Hybristophilie – Wenn Frauen auf Mörder und Vergewaltiger stehen

Dass Frauen auf Bad Boys stehen, ist in Film und Fernsehen ein weit verbreitetes Klischee. Doch wenn sie sich in Schwerverbrecher verlieben, leiden sie möglicherweise an Hybristophilie. 

von Julia Ballerstädt

In den romantischen Liebesfilmen unserer Zeit, verliebt sich die schöne, weibliche Protagonistin immer erst in den falschen Mann. Am Ende bekommt sie aber doch noch die Kurve und entscheidet sich für den netten Typen von nebenan. Auch ich muss gestehen: die Bad Boys haben schon das gewisse Etwas. Im echten Leben möchte ich trotzdem nicht mit einem Rockstar und seinen Drogenproblemen zusammen sein. Einen Mann, der so frei ist, dass er auch keine Notwendigkeit darin sieht, auf meine Nachrichten zu antworten, sich an Absprachen zu halten oder sich vielleicht auch etwas um mich zu bemühen, brauche ich auch nicht, trotzdem kann ich ihn mit dieser Attitüde sexy finden. 

Eigentlich ist er ja gar nicht so...

Aber warum stehen so viele Frauen auf fiese Typen? Ist es der Kick? Langeweile? Selbstkasteiung oder das altbekannte Helfersyndrom? Haben wir schließlich alle mal gehabt, diese Phase altruistischer Aufopferung in der Hoffnung, ER würde sich schon ändern. Und in meinem eigenen kleinen Hollywoodfilm war ich schließlich auch die einzige Frau, die diese verlorene Seele im Gewand eines Arschlochs retten konnte. Unter dem Gewand verbarg sich nur leider kein empfindsames Wesen, das nur erkannt und geliebt werden wollte. 
Aber woran liegt das nun? Suchen wir Selbstbestätigung? Liegt es an unseren Komplexen? Im besten Fall wächst man – wie im Film – irgendwann über diese Männer hinaus, findet in sich selbst die Bestätigung und einen guten Mann. 
Doch wenn das nicht passiert und nur Schwerverbrecher, Vergewaltiger und Mörder das Herz erobern können, steckt vielleicht eine Krankheit dahinter, die die Psychologen Hybristophilie nennen. 

Hybristophilie – Was ist das?

Als Hybristophilie, auch Bonnie-and-Clyde-Syndrom genannt, bezeichnet man das Krankheitsbild, bei dem sich Betroffene von Schwerverbrechern angezogen fühlen. Dabei entwickeln vorrangig Frauen romantische Gefühle für Sexualstraftäter und Mörder. Die damit verbundenen Risiken, vor allem auch für das eigene Leben, machen hierbei den besonderen Reiz aus. Vor allem die sexuelle Komponente spielt eine wesentliche Rolle: Was andere als abstoßend empfinden, löst bei ihnen Erregung aus.

Ursachen der Hybristophilie 

Obwohl die Krankheit in den Medien große Präsenz erfährt, ist Hybristophilie kaum erforscht.

Die Gründe für die sexuelle Neigung vermuten Psychologen vor allem in: 

  • Einsamkeit
  • geringem Selbstwertgefühl
  • Gewalt und Missbrauchserfahrungen in der Kindheit
  • einem übermäßig ausgeprägtem Helfersyndrom

Liebe auf Sicherheitsabstand: Die Anziehungskraft potentieller Gefahr

Sitzt der Geliebte hinter Gittern, entsteht ein Machtgefälle, bei dem die Frau die Kontrolle hat: Sie muss sich nicht darum sorgen, dass ihr Mann sie betrügen oder verletzen könnte. Es kann kein Alltag entstehen, der die Liebe killt. Besuche sind selten und liegen in der freien Entscheidung der Frau. Gleichzeitig hält der Glaube daran, dass der Partner sich ändern könnte, nicht nur die Zuneigung aufrecht, sondern auch das Gefühl, gebraucht zu werden. Und nicht zu vergessen: Viele Menschen finden das Böse faszinierend – das sagt allein schon die Vielzahl der Crime Serien im Fernsehen aus. Bei Frauen mit Hybristophilie ist nicht mehr nur die Faszination, sondern Bewunderung. 

Bonnie und Clyde: Faszination Outlaw

Neben der passiven Hybristophilie, die sich vor allem durch sexuelle Anziehung zu einem Straftäter zeigt, gibt es, wenn auch seltener, die aktive Form des Krankheitsbildes. Das heißt: manchmal wird der Partner auch zum Mittäter. Gemeinsam begangene Verbrechen sorgen nämlich für eine ganz besondere Verbundenheit.

Dass das Symptom nicht nur Einzelfälle betrifft, zeigen vor allem die unzähligen Liebesbriefe, die prominente Mörder, wie der 2017 gestorbene US-Massenmörder Charles Manson oder der norwegische Amokläufer Anders Breivik erreichen. Selbst Hochzeiten im Gerichtssaal gibt es immer wieder. 

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