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Maike Rotermund Muss ich in Papas Fußstapfen treten?

Maike Rotermund: Maike Rotermund
Bevor Maike Rotermund, heute 45, sich aufgabeln ließ, war sie ein bisschen in der Welt unterwegs.
© Patrick Runte / Brigitte
Wenn der Vater eine eigene Firma hat, ist die Zukunft der Kinder oft vorbestimmt. Maike Rotermund fühlte sich erst mal nicht betriebsbereit

Schon als kleines Mädchen bekam ich von den Sorgen und Ängsten mit, die mein Vater hatte, als aus dem Familienunternehmen plötzlich Konkurrenten wurden. Denn Anfang der 1980er-Jahre hatte sich Beate Uhse dazu entschieden, ihr Erotik-Unternehmen unter ihren Söhnen aufzuteilen. Sie und ihr jüngster Sohn behielten die Läden, die Kinos und den Filmverleih; der älteste Sohn Klaus Uhse und Stiefsohn Dirk Rotermund, mein Vater, übernahmen den Versandhandel. Fünf Jahre später durften sie ihre Firma dann umbenennen – so entstand Orion.

Erst als Teenager verstand ich, was Orion für Produkte verkauft.

Ich hatte damals ein abstraktes Bild von dem Job meines Vaters, was natürlich am Thema lag. Eigentlich wusste ich nur, dass er Kaufmann ist, viel arbeiten und oft geschäftlich verreisen muss. Erst als Teenager verstand ich, was Orion für Produkte verkauft: Lovetoys, Dessous und Gleitmittel. Ich hatte kein Problem damit – im Gegenteil. Mir gefiel es, Erwachsene damit zu provozieren. Fragte mich jemand, was mein Vater beruflich macht, erzählte ich gern detailliert davon. Mit 16 Jahren durfte ich sogar schon nachmittags in der Logistik helfen, Kataloge einzutüten, um mir etwas Taschengeld dazuzuverdienen. Eine absolute Ausnahme – üblicherweise müssen Mitarbeiter und Aushilfen mindestens 18 Jahre alt sein.

Den eigenen Weg gehen

Ich erinnere mich noch gut daran, als mein Vater zu mir und meinem Bruder sagte, dass er sich wünsche, jemand von uns übernähme später mal den Betrieb. Bei mir führte das zu Widerstand, ich wollte meinen eigenen Weg gehen: raus aus Flensburg, was erleben. Nach dem Abi ging ich nach Brighton und studierte dort International Business und Französisch. Mein Vater begrüßte das sogar, fand es gut, dass ich was von der Welt sehe. Später erzählte er mir, dass er dachte, ich käme nach dem Studium gut ausgebildet zurück – und zwar direkt zu ihm in die Firma.

Stattdessen absolvierte ich eine Ausbildung zur Wirtschaftsprüferin in England, weil ich Lust darauf hatte. Um mich auf dem Laufenden zu halten, schickte mein Vater mir ungefragt Protokolle von internen Besprechungen. Und einmal im Jahr rief er an, um zu fragen, wann ich endlich ein Praktikum bei ihm machen würde. Seine Hartnäckigkeit zahlte sich aus. Mit Ende 20 unterschrieb ich, etwas widerwillig, einen Praktikantenvertrag bei Orion, durchlief verschiedene Abteilungen, machte mir ein Bild vom Unternehmen. Was mich gepackt hat – mehr als alles andere –, waren die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen: ihre Herzlichkeit, ihr Engagement.

Zurück ins Familienunternehmen

Ich wollte ein Teil des Ganzen sein. Deshalb stieg ich mit ins Geschäft ein und assistierte meinem Vater. Dass ich alles mal übernehmen sollte, stand irgendwie im Raum, denn mein jüngerer Bruder war zu dem Zeitpunkt schon einige Jahre selbstständig. Aber gesprochen haben wir darüber nie. Nach zehn Jahren bekam ich dann eine Mail von meinem Vater, in der stand: "Wenn du die Geschäftsführung nicht übernehmen willst, musst du jetzt dein Veto einlegen."

Ich haderte. Nicht weil Orion Sexual-Wellness-Produkte verkauft, sondern weil es so offensichtlich ist, dass ein Familienunternehmen eben von einem der Kinder, in diesem Fall: von mir, übernommen wird. Es war ein Kollege, der mir die Augen öffnete. Er sagte: "Probier es aus. Du hast jederzeit die Möglichkeit, wieder zu gehen." Er hatte recht. Ich könnte jederzeit aussteigen, wenn es mich nicht erfüllt – und dann wäre es meine Entscheidung. 2014 übernahm ich das Unternehmen – und bin immer noch da. Sein Büro hat mein Vater behalten, hin und wieder kommt er rein und wirft eine Idee oder einen Gedanken ein, aber mit dem Zusatz: "Du bist jetzt die Geschäftsführerin, du entscheidest."

Mehr Storys zu Familienfirmen: "Generation Verantwortung. Wenn Eigentum verpflichtet", Herder, 25 Euro

Barbara

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