Irina Beller - ein echtes Luxusweib

Irina Beller liebt sich selbst, große Scheine und einen Millionär. Unklar, in welcher Reihenfolge. Wir haben die steinreiche Gattin in Zürich besucht, um ein bisschen Jetset-Luft zu atmen. Doch es kam alles anders.

Hier schreibt Lena Schindler

Über dem Uetliberg liegt an diesem Frühjahrsmorgen ein grauer Schleier. Eine Schulklasse arbeitet sich in Regenklamotten zur Aussichtsplattform vor, von dort hat man an klaren Tagen den besten Blick über Zürich. Aber es gibt auch heute etwas zu sehen. „Simon, lueg, die ist ohne BH, die Frau!“, ruft ein Junge so aufgeregt, als hätte er einen Yeti gesehen. Die Dame im transparenten Oberteil, das von Guccis Designerstab eigentlich mit einem blickdichten Trägertop für Untendrunter konzipiert wurde, ist Irina Beller, 47, und posiert gerade lasziv auf einer Bierbank. Sie gilt als Königin des Schweizer Geldadels, ist in Fondue-Country mindestens so bekannt wie bei uns Carmen Geiss. Nur um Längen schillernder, exzentrischer, anstößiger.


Baulöwe und Geldgeber


Dass jemand nicht von ihrer Existenz Kenntnis nehmen könnte, ist für sie Beunruhigung und Antrieb zugleich. Deshalb: Reality-TV, Medien-Duelle mit Nonnen oder Sozialhilfeempfängern, Nacktkalender. Sie steht so offen dazu, dass sie sich zunächst in das Vermögen ihres dritten Ehemannes – Bauunternehmer Walter Beller – verliebte und erst deutlich später in seine charakterlichen Vorzüge, dass sie sogar mal einen Ratgeber geschrieben hat: „Hello Mr. Rich! So heirate ich meinen Millionär“. Klar, dass ihre Wahl für den Ort unseres Treffens auf das Hotel Uto Kulm auf dem Hausberg der Stadt fällt. Es wirbt damit, „Top of Zürich“ zu sein, also absolut standesgemäß. „Jetzt würde ein Glas Champagner helfen gegen die Kälte“, findet sie. Dabei ist sie für ihre Begriffe fast winterlich angezogen.


Mit Luxus groß geworden


Damit sie sich keine ordinäre Erkältung einfängt, verlagern wir unser Gespräch in die Tower-Suite. Und wollen wissen, woher so ein inniges Verhältnis zu großen Scheinen kommt. Irina ist als Diplomatentochter mit russisch-ukrainischen Wurzeln privilegiert aufgewachsen: „Schon als Kind habe ich löffelweise schwarzen Kaviar zum Frühstück gegessen“, erzählt sie. „Ich war verwöhnt und bin es immer noch.“ Als ihr Vater ihr eine Moskauer Universität zeigte und wissen wollte, was sie einmal werden möchte, antwortete sie: „Eine Braut.“


"Ein Salat hat auch ein Herz"


Heute beschreibt sie sich als „professionelle Ehefrau“, ein anspruchsvoller Job, der entsprechend honoriert wird. Sie besitzt so viel Bling-Bling, dass sie den Überblick verloren hat, in welchem Banksafe welche Brillis liegen. 20 Pelze hängen im begehbaren Kleiderschrank, woran sie absolut nichts Unethisches finden kann: „Ein Salat hat auch ein Herz!“ Und: „Als Frau muss man sich zur wichtigsten Geldanlage eines Mannes machen“, das ist ihre tiefe Überzeugung. „Wenn wir uns heute scheiden ließen, hätte ich ausgesorgt. Es muss einem Mann richtig wehtun, dich zu verlieren. Wenn das Portemonnaie schmerzt, dann schmerzt auch das Herz, das kennt ja jeder.“ Dass die meisten dieses Gefühl absolut nicht kennen, scheint ihr gar nicht in den Sinn zu kommen.


So viel Unverschämtheit hat was Erfrischendes. Besonders dann, wenn sie von einer Frau kommt, die dicke Bücher im Regal hat, und zwar einige. Irina konnte bereits als Fünfjährige fließend lesen, hat die großen Literaten inhaliert, ist diplomierte Filmkritikerin. Doch Arbeit war nie Teil ihrer Lebensplanung. Darum konnte die Vollzeitgattin nicht mit einem Möbelverkäufer wie Ehemann Nummer zwei zusammenbleiben, der dann auch noch die Nerven besaß, seinen Job zu verlieren: „Das möchte ich nie wieder erleben. Finanzielle Sorgen töten jedes Gefühl, jede Liebe. Geld bedeutet Freiheit für mich, ich kann jedem den Mittelfinger zeigen, weil ich von niemandem abhängig bin.“ Heute.


Ihr Kind hat sie verloren


Damals, vor 23 Jahren, kurz nach der Geburt der gemeinsamen Tochter, begann sie, Jagd auf reiche Männer zu machen. Sie wollte, wie sie sagt, ihrem Kind dadurch finanzielle Sicherheit geben – aber auch Sex mit anderen Männern haben und mal im Privatjet fliegen. Nach langem Rechtsstreit wurde das Sorgerecht ihrem Exmann zugesprochen, das Mädchen war damals drei Jahre alt. Für Irina die bitterste Erfahrung ihres Lebens. Vor zwei Jahren hat sie ihre Tochter zuletzt gesehen: „Mir wurde damals mein Kind weggenommen, das enge Band zwischen uns ist dadurch zerrissen, das lässt sich nicht wieder reparieren. Wir mögen uns, aber wir sind uns nicht nah.“ Bodenständig und bescheiden sei ihre Tochter, „doch wer wenig vom Leben verlangt, bekommt auch wenig“.


