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Mein Schwiegermonster und ich – Eine ganz besondere Beziehung

Mein Schwiegermonster und ich – Eine ganz besondere Beziehung
© Getty Images
Es soll Menschen geben, die ein gutes Verhältnis zu ihren Schwiegereltern haben. So gut sogar, dass sie zusammen in den Urlaub fahren oder sich zu wöchentlichen Spieleabenden treffen, bei denen sich am Ende alle in den Armen liegen, weil es soooo schön war. Ich gehöre nicht dazu.
von Alexandra Keller

Das mit dem gemeinsamen Urlaub haben wir auch versucht. Nur endete der nicht in gegenseitigen Liebesbekundungen, sondern gipfelte in lautem Schluchzen und wilden Vorhaltungen, weil ich, angeblich, meine Schwiegermutter nicht mag.

Nun ist es so: Ein bisschen stimmt das sogar. Denn manche Seiten an ihr treiben mich schier in den Wahnsinn.

Etwa, dass sie mich ständig bei der Arbeit anruft, um in Ruhe zu quatschen. Denn der Max (ihr Sohn, mein Mann), hätte ja keine Zeit. Der arbeitet ja.

Oder, dass sie stets dafür gelobt werden will, dass sie so einen tollen Sohn zur Welt gebracht hat. „Ist er nicht ein toller Mann? Der hilft dir ja sogar beim Haushalt!“

Oder, dass sie mich mit Ende 30 wie eine Fünfjährige behandelt. „Naaa, willst du noch einen Naschi???“

Oder, dass sie mir immer erzählen möchte, wie ich am besten meine Kinder erziehen soll. „Mit dem Lasse musst du jetzt aber wirklich mal zum Fußball gehen. Mannschaftssport ist sehr wichtig.“

Oder, dass man mit ihr nie sachlich über ein Thema reden kann, weil sie alles als persönlichen Angriff wertet. „Wieso soll ich keinen Kuchen backen? Magst du meinen Kuchen etwa nicht?“

Oder, dass sie immer das Entgegengesetzte tut, von dem, was besprochen war. „Ich weiß, wir hatten nachmittags gesagt. Aber ist doch viel schöner, dass wir schon zum Frühstück da sind. Jetzt haben wir den ganzen Tag miteinander!“

Oder, oder, oder.

Ihr seht, da ist viel Wahnsinnspotential. Denn meine Schwiegermutter und ich, wir sind grundverschieden. Sie wäre gerne meine beste Freundin. Ich hab aber schon eine. Sie will mir ständig helfen. Ich komme bestens ohne ihre Hilfe klar. Sie findet, der Platz einer Frau ist bei ihrem Ehemann und den Kindern Zuhause. Ich finde Arbeit, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit essentiell. Und so kracht es regelmäßig.

Familienpsychologen kennen das Problem. Laut einer Studie aus Cambridge haben fast 60 Prozent aller Frauen Schwierigkeiten mit ihren Schwiegermüttern. Die Gründe sind unterschiedliche Wertevorstellungen, Generationenkonflikte und der festsitzende Glaube, dass Mutti am allerbesten weiß, was gut für ihr Kind ist. Deswegen können wir in Schwiegermutters Augen wenig richtig, aber dafür umso mehr falsch machen.

Verglichen mit anderen Schwiegermüttern habe ich trotzdem ein ganz gutes Exemplar erwischt. Sie hat ein großes Herz, meint es nie böse. Wäre sie nicht meine Schwiegermutter, würde ich sie wahrscheinlich richtig nett finden. Aber so fehlt uns die nötige Distanz. Sie ist nämlich eine der Übereifrigen, die am liebsten jeden Tag zum Kaffee vorbeikommen würde, um sich dann abends in die Bettritze zu quetschen. Ich dachte mal so ganz naiv, das würde sich irgendwann geben. Nach fast zwanzig Jahren mit meinem Mann weiß ich es jetzt besser. Schwiegermutter und ich streiten uns zwar noch genauso häufig wie früher, dafür weiß ich mittlerweile, wie ich die Wogen hinterher wieder glätten kann. „Der Max“, sag ich dann, „das ist ein richtig toller Mensch. Schlau, gutaussehend, liebevoll – das hat er bestimmt von dir.“

Zieht immer.


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