Hype um Sprachassistentin Alexa: Ey du, was kannst du eigentlich?

Freundinnen scheinen sich lieber mit Alexa von Amazon zu unterhalten als mit unserer Autorin. Sie fragt sich jetzt: Was kann diese Alexa eigentlich? Und warum muss sie jetzt überall dabei sein?

von Jessica Seiffert

Mein Handy klingelt. Ich blicke aufs Display und begrüße meine Freundin mit einem freudigen „Hallo Maria“. Zunächst ertönt kein Hallo zurück, sondern ein lautes „Alexa, leiser.“ Aua, mein Ohr. Erst dann begrüßt sie mich kurz, fragt wie es mir geht. Als ich ihr antworte, brüllt sie erneut laut und genervt: „Alexa, leiser.“ Erneut Aua. Alexa wird leiser bzw. die Musik im Hintergrund. Wir können unsere Unterhaltung fortführen. Okay, eine kleine Situation, der man keinerlei Beachtung schenken könnte. Doch irgendwie hat dieses Gebrüll in Richtung Alexa bei meinen Freundinnen ein wenig Überhand genommen. 

Was kann Alexa? Alexa kann Licht, Heizung und Dirty Talk 

Ich bin wirklich keine Person, die technische Neuerungen verteufelt. Im Gegenteil, die digitale Branche ist mein zweites Zuhause, sie bezahlt sogar meine Miete und die Technik an sich interessiert mich auch. Dennoch geht mir Alexa gewaltig auf die Eierstöcke. Was kann diese Computerstimme eigentlich? Das habe ich mir natürlich schon öfter erklären lassen, aber so richtig verstehe ich es nicht: Alexa kann Heizungen und Lampen steuern, Alexa kann Musik abspielen, sie kann mir den Wetterbericht vorlesen – und Alexa kann neuerdings auch Dirty Talk („Ich möchte deinen Maiskolben grillen, du böser Delfin!“). Echt jetzt? Irgendwie schaff ich es dann doch noch, nachdem ich mir acht Stunden im Büro den Hintern platt gesessen habe, im Vorbeigehen den Lichtschalter zu bedienen. Oder bevor ich telefoniere, das Radio leiser zu drehen. Ich sehe den Nutzen einfach nicht.

Kaffeklatsch mit Alexa – gehört sie jetzt dazu?

Anderes Szenario. Wir treffen uns in unserer üblichen Dreier-Mädelsrunde bei Stephanie. „Alexa, Lautstärke 10!“, sagte sie plötzlich, während ich dem spannenden Wochenendbericht von Julia lauschte und an meiner Kaffeetasse nippte. Julia unterbrach ihre Ausführungen mit Fragezeichen im Gesicht. „Alexa, Lautstärke 10“, brüllte Stephanie nun in die Zimmerecke, in der sich Sprachassistentin Alexa befand. „Ich mag das Lied so sehr.“, erklärte sie uns dann. Das besagte Lied, das gerade im Radio lief, wurde lauter und unser Gespräch war beendet – wir hörten also jetzt den Song und wippten höflich mit den Köpfen. Ok, Alexa kann nicht nur leiser, sondern auch lauter – und ist jetzt einfach Mitglied unseres Kaffeeklatschs. 

Alexa zerstört die Gespräche mit meinen Freundinnen

Vielleicht bin ich langweilig, weil ich mich einfach gern unterhalte. Vielleicht sind die Gespräche von uns Frauen um die 30 auch einfach langweilig geworden. Vielleicht ist der Song ja wirklich toll. Nur irgendwie glaube ich, dass meine lieben Alexa-Freundinnen gar nicht merken, dass sie unhöflich Gespräche unterbrechen. Alexa hat den Weg in ihren Alltag geschafft. Sie wollen sie benutzen. Ständig. Sie werden nervös, wenn sie Alexa nicht in ihre Unterhaltungen mit einbeziehen können. Sie wollen anscheinend demonstrieren, dass sich die Anschaffung einer Alexa bei Amazon wirklich lohnt. Es ist ein bisschen so, als möchten sie zeigen, dass sie jetzt endlich eine Haushaltshilfe haben, die die Drecksarbeit für sie erledigt und dazu noch entertained. Oder verstehe ich das falsch? Ich bin jedenfalls genervt. Einfach, weil Alexa immer da ist, zuhört und antwortet – ich wollte sie nie dabei haben. Alexa, zisch' ab!

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