Höchstens hundert Paar Schuhe


Die Stimmung ist nun ein wenig gedrückt. Und die Gelegenheit gut, das Thema zu wechseln, denn unser Fototeam bewundert gerade etwas zu intensiv ihre mitgebrachten Philipp-Plein-Heels in Babyrosa. „Wieso bekommen die Schuhe die ganze Aufmerksamkeit? Hier geht’s doch um mich!“, sagt sie gespielt aufgebracht. „Ich habe nicht viele Schuhe“, bemerkt sie dann, „vielleicht hundert Paar, das ist gar nichts für eine Frau. Eigentlich hasse ich es, shoppen zu gehen.“ Wenn sie es doch tut, wird es ein „Monstereinkauf“, und die Angestellten müssen ihr die Tüten zum Porsche Panamera tragen. Viel lieber verbringt sie fünf Stunden am Tag im Spa des Dolder Grand Hotels, niedriger Blutdruck, da braucht man viel Wärme. Zwischendrin Luxusurlaub in St. Moritz, etwas Börse, viel Instagram, mal ein Aktgemälde für den Gatten zum 70. Geburtstag.

Hätten wir zu gern miterlebt, wie sich so ein Alltag mit richtig viel Asche anfühlt. Aber offenbar schlagen sich Multimillionäre genauso mit den Widrigkeiten des Lebens herum wie alle anderen. Die geplante Spritztour mit dem Bentley Cabriolet (Zweitwagen) steht jedenfalls unter keinem guten Stern. Frau Beller ist zweimal so rasant gefahren, dass sie vier Wochen gar nicht mehr ans Steuer darf. Kurzer Handy-Befehl an ihren Millionär: „Amore, hol uns bitte mit dem Wagen ab, 14:30 Uhr an der Talstation.“ Kein Widerspruch möglich. „Ich habe ihn gut erzogen“, sagt sie zufrieden. Seit 22 Jahren sind die beiden ein Paar, so lange halten die wenigsten Ehen. Also doch große Gefühle? „Wenn ich daran denke, dass ihm etwas passiert, fange ich sofort an zu heulen“, sagt sie und klingt so, als würde sie so viel echte Emotion selbst überraschen: „Ich denke, das ist Liebe.“


Eigentlich provoziert sie aber viel lieber, als ihr Seelenleben auszubreiten. Darum darf man sie auch alles fragen, ohne zu fürchten, dass sie gleich türenknallend aus dem Raum stöckelt. Kennt sie eigentlich andere Formen der Wertschätzung als materielle? „Geld ist auf jeden Fall die schönste. Ich sage immer: Was nichts kostet, ist nichts wert, und was nichts wert ist, ist nicht wichtig. Frauen sollten dafür sorgen, dass ihre Leistungen honoriert werden. Wenn das Prostitution ist, bin ich sehr gern eine Prostituierte.“ Im folgenden Moment der Stille schließt sie genüsslich die Augen – und setzt noch mal nach: „Emanzipation ist für mich der größte Schwachsinn. Ich will auf keinen Fall gleichberechtigt sein, ich will herrschen und das Leben genießen, mein Mann soll mich verehren und alle meine Wünsche erfüllen.“ Es wird Zeit, der Untergebene wartet.


Der Wachhund versaut die Stimmung


Als wir per Hotel-Shuttle die Talstation erreichen, sehen wir die cremefarbene Luxuskarre auf einem Waldweg stehen – und einen bulligen Hund, der einen weißhaarigen Herren im Anzug an der Leine hinter sich herzerrt, an der ein roter Kotbeutel nervös im Wind flattert. Der italienische Wachhund zog ein, nachdem Einbrecher in Irinas Schlafzimmer auftauchten. Jetzt leben die Bellers zwar sicherer, haben dafür aber andere Probleme. „Schönes Vieh, nicht sehr pflegeleicht, Katzencharakter“, sagt Irina. Das monströse Tier kann man nicht allein lassen, ohne dass es in der Villa am Zürichsee das edle Mobiliar zerlegt. Darum kommt es überallhin mit und hat auf der Anreise mit seinen dreckigen Pfoten die Ledersitze versifft. Walter Beller hört jetzt auch nicht mehr auf sein Frauchen, ist sichtlich genervt und will los. Der Plan, uns von ihm zu Chanel und Dior chauffieren zu lassen, um seine Kreditkarte zum Glühen zu bringen, ist vom Tisch. Schade.


Dann brausen die drei davon, zurück in ihr glamouröses Leben, das wir heute eher von seiner glanzlosen Seite kennenlernen durften. Irina wirft zum Abschied Kusshände, schickt per Whatsapp Herzen und rote Rosen. Es wird sie sicher freuen zu hören, dass der Eindruck, den sie hinterlässt, ein bleibender sein wird. Auch oder gerade weil man sich selbst nach einem ganzen Tag mit ihr fragt: Meint sie das alles tatsächlich ernst? Wirklich schwer zu durchschauen – trotz des transparenten Oberteils.



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