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Miau Kater statt Katze: Bye bye, Frauen-WG!

Kater statt Katze: Graue Katze unter Decke
© Natureveryday / Shutterstock
Unsere Kollegin wollte eine schnurrige Miezen-WG gründen, eine Insel im Patriarchat. Doch das Schicksal hatte andere Pläne …

Hedwig zog im Alter von zwölf Wochen bei mir ein, mit nichts im Gepäck als einem grauen Pelz, weidenkätzchenweich. Sie folgte mir überallhin, schlief nachts neben mir und gab tagsüber die Muse auf dem Sekretär. Doch verließ ich die Wohnung, hörte ich auch noch vor dem Haus ihr herzzerreißendes Weinen. Schnell war klar: Der Trend geht zur Zweitkatze.

"Wilma hat einen Penis"

Drei Monate später kam Wilma zu uns, ein kräftiges zweifarbiges Knäuel mit Babyface. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft? Es kam anders. Schon bei der ersten Begegnung ging Hedwig auf die Neue los, fauchte und schlug zu. Ich war verzweifelt, gab ihnen zur Entspannung Bachblüten und versprühte Katzenpheromone. Nichts half. Hedwigs Groll blieb. Wilma dagegen reagierte gelassen, nach dem Motto: "Wartet es nur ab!"

Ein paar Wochen später schleppte ich Wilma zum Impfen. Die Tierärztin war gleich irritiert: "Für ein Weibchen hat die aber große Pfoten." Sie hob den Schwanz an, wühlte im Flausch und sagte: "Herzlichen Glückwunsch zu ihrem wunderschönen Katerchen." Ich schaute entgeistert. Wilma hat einen Penis. Und Hedwig hatte es von Anfang an gewusst, weil sich im Universum der Kuscheltiere nun mal alles um Gerüche dreht. Die Tierärztin schrieb also "Wilhelm" in die Kartei. Und einen Kastrationstermin.

Noch auf dem Heimweg funkte ich die Züchterin an, die von dem Fehler nichts wissen wollte. Es sei nun mein Problem, ob ich "Katzi" jetzt weniger lieb hätte. Das saß. Ich nahm Hedwigs und mein Schicksal an und schleppte es wieder mit nach Hause. Zwei Katzen sind eine Sache für sich. Ich aber habe mittlerweile zweieinhalb. Denn "Katzi" ist zu einer Sechs-Kilo-Flauschbombe herangewachsen, die jeden Chihuahua lässig auf die Matte knallen könnte. Kein Wunder. Jeden Abend schlingt Pascha Plüsch zuerst seine Portion herunter und krallt sich dann noch Hedwigs – wenn ich nicht über den Schüsseln wache.

Ein Mann im Haus war nicht geplant

Natürlich hätte es auf eine Miezen-Kombi auch keine Harmonie-Garantie gegeben. Aber ein Mann im Haus – davon bin ich bis heute nicht begeistert. Das war so nie geplant. Mit Alphatieren à la Wilhelm bin ich immer schon zusammengekracht: "Schmetterlingsschwimmer", die im Freibad alle anderen aus dem Becken drängen, Typen, die in der U-Bahn lautstark über ihr "Business" schwadronieren, Zweimetermänner, die sich bei Konzerten vor mich stellen, Erklärbären ohne Schimmer. Wenigstens meine Wohnung hätte eine testosteronfreie Zone bleiben sollen, ein Paradies im Patriarchat, wohliges Schnurren als Grundrauschen.

Meine Gefühle aber sind Willi völlig wurscht. Wie ein Feldherr erobert er Gebiete: Dösen beide auf dem Sofa, wird er immer breitbeiniger, stemmt seinen Fuß in Hedwigs Bauch, bis sie genervt abzieht. Auch mein Bett ist sein Revier. Jede Nacht beansprucht er den besten Platz für sich: Köpfchen auf dem Kissen, Körper lang ausgestreckt, seinen Rücken an meinen gedrückt. Legt sich Hedwig in meinen Arm, will er plötzlich auch, stapft über mich drüber und quetscht sich dazwischen. Ist ein Menschenmann zu Besuch, haben die Viecher Schlafzimmerverbot. Doch das sieht der Kater überhaupt nicht ein – und wendet Gewalt an. Er bearbeitet die geschlossene Tür, als habe er statt Samtpfoten Panzerfäuste, sein Eunuchenstimmchen erklingt in den höchsten Tönen. Trotz Ohropax höre ich, wie er anschließend in der Küche wütend das halbe Streu vom Katzenklo aus der Schüssel buddelt. Glasklare Racheaktion. Und fehlende Impulskontrolle.

Auch wenn ich oft  genervt bin und noch immer nicht genau weiß, was das Schicksal mir mit Willi sagen wollte: Er weiß leider genau, wie er mich ums Pfötchen wickeln kann. Dann legt er sich auf den Rücken und streckt mir stolz seine Wampe entgegen, die rosa durch die weißen Fellmassen leuchtet wie ein Malle-Bierbauch am Strand. Die Blöße würde Hedwig sich niemals geben. Er maunzt mir auffordernd zu, ich vergrabe meine Hände in seinem Fell, bis sie fast verschwinden. Irgendwer schnurrt. Und ich muss leider feststellen, dass das, was Frauen und Männer so oft verbindet, auch hier wirkt: körperliche Anziehungskraft.

JANA FELGENHAUER hätte niemals gedacht, dass aus ihr mal eine Crazy Cat Lady werden würde. Tja, so schnell kann’s gehen ...

BARBARA 54/2021

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