VG-Wort Pixel

Louisa Dellert "Überall ringsherum schwamm Müll"

Louisa Dellert
© Dominik Butzmann
Louisa Dellert startete als Fitness-Influencerin einen erfolgreichen Instagram-Account – bis sie sich mehr und mehr den großen Fragen rund um Nachhaltigkeit und Politik widmete und nun eine halbe Millionen Follower:innen damit erreicht. Woher der Fokuswechsel kam und was die Greenfluencerin antreibt, erzählt sie BARBARA Digital im Interview.

Liebe Lou, du warst ursprünglich Fitness-Influencerin, mittlerweile hat sich dein Instagram-Account aber grundlegend verändert: Als Greenfluencerin lieferst du fast einer halben Million Follower:innen stetig neuen Content über Nachhaltigkeit und Politik. Wie kam dieser Fokuswechsel zustande?

Der Fokuswechsel zu den Themen Nachhaltigkeit und Politik war eine private Sache. Man entwickelt sich ja immer weiter und es gab Momente in meinem Leben, in denen ich merkte, dass sie etwas oberflächlich waren: Ich war z. B. im Urlaub auf Malta und wollte ein Unterwasserbild für Instagram machen. Überall ringsherum schwamm Müll und ich habe mich sehr darüber geärgert, dass dieser Müll im Bild ist. In dem Moment habe ich mich gar nicht gefragt, wie der Müll eigentlich ins Meer kommt! Das wurde mir erst im Nachhinein bewusst – und das war der Einstieg ins Thema. Wenn du dich mit Nachhaltigkeit auseinandersetzt, kommst du natürlich auch irgendwann nicht mehr drumherum, dich mit Politik auseinanderzusetzen. Das sind zwei Themen, die sich ergänzen und nicht ohneeinander können, und deshalb beschäftige ich mich auch mit beiden.

Wie hat sich seitdem dein Leben und deine berufliche Ausrichtung verändert?

Seit ich mich mit Nachhaltigkeit beschäftige, hat sich mein Privatleben verändert. Ich bin viel achtsamer geworden, was meine Umwelt angeht: von der Ernährung über die Benutzung von Kosmetikartikeln oder das dreimalige Nachdenken darüber, ob ich jetzt ein Oberteil wirklich brauche bis hin zur Entscheidung, ob es am Abend etwas Bestelltes sein muss oder ich lieber selbst koche. Es sind viele Sachen, die einem durch den Kopf gehen. Aber ich möchte auf jeden Fall anmerken, dass ich auf gar keinen Fall zu hundert Prozent nachhaltig lebe und mir dessen auch bewusst bin! Ich glaube aber, dieses Bewusstsein schon mal zu haben und daran anzuknüpfen, ist ganz gut.

Auch meine berufliche Ausrichtung hat sich verändert, weil ich "Naturalou" gegründet habe. Ich wollte irgendwas machen, was für mich Sinn ergibt: Wiederverwendbare Produkte, die den Alltag nachhaltiger gestalten, in Haushalte zu bringen, wo sie vielleicht sonst nicht hinkommen würden, weil es solche Läden nicht überall gibt. Das war ausschlaggebend für Naturalou – und darüber bin ich sehr glücklich.

Gibt es ein Themenfeld im Bereich Umweltschutz, für das du besonders brennst?

Umweltschutz umfasst sehr viel. Zum einen möchte ich auf die Situation in unseren Ozeanen aufmerksam machen, wo immer mehr Arten sterben und was unser Konsum damit zu tun hat, dass es den Meeren nicht gut geht. Es gehört dazu, das Thema Klimakrise als großes Ganzes zu sehen und zu schauen, was es eigentlich mit uns als Menschen macht, wenn wir nicht endlich anfangen, etwas zu ändern. Nächstes Jahr fange ich auch an, Start-ups zu besuchen, die Lösungsansätze für unsere großen Herausforderungen von morgen haben und möchte mir viel erklären und zeigen lassen. Darauf freue ich mich sehr! 

Man merkt, dass du dich auf deinem Kanal immer tiefer in den Themenkosmos Nachhaltigkeit einarbeitest. Gab es auf deinem Weg zu einem nachhaltigeren Lebensstil Umstellungen, die dir einfacher gelangen als gedacht? Was waren im Vergleich dazu die größten Herausforderungen?

