Klassentreffen: Hingehen oder wegleiben? So war das bei uns!

Hier kommen unsere ganz persönlichen schönen und schaurigen Erfahrungen beim Klassentreffen. Amouröse Überraschungen inklusive. 

von Theresa König

Erkenne ich alle noch? Was macht eigentlich Sandra heute? Und hat Peter immer noch so eine große Klappe wie vor 20 Jahren? Egal ob 10, 20 oder 30 Jahre – der Faszination von Klassentreffen können sich nur die wenigsten entziehen. Wir haben mal gesammelt, wie das bei uns so war. Dabei sind ein paar ziemlich interessante Anekdoten rausgekommen...

Alles beim Alten. Oder?

"Konstantin sah noch genauso aus wie Konstantin – obwohl ich ihn 20 Jahre nicht gesehen hatte. Und Boris? Hab ich sofort wiedererkannt. Genau wie Katharina, Nadine und Sabine. Die ersten paar Stunden erzählten alle, wie gut es ihnen geht, aber nach dem fünften Bier bröckelte die Fassade. Sabines Mann hatte sie gerade verlassen, Konstantin hatte eine Firma in den Sand gesetzt, Boris beklagte sich über sein Schrei-Baby. Ob der Abend trotzdem schön war? Ja! Wir endeten in einem Club, für den wir viel zu alt waren, tanzten wie Teenies mit Rückenschmerzen, aber vergaßen tatsächlich kurz, dass wir längst erwachsen sind. In zehn Jahren sehen wir uns wieder."

Der Streber war ein Hipster geworden 

"Ich hatte vor allem einen Gedanken nach meinem letzten Klassentreffen: Das Leben ist immer noch ein Schulhof – auch im Erwachsenenleben. Cliquenbildung, Neid, Intrigen. Hört das denn nie auf? Allerdings gab es auch Überraschungen. Denn der früher nerdige Loser und Klassenstreber war zum charmanten Start-Up-Hipster mit Schnorres und Designer-Klamotte mutiert. Er musste gleich zurück nach London jetten, um das nächste Projekt voranzutreiben.  Dagegen hatte der ehemals wunderhübsche Lieblingsjunge aller Mädels jetzt ein Bierbäuchlein und Geheimratsecken und den Bäckerladen von Mama und Papa in dritter Generation übernommen."

Kein Bock!

"Kein Bock. Das war das erste Gefühl, das ich bei der Einladung zum Klassentreffen „Abi 95“ sofort hatte. Kein Bock auf Vergleich, kein Bock auf Gespräche, kein Bock auf Nostalgie, kein Bock mehr auf aufgewärmten Kram aus der Vergangenheit. Was zehn Jahre später noch passte, war 20 Jahre später leider so in die Jahre gekommen, dass die alten Geschichten schon anfingen wie verschimmeltes Fleisch zu riechen. Ich behalte den Schulschwarm lieber jung und knackig in Erinnerung und finde es mühsam, fremden Menschen mein Leben zu erklären. Die Luft war raus, der Drops gelutscht. Schluss, Ende, Aus, Vorbei. Ich war nicht da. War super."

Wer sind diese Leute?

"Ich war mir ganz sicher, dass ich die drei an der Theke noch nie gesehen hatte. Wer war dieser sehr dünne extrem blasse Typ?  Oder der daneben mit dem Riesenbauch und der Halbglatze? Und die Frau dabei war doch mindestens zehn Jahre älter als der Rest? Dann sagten sie mir ihre Namen – und bei mir dämmerte etwas. Ja, die hatte ich schon mal gehört. Bis eine von ihnen etwas zu laut und hinter meinem Rücken sagte: "Da ist ja Britta, die konnte ich noch nie leiden". Da fiel es mir wieder ein. Das waren die drei damals supercoolen Fieslinge, die schon in der siebten immer ätzend zu mir gewesen waren. Die Natur hatte ihnen alles heimgezahlt. Manchmal ist das Leben eben doch gerecht."  

Neue alte Liebe

"Es war zehn Jahre vergangen. Wir waren beide gerade getrennt. Björn war immer toll, aber schon zu Schulzeiten mit Svenja zusammen, deswegen hatte ihn als Mann gar nicht auf dem Schirm. An diesem Abend änderte sich das. Irgendwann war es morgens, wir alleine in einer Bar – und die Lage klar. Wir sind jetzt seit acht Jahren verheiratet. Das hätte ich beim Abi 1997 niemals gedacht."



Wer hier schreibt:

Theresa König
Themen in diesem Artikel