Knutschen mit schwulen Boygroupstars - Der lustigste Job der Welt

Unsere Autorin hat ja schon viele komische Jobs hinter sich. Dieses eine Jobangebot bringt sie aber auch Jahre später noch zum Lachen. 

von Marie Stadler

Kennt ihr dieses Gefühl, dass das eigene Leben irgendwie ein bisschen langweilig geworden ist? Früher Partys, heute Kaffeekränzchen mit Kind und Kegel. Früher Samstagmorgens um sechs torkelnd mit ner halb vollen Flasche Sekt unterwegs, heute zur selben Tageszeit mit zwei Kindern im Arm und dem Räuber-Hotzenplotz-Buch auf dem Sofa. Immer wenn ich mal wieder finde, dass sich das im Vergleich sehr unspannend anfühlt, denke ich an all die Verrücktheiten von früher und bin sehr froh darüber, dass ich es gepflegt habe krachen lassen. Es geht doch nichts über crazy Erinnerungen. Eine davon schießt allerdings den Vogel ab.

Wir bräuchten ein ganz normales Mädchen. DICH.

Ich, Azubine in einer großen Fernsehproduktionsfirma, saß vor vielen Jahren ganz in meine Arbeit vertieft in meinem Büro, während mein Chef sich neben mir mit einem Geschäftspartner unterhielt, der mich stark an Hannibal Lecter erinnerte. Es ging um irgendein Mediendrama, ihre Stimmen waren gedämpft, ich hörte nur mit halbem Ohr zu. Plötzlich starrten mich beide an. "Was ist?", fragte ich verwirrt. "Ich hätte da vielleicht ein interessantes Angebot für dich", zischte Hannibal verschwörerisch zurück.  Und ehe ich mich versah, saß ich in einem kleinen Konferenzraum und bekam das schrägste Angebot meines Lebens: Ein Azubi-Monatsgehalt gegen einen Kuss in der Öffentlichkeit. Mit einem schwulen Boygroupstar, der von seinem Ex erpresst wurde. "Wir bräuchten ein ganz normales Mädchen", sagte Hannibal. "DICH!"

Gruselig? Ein bisschen. Aber noch Jahre später hilfreich.

Ganz ehrlich: Ich hätte es getan. Auch wenn mir diese Szene jetzt, so viele danach, supergruselig erscheint, fand ich das Angebot damals einfach nur lustig. Boygroups fand ich immer schon heiß, einen schwulen Kerl zu küssen, war eine witzige Vorstellung, außerdem war ich jung und brauchte das Geld.  Schade nur, dass mein damaliger Freund die Gruseligkeit für mich erkannt und mir den Job verboten hat. Ein paar Wochen später hatte es irgendeine andere getan. Vor dem Skandal hat es besagten Boygroupstar trotzdem nicht gerettet. Für wen die Aktion dann überhaupt gut war? Für mich. Denn immer, wenn ich jetzt Räuber Hotzenplotz lese, mir mal wieder auf dem Spielplatz die Beine in den Bauch stehe oder im Büro vor Langeweile sterbe, krame ich Erinnerungen wie diese aus meinem Hirn und finde mein Leben wieder lustig. Ich hätte schließlich beinahe mal für Geld mit einem Boygroupstar geknutscht. Natürlich bin ich cool! Na gut, ich war cool. Aber auch das hilft irgendwie gegen den Erwachsenenblues.


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