Küssen hilft! Warum wir alle mehr knutschen sollten

Frischverliebte machen es ständig. Nein, es geht ausnahmsweise mal nicht um Sex, sondern um wildes und inniges Küssen. Denn das ist mindestens genauso gut für uns. 

von Tina Epking

Alle reden immer über Sex. Dabei sollten wir vielleicht öfter über Küsse reden. Und zwar nicht über die harmlosen auf die Wange, Stirn oder zwischen Müttern oder Vätern und Kindern. Sondern vor allem über die wilde und innige Version mit Zunge – die wohl intimste Art des Kusses. Erstmal gibt es viele Gründe dafür, endlich mal wieder richtig loszuknutschen: Weil es Forschern zufolge das Immunsystem stärkt. Weil es die Ausschüttung des Hormons Kortisol hemmt und uns so gegen Stress resistenter macht. Weil es durch die Ausschüttung von Dopamin und Adrenalin Schmerzen reduzieren kann. Weil beim Küssen alle Gesichtsmuskeln trainiert werden. Weil pro Minute 6,4 Kalorien verbrannt werden. Weil Dauerküssen die Symptome von Heuschnupfen lindern kann

Doch das nur am Rande: Beim Küssen soll es schließlich im Idealfall nicht um Heuschnupfen, Kalorien oder Schmerzen gehen. Das alles sind bloß positive Nebenwirkungen. Beim Knutschen geht es optimalerweise um Lust, um Freude, um Leidenschaft. Fast jeder erinnert sich an seinen ersten Kuss. Nicht ohne Grund. Und das erste Mal ohne das Knutschen davor wäre ohnehin komplett undenkbar, oder? Ein richtiger Kuss ist mindestens so intim wie jeder Akt. Schließlich werden auch hier Körperflüssigkeiten ausgetauscht. 

Es lohnt sich wirklich mehr zu küssen

Apropos Akt: Im ersten Teil einer Beziehung ist das Thema "Küssen" eigentlich keins. Darüber wird nicht gesprochen, es wird einfach gemacht. Das ist beim Sex ja genauso.  Doch was den ersten Verliebtheitsmonaten noch stundenlang und ausgiebig praktiziert wird, verkommt in den meisten Langzeitbeziehungen irgendwann zu einem Schmatzer an der Wohnungstür beim "Tschüs" sagen. Dafür braucht man nicht mal eine Statistik, das kann jede inoffizielle Umfrage im Bekanntenkreis bestätigen. Und diese Entwicklung ist ja auch völlig verständlich: Wer über 40 hat schon Zeit und Lust, stundenlang mit seinem Partner rumzuknutschen? Es gibt etwa 1000 Dinge, die einen davon abhalten: Die Kinder, der Job, der fehlende Schlaf –  nicht zu vergessen die Spaghetti aglio e olio von gestern. 

Aber es lohnt sich wirklich mehr zu küssen. Denn das macht jede Beziehung ein kleines bisschen besser. "Küssen ist eine besondere Art der Kommunikation. Die Art, wie man sich küsst, wie sich die Münder berühren oder die Zungen miteinander spielen, sagt viel über die Zuneigung, Lust und das Einlassen aus. Deshalb können Paare sehr viele Emotionen über das Küssen transportieren, Nähe schaffen und den Partner bestätigen", erklärt die Diplom-Psychologin und Paarberaterin Lisa Fischbach. "Küssen ist alltäglicher als Sex, wird aber oft als intimer wahrgenommen und drückt die Verbundenheit zweier Partner aus."

Küssen bedeutet Spaß – und der schadet nie

Sexualwissenschaftler haben sich bisher nicht sehr viel mit dem Thema "Küssen" beschäftigt. Leider. Knutschen kann, aber muss natürlich nicht, die Ouvertüre zum Sex sein. Es ist viel mehr, es zeigt Vertrauen und Zuneigung und manchmal macht es eben auch einfach nur Spaß – und der schadet wirklich niemals.

Bevor wir uns über zu wenig Sex beschweren, sollten wir deswegen vielleicht woanders anfangen. Beim Knutschen nämlich. Dafür muss man ja auch gar nicht Philematologie studieren (für alle, die gern angeben: So heißt die wissenschaftliche Erforschung des Kusses übrigens), da reicht es mal wieder mit dem Partner ins Kino zu gehen. Oder sich einfach zusammen auf die Couch zu setzen. Oder auf den Boden. Knutschen kann man schließlich immer und überall. 

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