, wo die nächste Toilette ist


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