In der Zeit, in der ich mich nun mit Nachhaltigkeit beschäftigt habe, gab es auf jeden Fall Dinge, die mir sehr leichtgefallen sind: z. B. mich mit wiederverwendbaren Pads abzuschminken. Oder darauf zu achten, was in meinen Reinigungsmitteln oder Waschmitteln drin ist und dafür einfach mal eine App zu benutzen und mir die Inhaltsstoffe durchzulesen. Was mir schon schwerfällt – weil es auch eigentlich eigener Egoismus ist – ist "Ich werde nie wieder fliegen" zu sagen. Ich habe es aber sehr reduziert. Ich bin vor vier Jahren sieben Mal im Jahr weggeflogen: zu Events, in den Urlaub oder um zu arbeiten – das würde ich heute nie wieder machen! Wenn es hochkommt, fliege ich jetzt einmal in zwei Jahren meine Freunde besuchen und schaue, dass ich hier an der Küste Urlaub machen oder arbeiten kann. Im Urlaub versuche ich, mit einem Elektroauto zu fahren. Das sind Dinge, die sich bei mir schon ändern, aber die nicht unbedingt ganz einfach sind – und ich bin mir sicher, da geht es auch vielen anderen so.

Affiliate Link
Louise Dellert: Mein Herz schlägt grün
Jetzt shoppen
10,00 €

Welche grundlegenden Schritte würdest du Menschen zu einem nachhaltigeren Lebensstil empfehlen?

Mir wäre wichtig zu sagen, dass es Menschen gibt, die einen nachhaltigeren Lebensstil nicht so einfach durchziehen können: Weil sie vielleicht davon betroffen sind, in einer Region zu leben, in der die Strukturen nicht so vorhanden sind, dass man viel mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren kann. Hier braucht es die Politik anstelle von mir selbst als Individuum. Außerdem gibt es Menschen, die durch einen einkommensschwächeren Haushalt nicht die Möglichkeit haben, die Produkte zu kaufen, die ich vielleicht kaufen kann. Es ist also gar nicht so einfach eine Empfehlung auszusprechen, aber ich empfehle einfach einen achtsamen Umgang, wenn man die Kapazitäten hat. Wenn man das Privileg hat, nachhaltiger zu leben, kann man einfach schauen, wo und in welchen Bereichen man etwas umstellen kann. Es kann und muss auch nicht von 0 auf 100 sein – weil das absolut demotivierend ist! Die große Verantwortung liegt meiner Meinung nach auch hier nicht bei uns als Gesellschaft, sondern bei der Politik: Die kann die Weichen für uns und die Wirtschaft stellen und dann können wir uns bestimmt auch schneller nachhaltiger verhalten.

Als Influencerin obliegt dir mit dem Content, den du postest, zum einen eine große Verantwortung, zum anderen kannst du gezielt deine Reichweite nutzen, um auf gesellschaftspolitische Themen aufmerksam zu machen. Wie ist die Resonanz deiner Leser:innen/Follower:innen und was motiviert dich, immer weiterzumachen?

Die Menschen, die mir folgen, sind zum großen Teil auch Menschen, die sich für die Themen interessieren. Es folgen mir aber auch Leser:innen, die vielleicht mal in eine andere Bubble reinwollen und mit mir nicht grundlegend einer Meinung sind. Beides zusammen ist sehr spannend, weil oft konstruktive und interessante Gespräche dadurch zustande kommen: Man tauscht sich aus und gibt sich Tipps. Deswegen würde ich sagen, dass die Resonanz im Allgemeinen sehr gut ist.

Welche persönlichen und beruflichen Projekte hast du dir zukünftig vorgenommen?

Zum einen möchte ich mir nächstes Jahr die Start-ups anschauen, die im Nachhaltigkeits- und Umweltschutzbereich am Start sind und spannende Lösungen entwickeln, die man dann in das Große und Ganze integrieren kann. Zum anderen ist da noch meine Social Media Nachhaltigkeitsberatung: Die biete ich Unternehmen an, wenn es darum geht, wie man Mitarbeiter:innen zum nachhaltigeren Handeln motivieren kann oder wie eine nachhaltige Kommunikation in den sozialen Medien funktioniert.

Das klingt spannend, wir wünschen dir viel Erfolg für deine weiteren Projekte. Herzlichen Dank für das Interview, liebe Lou!

Lesetipp: Im Buch "Green Rebels" von Andrea Juliane Bitzer findest du noch mehr spannende Geschichten über Gründerinnen, die sich für eine zukunftsfähigere Welt einsetzen.

Affiliate Link
Andrea Juliane Bitzer: Green Rebels
Jetzt shoppen
14,00 €
Barbara

Mehr zum Thema

Mehr Barbara ...