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Gut gewollt, schlecht gemacht Merkwürdiger TikTok-Trend: Was soll das mit dem Kleiderbügel?

Merkwürdiger Trend: Was soll das mit dem Kleiderbügel?
© JP Photography
Erst im lässigen Hoodie, dann im glamourösen Abendkleid – dabei wird ein Kleiderbügel in die Luft gehalten. Wieder einmal geht ein TikTok-Trend viral. Mit dem Kleiderbügel soll auf das Abtreibungsverbot in den USA hingewiesen werden – die vermeintlich gute Aktion wird jetzt scharf kritisiert.

Diverse Videos von Creator:innen gehen momentan durchs Netz. Im Hintergrund läuft ein Sound-Mix von Billie Eilish, die "My body, my choice", also "Mein Körper, meine Wahl" ruft. Erst zeigen sich die Creator:innen schlicht in Hoodies und Trainingshose, dann kommt ein harter Cut, die Frauen tragen glamouröse Outfits und wedeln mit einem Kleiderbügel. Während sie dort meist mit gespreizten Beinen auf einem Stuhl sitzen, bewegen sie ihre Lippen zur Songzeile "You're the man, but I got the power" (auf Deutsch: "Du bist zwar der Mann, aber ich habe die Macht").

TikTok-Videos mit Kleiderbügeln sorgen für Kritik

Diese Videos haben grundsätzlich einen gut gemeinten Hintergrund, denn sie sollen auf das Abtreibungsverbot in den USA aufmerksam machen. In einigen Bundesstaaten ist eine Abtreibung mittlerweile kaum noch möglich. Seit diesem Entscheid protestieren Menschen weltweit. Bei diesen Videos zeigt sich allerdings, dass es auch auf die Umsetzung ankommt.

Junge Frauen und Männer, die sich bei einem Outfitwechsel filmen und dabei mit Kleiderbügeln wedeln – das hat nur noch wenig mit der eigentlichen Message zu tun und wirkt in diesem Kontext eher respektlos, sagt die TikTokerin @selfloveblossom. Denn: Solche Kleiderbügel aus dünnem Draht wurden früher dafür verwendet, ein ungewolltes Kind "abzutreiben" – die Schwangerschaft wurde beendet, indem die Fruchtblase zum Platzen gebracht und so eine Fehlgeburt eingeleitet wurde. Nicht wenige Frauen sind bei diesem Vorhaben verblutet oder zogen sich schwere Verletzungen zu. Doch die Verzweiflung war so stark, dass sie dieses Risiko auf sich nahmen.

Der Kleiderbügel ist das Symbol für Abtreibungsrechte

Der Kleiderbügel ist das Symbol für Abtreibungsrechte geworden. Kurz nachdem die Regelung in den USA gekippt wurde, sagte Letitia James, die demokratische Generalstaatsanwältin: "Wir werden nicht in die Zeit zurückgehen, in der wir Kleiderbügel benutzten!"

"My body, my choice" ist in diesem Kontext natürlich eine korrekte Aussage, was jedoch dieser Outfitwechsel soll, ist fraglich. Man könnte jetzt mutmaßen, dass auch Kleidung Selbstbestimmung bedeutet, denn egal, was eine Frau trägt, sie allein hat das Recht, über ihren Körper zu bestimmen – Stichwort: Vergewaltigungen –, ob das aber tatsächlich dahintersteckt, ist fragwürdig.

TikTok-Trend: Gut gemeint, aber nicht gut gemacht

Einfach einen Kleiderbügel auf einer sozialen Plattform in die Höhe zu halten, dazu etwas über Macht zu singen und das Outfit zu wechseln, ist einfach zu weit weg von der Realität vieler Frauen. Denn auch heute noch sind in einigen Ländern Abtreibungen verboten und ungewollt Schwangere sehen keinen anderen Ausweg, als einen Kleiderbügel oder einen anderen spitzen Gegenstand zu benutzen, um die Schwangerschaft abzubrechen. Frauen sollten die Macht über ihren eigenen Körper haben, aber sie sollten sie nicht benutzen müssen, um sich selbst schwer bis tödlich zu verletzen.

Das Problem an diesen Trends ist, dass sie meist einfach nachgeahmt werden, ohne sich darüber Gedanken zu machen, was es beispielsweise mit Betroffenen machen kann. Hinzu kommt, dass viele Creator:innen gar nicht wissen, was genau hinter dem Symbol des Kleiderbügels steht. Tiktoker @Jamootv zeigte als einer der ersten Reue. Er entschuldigte sich bei seinen Fans und gab zu: "Ich entschuldige mich bei allen – ich hatte echt keine Ahnung und wollte einfach coolen Content machen. Ich hatte mich nicht informiert." Er gibt ehrlich zu, dass er gar keine Ahnung hatte, was der Kleiderbügel eigentlich bedeutet. Und genau hier liegt die Krux in den sozialen Medien. Es gilt: Hinterfragen, informieren und diesen Trend lieber auslassen.

Verwendete Quellen: lessentiel.lu, instagram.com, pro-medienmagazin.de

slr Barbara


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