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Mädelsabend: Barbara und Sarah Connor reden über das erste Mal

Mädelsabend: Barbara und Sarah Connor reden über das erste Mal
© Peter Rigaud / Privat
Barbara Schöneberger: Huch, du hast ja wieder lange Nägel. Ich dachte, du wolltest die abmachen?
von Kester Schlenz

Die beiden Freundinnen verraten im gemeinsamen Interview ihre Geheimnisse rund um Sex, Vollrausch und Michael Jackson.

 

Sarah Connor: Hab ich ja auch, aber dann hab ich sie gleich nach dem Urlaub wieder rangemacht.

Meine Oma hätte jetzt gesagt: Kind, da kannst du doch nix mit schaffe.

Alles Übungssache.

So, jetzt mal zum Thema: Wir sind ja nicht zum Spaß hier.

Nicht?

Na gut: auch. Also: Das Leben steckt ja voller Debüts. An welche Premiere aus frühester Kind­heit erinnerst du dich besonders?

Ich bin im Winter mal ins Eis eingebrochen. In den zuge­frorenen Pool meiner Großmutter.

Großer Gott!

Ich erinnere mich noch an die Eisdecke über mir und sehe die Hände, die nach mir greifen. Aber es ist ja gut gegangen. Ich weiß noch, dass mich erst alle gedrückt und dann mit mir geschimpft haben.

Ich war mit etwa sechs Jahren in einem Schwimmverein. Bei meinem ersten Wettkampf stand ich auf dem Startblock, der Pfiff kam, ich sprang und verlor sofort meine Badekappe. Nach der habe ich dann erst mal getaucht. Man durfte doch nicht ohne Badekappe schwimmen. Ich hab sie bis zum Schluss nicht gefunden. Grandiose Leistung. Das war mein erster und letzter Schwimmwettkampf.

Du Arme. Mit sechs ...

Sag mal, erinnerst du dich noch an deinen allerersten Auftritt?

Na ja, sozusagen. Mein Vater nahm mich mal als Kind mit zu einem Konzert in Hamburg. Und ich stellte mich vorn direkt vor die Bühne, drehte mich zum Publikum, tanzte da rum, verbeugte mich und dachte, die meinen mich, wenn sie klatschen.

Klarer Fall: Du wolltest auf die Bühne! Ich wollte ja eigentlich ursprünglich lieber
in einem Büro arbeiten.

Bitte?

Na ja, hat nicht lange vorgehalten, diese Gier nach Normalität. Obwohl meine Leiden­schaften sehr lange eher normal waren. Ich schwärmte als Teenie zum Beispiel für Atreju aus der „Unendlichen Geschichte“.

Und ich für Michael Jackson.

Ich wollte den Darsteller des Atreju sogar heiraten, hab ihm nach Los Angeles geschrieben und so weiter. Er hat nie geantwortet. Hätte er mal machen sollen. Ich wäre ihm eine Stütze gewesen. Seine Karriere war dann schnell zu Ende. Er ist sozusagen randlos verdunstet. Und wie war’s bei dir und Michael?

Ich war total verrückt nach ihm. Mein Poster von ihm war wie ein Schrein für mich.

Hast du ihn mal getroffen?

Ja, ich stand sogar mit ihm auf einer Bühne.

Nein! Erzähl!

Das war auf seiner „History­ World­Tour“. Ich war 16. Da wurden für einen Auftritt in Bremen etliche junge Sängerinnen gesucht, die am Ende zusammen mit ihm den „Earth Song“ singen sollten. Ich war eine davon.

Und? Erzähl alles.

Zwei Tage später stand ich mit ihm im Weser-Stadion auf der Bühne zum Proben. Aber so richtig nahe kam man ihm nicht.

Was? Das war die Chance deines Lebens ...

Das habe ich irgendwann auch begriffen. Und in einer Pause habe ich es dann gewagt, bin einfach in seine Garderobe gerannt, hab ihn angesprungen und umarmt. Danach habe ich mich fünf Tage lang nicht gewaschen.

Hast du was zu ihm gesagt?

Ja: „I love you.“

Boah, das hatte er bis dahin ja wohl noch nie gehört.

Ich weiß – nicht sehr originell.

Und was hat er gesagt?

„I love you too.“

Na bitte. Hast du auch für normale Jungs geschwärmt?

Na klar. Ein paar Typen aus der Oberstufe fand ich klasse.

