Im Hirn eines Mannes: "Das Ordnungssystem meiner Freundin macht mich zur Suchmaschine"

Das haushaltliche Ordnungssystem seiner Freundin wird unser Kolumnist wahrscheinlich nie verstehen. Muss er auch nicht. Findet er. 

von Björn Krause

Bin ständig auf der Suche: nach Parkplätzen, meiner guten Form, dem Sinn des Lebens. Nach einem Grund, morgens im Bett zu bleiben, einer guten Ausrede für den nächsten Elternabend, nach Ideen, die mich reich machen, berühmt oder sexy. Wenigstens sexy.

Gefunden habe ich: dich. Meine Lieblingsfrau. Seither suche ich plötzlich auch meine eigene Unterwäsche und Socken, Zahnseide oder den Dosenöffner – und eine Erklärung dafür, warum das alles wieder und wieder verschwindet.

Mein System ergibt keinen Sinn mehr

Seit wir zusammen sind, steht, liegt, hängt nichts mehr da, wo es mal war, ergibt mein Koordinatensystem keinen Sinn mehr, als gäbe es auf einmal zwei X-Achsen. Ein Doppel-X-Problem, ein Gendefekt vielleicht, ein Serienfehler, chronische Haushaltsschizophrenie. Bist der Grund meiner Suche, einerseits. Andererseits auch das Fundbüro. Stehe vor dem geöffneten Kühlschrank. Der Beginn einer Schnitzeljagd ohne Hinweise. „Schatz!“, rufe ich. „Wo ist die Blutwurst?“ Dich nach Dingen im Haushalt zu fragen ist zu einem Reflex geworden wie Luftanhalten auf öffentlichen Toiletten. Hab keine Lust zu suchen, möchte nichts zur Seite schieben müssen, will nirgends druntergucken, drüberschauen. Bin faul, das schon auch.

Ich versteh es einfach nicht

Kann mir merken, dass Eisbären Linkshänder sind, Ameisen nie schlafen, manche Schildkröten durch ihren Anus atmen – aber wo du Flaschenöffner, Handtücher, Blutwürste hinlegst, das will nicht in meinen Schädel. Es ist dein System, nicht meines. Aber es ist meine Wohnung, nicht deine. Karten von Bestellrestaurants lege ich ins Wohnzimmer, weil wir dort essen. Du stapelst sie in der Küche, weil dort gekocht wird. Eine Frage der Logik? Ein aus deinem Mund von Gänsefüßchen gerahmtes Wort, der Versuch, einen 100-Meter-Lauf mit einer Sanduhr messen zu wollen. Hast mir deine Idee von Ordnung und Vernunft erklärt, zigmal. Jetzt wieder. Holst aus dabei wie ein Kirmesboxer, während ich höre, wie ruckartig in China ein Sack Reis umfällt.

Gesucht und gefunden

Starre ins summende Kühlschranklicht, mein Hunger nagt an meiner Geduld. „Schaaatz, die Blutwurst?!“, brülle ich. Wo ist die? „Im Kühlschrank!?“, schreist du zurück. Interessant, echt interessant ist, dass wir das beide wirklich ernst meinen – ich meine Frage, du deine Antwort. Wir zwei, du und ich, wir haben uns wirklich gesucht und gefunden.

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