Mein Leben mit dem sparsamen Mann

Unsere Autorin besitzt so viele Bonuskarten, dass sie ihr Portemonnaie bald gegen einen Rollkoffer tauschen muss. Alles Mitbringsel ihres Mannes, Botschafter schwäbischer Sparsamkeit.

von Lena Schindler

Eigentlich müsste mein Mann Ehrenbürger seiner Heimat Bayerisch-Schwaben sein. Denn was die ewig zitierte Sparsamkeit des Einzugsgebiets von Spätzle und Flädlesuppe angeht, macht ihm keiner etwas vor. Was lange unter dem Mantel des Verborgenen lag. Die Liebe zu Rabattaktionen hatte er zunächst geschickt verschleiert. Heute aber sind er und seine Bonusprogramme so untrennbar miteinander verbunden wie die Kessler-Zwillinge.

Finde ich ihn mit fiebrigem Glanz in den Augen vorm Laptop vor, ahne ich schon: Rabattrausch beim Online-Sale, Rubrik „Alles unter 10 Euro“. Er freut sich wie ein kleines Kind, wenn wir am Wochenende mit dem Familienkombi in Gewerbegebiete fahren, um beim Lagerverkauf Klamotten aus der vorletzten Saison zu ergattern. Socken und Boxershorts niemals zum regulären Preis zu kaufen ist für ihn eine Lebensphilosophie. Keine Zen-Meditation könnte ihn besser in die Balance bringen als ein Ausflug ins Schnäppchen-Mekka TK Maxx oder die Fundgrube von Ikea.

Die beste Beute im Bau

Gut, dass wir immer genügend Vorräte im Haus haben, um solche besonderen Erlebnisse spontan zu feiern. Olivenöl im 10-Liter-Kanister, Pasta vom italienischen Großhandel in der 5-kg-Packung, eng geschichtete Schokoladenstapel, denn warum nicht gleich zehn Tafeln nehmen, wenn es dann die limitierte Jubiläums-Edition umsonst gibt? Nach Markttagen bezwingen wir manchmal eine ganze Palette Nektarinen oder kreisen um die Frage, was wir einen Tag vor Urlaubsabflug mit fünf Schalen Erdbeeren machen sollen. Denn ein echter Sparfuchs weiß natürlich genau, dass man kurz vor Schluss die beste Beute zurück in seinen Bau schleppen kann – egal, ob man den Kram wirklich braucht oder nicht. Vor der Bruchwurst an der Fleischtheke hat er dankenswerterweise bisher haltgemacht, aber angeblich haben Marotten mit zunehmendem Alter ja noch Steigerungspotenzial ...

Heimlich wird der Preis entfernt

Mich hingegen durchströmt nicht gerade ein Glücksgefühl, wenn ich meinen Mann zu irgendwelchen Outlets begleite, in denen die ausgewählten Sachen in Müllsäcken mit extra viel Fassungsvolumen verpackt werden. Habe ich mal wieder etwas so Teures gekauft, dass es zärtlich in feines Papier eingeschlagen wird, schneide ich inzwischen heimlich den Preis ab, weil ich mich für diese Maßlosigkeit schäme. Dass der Mann an meiner Seite eisern daran festhält, auch in mir das Feuer der Rabattleidenschaft zu entfachen, lässt sich an dem Reißverschluss meines ehemals schlanken Geldbeutels ablesen, der jetzt herauszureißen droht.

Für die Flut an Treuekarten bräuchte ich eigentlich einen Rollkoffer. Payback, das Spar-Gedöns unserer Lieblingspizzeria und das Absatz-Bonusheft vom Schuster werden mir scheinbar beiläufig untergeschoben: „Schau mal, Schatz, wir haben jetzt eine Partnerkarte von Weiß-der-Himmel-wo, wenn wir noch dem Baby-Klub beitreten, bekommen wir Extrapunkte auf Windeln ...“ Zu gern würde ich das ganze Zeug wieder loswerden, wäre da nicht das Wissen darum, dass ich dem Mann meines Lebens eine große Freude mache, wenn ich das Messer aus säurebeständigem Spezialstahl mit heimbringe, das es für 50 000 Rabattpunkte gratis gibt.

Mir kommt die Rabattmanie meines Lieblingsschwaben manchmal vor wie ein tief verankertes Heimatgefühl, das er besonders abfeiert, weil er fast 800 Kilometer von seiner geliebten Sparhochburg entfernt lebt. Wie tief, wurde mir klar, als er mir kürzlich einen Strauß Anemonen mitbrachte. „Für dich. Die gab es im Angebot, zwei Bund für einen Preis!“ Zu wissen, dass sie ein guter Deal waren, macht die Blumen natürlich nicht weniger schön, aber die Geste leider doch. Ich bin echt kein sehr ökonomisch denkender Mensch, aber ich finde, diese Information hätte er sich wirklich sparen können.

Der Schwabe hat der Veröffentlichung zugestimmt. Wenn das Texthonorar aufs Sparbuch der Kinder kommt.