Ich auch. Einen habe ich massiv angebaggert. Er ist dann später schwul geworden. Ich glaube, ich habe ihn mit meiner aggressiven Werbung in die Homosexualität getrieben. Wann hattest du denn deinen ersten festen Freund?

Mit 14. Er war ein sehr cooler Typ. Ein super Breakdancer.

Und was lief da so?

Mit ihm hatte ich meinen ersten Kuss. Mit allem drum und dran!

Bäh – das hab ich ja nie gemacht.

Was?

Nee, so Händchen halten und rumknutschen war nie mein Ding. Ich bin spät eingestiegen, aber dann gleich richtig. Und wie war dein erstes Mal?

Ich dachte danach: Was? Und darum machen die jetzt diesen ganzen Hype? Und ich glaubte, dass es mir nun jeder ansieht.

Ich auch.

Ja, man war nun eine Eingeweihte. Aber eigentlich fand ich das Danach immer besser. Das Kuscheln im Anschluss. Gut, da war der Sex. Nett. Und ich dachte: Okay, jetzt musst du das immer machen. Aber ich war verliebt. Das Zusammensein war das eigentlich Wichtige.

Mir ist beim ersten Mal auch nicht der Himmel auf den Kopf gefallen. Aber es war ein würdiger und schöner Einstieg ins Geschäft.

Ich war auch schnell neugierig, wie wohl mein erstes Mal mit einem anderen werden würde.

Man kann als Frau ja Hunderte erste Male mit Männern im Bett haben.

Hunderte?

Na ja, theoretisch, oder? Heute bin ich natürlich solide, glücklich verheiratet und Mutter. Auch so eine tolle Premiere. Ich habe den richtigen Mann gefunden, als ich auch Mutter werden wollte. Spät, aber genau so war es gut.

Ich war erst 23, als ich mein erstes Kind bekam. Aber das hat mich total geerdet. Alles hat sich sofort total natürlich angefühlt.

Welches Debüt hat dich noch so richtig begeistert?

Kürzlich habe ich in Kanada zum ersten Mal Orcas in freier Natur gesehen. Das hat mich ungeheuer berührt. Ein beinahe magischer Moment. Fast so schön wie bei Michael Jackson.

Aber du hast sie nicht umarmt, hoffe ich.

Aber beinahe.

Einen magischen Moment kann ich auch nennen. Ich hab vor Kurzem wieder angefangen, Sport zu machen. Mit einer Trainerin. Sie hat mich dabei gefilmt: Eine dicke, alte Frau trampelt orientierungslos und stöhnend durch den Raum.

Aber du bist trotzdem drangeblieben?

Ja, es war ein Initiationsritual. Die tun halt manchmal weh!

 Wie der erste Vollrausch.

Hatte ich nie. Ich hab nicht mal geraucht.

Mann, warst du brav. Wenn du damals meine Freundin gewesen wärst ...

Brav würde ich so nicht sagen. Ich hab nur nicht getrunken.

Gesoffen hab ich auch nicht. Mein erster und erst mal letzter Rausch war mit 17 von zu viel Rotwein. Irgendwann bin ich über den Fußboden gekrochen und hab meine Wohnung vollgespuckt. Mein Freund hat das dann mit dem Staubsauger entsorgt.

Typisch Mann. Einfach mit ’ner Maschine wegsaugen.

Und dann hat er den Staubsauger in den Schrank gestellt.

Okay, ich geb’s jetzt zu: Ich habe auch mal nach einer Feier in einem Hotel gebrochen. Direkt in meinen Koffer. Da war ich 34.

Was hast du mit dem Koffer gemacht?

Reißverschluss zu und ab nach Hause. Aber Sarah, wir müssen zum Schluss jetzt echt noch mal appetitlicher werden: Für wen schwärmst du heute heimlich?

Hmmm ...

Andreas Bourani?

Haha! Ist der deine heimliche Schwärmerei? Hältst du mich für eine Cougar? So nennt man Berglöwinnen, die alles verschlingen und extrem gefährlich sind.

Cougar klingt immer noch besser als „Schulschiff“. So nennt man erfahrene Frauen, die jüngere Männer ... Ach, lassen wir das. Sarah, ich danke dir für dieses Gespräch. Eine tolle Premiere.

Fand ich auch. Aber „Schulschiff“, du meine Güte ...


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