Mein Geburtstag gehört mir – feiert doch ohne mich!

Traditionen soll man ja nicht brechen. Unsere Autorin tut es trotzdem – und lässt ihre Geburtstagsfeier mit Freunden dieses Jahr zum ersten Mal ausfallen. Warum die Reaktionen darauf ihr gezeigt haben, dass sie genau die richtige Entscheidung getroffen hat.

Von Sarah Martens

So, wie sich manche Menschen jedes Jahr unter Oma Helgas Tannenbaum in trauter Eintracht versammeln, überfällt an einem Tag im Januar jedes Jahr eine Meute von Menschen meine Wohnung und hinterlässt Chaos, wenn sie wieder geht. Nette Menschen sind es, so viel muss gesagt sein, sonst würde ich sie nämlich nicht als meine Freunde sehen. Allerdings haben sie ein Problem: Sie haben sich vollkommen daran gewöhnt, dass ich Jahr für Jahr meinen Geburtstag mit ihnen feiere. Schon seit diese Freundeskonstellation existiert – immerhin über zehn Jahre. Das Problem: Diesmal habe ich keine Lust dazu – und damit fast den dritten Weltkrieg losgetreten. Kim Jong-un kann noch von mir lernen.

Falls hier jetzt jemand fragen will, warum ich mit dieser netten Tradition brechen will, an der ich ja selbst nicht ganz unschuldig bin: Keine Ahnung. Ich habe immer gern Geburtstage mit Freunden gefeiert, aber dieses Jahr löst der Gedanke an Partyplanung und Verpflegungsbesorgung irgendwie Hautausschlag bei mir aus. Vielleicht, weil weder eine Schnapszahl noch ein runder Geburtstag ansteht. Vielleicht auch, weil ich einfach mal keine Lust habe, an meinem Geburtstag andere Leute zu bedienen und am nächsten Tag eine Stunde allein Berge von Geschirr zu spülen, weil ich keinen Geschirrspüler habe. Aber so oder so: Das sollte ja kein Problem sein, habe ich gedacht, schließlich haben alleine meine Freunde auch schon das eine oder andere Mal ihren Geburtstag ausfallen lassen – was ich selbst absolut okay finde. 

"Wie, du feierst nicht?"

Ich wurde eines Besseren belehrt. Die erste Freundin, der ich meine Entscheidung schon einen Monat zuvor eher nebenbei mitteilte, starrte mich mit großen Augen an und fragte mich empört, ob das mein Ernst sei. Das gehe doch nicht, immerhin hätte ich bisher doch immer gefeiert. So wie man auch einen Arbeitsablauf ja nicht ändern kann, einfach weil man den immer schon so gemacht hat (kennt nicht jeder so einen Kollegen?).

Etwas irritiert über die überraschend heftige Reaktion erklärte ich, dass mir einfach nicht nach Party sei. Stattdessen habe ich mir vorgenommen, dieses Jahr zum ersten Mal meine eigene Geburtstagstorte zu backen und diese mit meiner Familie zusammen zu genießen. Ich halte die Torte für genug Geburtstagsaufwand – meine Freundin wollte das leider nicht so sehen. Wir diskutierten eine ganze Weile darüber und am Ende brach ich das Thema entnervt ab.

Tränendrama – aber nicht vom Geburtstagskind

Aber sie blieb nicht die einzige, die ich mit meinem Entschluss offenbar völlig aus der Bahn geworfen habe. Kurz nach Weihnachten bekam ich eine Sprachnachricht einer anderen Freundin, die fast schon am Schluchzen war. Sie hatte zum Fest eine Karte für eine Show geschenkt bekommen, die nun ausgerechnet an meinem Geburtstagswochenende sein sollte. Kurzversion: Es täte ihr furchtbar leid, sie fühle sich völlig zerrissen und wüsste nun nicht, was sie tun solle. Auf meine Antwort, dass ich eh nicht feiere und sie die Show genießen soll, vergaß sie vor Irritation fast, weiterzuschluchzen.

Ich muss wohl krank sein

Und ein letzter Fall: Meine älteste Freundin fragte erst etwa eine Woche vor meinem Geburtstag, was nun anstehen würde. Auf meine Antwort schrieb sie mir dann noch eine private Nachricht und fragte, ob denn alles mit mir in Ordnung sei. Was sicher nett gemeint war, aber mir vor allem endgültig gezeigt hat, wie richtig es ist, Tradition einfach mal Tradition sein zu lassen.

Denn ich bin weder krank, noch geistig umnachtet oder kurz vor einer Depression. Ich finde es nur ätzend, Dinge als selbstverständlich anzunehmen, die zwar schön sind, anderen aber halt auch Arbeit machen. Und weil ich an meinem Geburtstag einfach selber entscheiden will, wie ich ihn verbringe. Deshalb bleibe ich bei meinem Entschluss und konzentriere mich dieses Jahr ganz auf meine erste Torte. Danach darf ich wahrscheinlich trotzdem eine Stunde lang Geschirr abwaschen – aber ich werde dabei wenigstens verdammt nochmal stolz auf mich sein.

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